Badeunfälle in NRW: Was man beim Schwimmen beachten sollte

Badeunfälle in NRW: Was man beim Schwimmen beachten sollte

In NRW ist es an nur wenigen warmen Juni-Tagen zu mehreren Badeunfällen gekommen. Die DLRG befürchtet in diesem Sommer besonders viele Unfälle - wegen Corona.

Die Hitze hatte am vergangenen Wochenende wieder viele Menschen in NRW an den See oder ins Freibad gelockt. Dabei kam es zu mehreren Badeunfällen - zum Teil hatten Eltern ihre kleinen Kinder aus den Augen verloren.

Badeunfälle in Schwimmbädern und offenen Gewässern

Am Fühlinger See bei Köln zogen Einsatzkräfte der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft (DLRG) am vergangenen Wochenende einen 24-jährigen Mann aus dem Wasser. In Halver im Märkischen Kreis hatten zwei 13-Jährige einen 11-Jährigen in einem Schwimmbecken unter Wasser treiben sehen und ihn an Land gezogen - wo er erfolgreich wiederbelebt wurde.

In einem Freibad in Rheda-Wiedenbrück im Kreis Gütersloh wurden Einsatzkräfte am Samstag gleich zu zwei Badeunfällen gerufen. Ein Elfjähriger wollte mit seinem Onkel und seinem Bruder schwimmen gehen, obwohl er nach Angaben der Polizei noch kein guter Schwimmer war. Der Onkel habe den Jungen kurz aus den Augen verloren. Im zweiten Fall hatten Eltern ihren achtjährigen Sohn beim Baden für wenige Minuten nicht mehr im Blick, der währenddessen von einem Sprungbrett ins Wasser hüpfte. Ein Badegast half dem in Not geratenen Jungen aus dem Wasser. Gegen die Eltern wurde ein Strafverfahren eingeleitet.

Kurz aus den Augen verloren

Im Naturbad von Olfen im Kreis Coesfeld bargen Badegäste eine Dreijährige aus dem tiefen Wasser, nachdem sie dort untergangen war. Ihre Mutter hatte sie kurz aus den Augen verloren. Das Kind wurde reanimiert und kam in ein Krankenhaus.

Nicht immer gehen solche Badeunfälle glimpflich aus: In Duisburg starben drei Mädchen im Rhein - mitgerissen von der Strömung. Jedes Jahr warnen die Retter von der DLRG im Westen davor, in unbewachten Seen und Flüssen schwimmen zu gehen. 2021 könnte die Lage nun auch noch besonders problematisch werden.

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Schwimmpause durch Corona

Denn Sportbäder waren durch die Corona-Pandemie lange geschlossen. Selbst wer gut schwimmen kann, konnte also nicht trainieren. Durch andere Tätigkeiten - wie beispielsweise Joggen - lässt sich der Konditionsverlust nur schwer ausgleichen. Schwimmen ist eine Sportart, die den gesamten Körper fordert. Nun bestehe die Gefahr, dass viele im Wasser ihre Kräfte überschätzen, warnt die DLRG.

Hinzu kommt, dass aufgrund der Pandemie der Zugang zu vielen Frei- und Spaßbädern begrenzt ist. Das könnte noch mehr Menschen dazu verleiten, ihre Abkühlung in unbewachten Seen und Flüssen zu suchen - wo die meisten tödlichen Unfälle geschehen.

Selbst Olympiaschwimmer chancenlos

In Flüssen ist es vor allem die Kraft der Strömung, die Badende böse überraschen kann. Der Rhein beispielsweise sei eine "Todesfalle", warnt die Polizei in Duisburg.

Er fließt mit einer Strömungsgeschwindigkeit von acht bis zwölf Stundenkilometern. Selbst ein gut trainierter Olympiaschwimmer habe keine Chance, gegen die Strömungen anzuschwimmen, sagt Michael Grohe von der DLRG Nordrhein.

Zumal man die Strömungen oft von der Wasseroberfläche aus gar nicht erkennen kann, wenn sie sich in Bodennähe befinden. Sie können Schwimmer schnell in die Tiefe ziehen und es schwierig machen, aus eigener Kraft zurück ans Ufer zu kommen. Zudem können Schiffe für enormen Sog und Wellengang sorgen.

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Kreislaufschock durch Temperatursprünge

In Seen sind vor allem die Temperaturunterschiede des Wassers gefährlich. Die Wasseroberfläche ist warm, aber beim Sprung in tiefere Lagen kann das Wasser erheblich kälter sein. Das ist mitunter so heftig für den Körper, dass er in eine Art Schockstarre verfällt, die bis zur Bewusstlosigkeit führen kann.

Insbesondere Baggerseen können zudem tiefer sein, als man denkt. Jene im Rheinland sind teils bis zu 20 Meter tief, betont Rettungsschwimmer Peter Fischer von der DLRG Rhein-Erft-Kreis. "Schwimmer können sich erschrecken, wenn sie ganz plötzlich keinen Boden mehr unter den Füßen haben. Zudem sind die Ufer nicht gut befestigt, was die Gefahrenmomente noch verschärft", fasst er zusammen.

Die wichtigsten Baderegeln

  • Tückische Strömung: Selbst gute Schwimmer überschätzen meist ihr Kraft
  • Wassertemperatur: Während sich die Wasseroberfläche aufwärmt, bleibt es in der Tiefe kalt. Bei kaltem Wasser sinkt auch die Körpertemperatur, Herz und Lunge kühlen ab, es kann zu Herz-Rhythmus-Störungen kommen. Beim Sprung ins Wasser kann man einen Schock bekommen
  • Schiffsverkehr: Die DLRG warnt - nie dort schwimmen, wo Schiffe und Boote fahren. Schiffe haben starke Sogwirkung und erzeugen Wellengang
  • Voller Bauch: Nur wer sich wohl fühlt, sollte ins Wasser steigen. Ein voller Magen ist keine gute Voraussetzung - ebenso wie ein ganz leerer Magen
  • Nie allein: Generell gilt - am besten nie allein und nur an bewachten Stellen ins Wasser gehen

Schwimmen im Rhein: Stadt Köln mahnt zur Vorsicht

Auch die Stadt Köln nennt einige Verhaltensregeln, die beim Baden im Rhein beachtet werden sollten. Dazu zählen:

  • Mit der Strömung schwimmen: Selbst für geübte Schwimmer ist das Ankämpfen gegen die Strömung aussichtslos.
  • Am Ufer bleiben - und nicht in den Rhein springen
  • Wenn man einen Badeunfall beobachtet, sollte man die 112 wählen. Um den Unfallort anzugeben, helfen die Rheinstromkilometer-Tafeln.
  • Sich nach einem Rettungsring umsehen, um einem Ertrinkenden zu helfen. Man sollte sich nicht selbst in Gefahr begeben.

Lautloser Tod

Menschen, die Zeugen eines Schwimmunfalls geworden sind, berichten oft, dass der Verunglückte plötzlich untergegangen sei, ohne zu schreien oder zu winken. "Ertrinken ist ein stiller Vorgang", erklärt Michael Grohe.

In den seltensten Fällen sei es wie im Film, wo Ertrinkende noch um sich schlagen oder laut um Hilfe rufen. "Ertrinken hat etwas mit körperlicher Erschöpfung zu tun. Man hat keine Kraft mehr, ist bewegungsunfähig." Schwimmt jemand also mit unkontrollierten Bewegungen, sollte das immer ein erstes Alarmsignal für Erschöpfung sein.

Stand: 26.06.2021, 09:50

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