Cooper Koch als Erik Menendez, Nicholas Chavez als Lyle Menendez in der Netflix Serie "Monster"

Kriminalfälle: Wenn True-Crime-Dokus und Podcasts neue Fakten schaffen

Stand: 25.10.2024, 12:32 Uhr

Eine Netflix-Serie sorgt gerade für Aufsehen und könnte einen Mordfall in den USA neu aufrollen. Auch in Deutschland erscheint so mancher Kriminalfall durch journalistische Recherche und Krimi-Podcasts in ganz neuem Licht. Manchmal werden Täter auch erst so überführt.

Von Katja Goebel

Die True-Crime-Serie "Monster" beleuchtet gerade in mehreren Folgen das Leben der Brüder Menendez. Die waren für den brutalen Mord an ihren Eltern 1989 in den USA zu lebenslanger Haft verurteilt worden, der Prozess wurde damals live übertragen und sorgte für viel Aufsehen.

Der damals 21-jährige Lyle und sein 18-jähriger Bruder Erik hatten die tödlichen Schüsse zugegeben. Zur Verteidigung erklärten sie aber, sie hätten befürchtet, dass ihre Eltern sie töten wollten - um den langjährigen Missbrauch durch den Vater zu vertuschen.

Wiederaufnahme und neues Strafmaß möglich

Erik Menendez, links, und sein Bruder Lyle sitzen am 1. September 1992 in Beverly Hills, Kalifornien, im Gerichtssaal, als ein Richter einen Termin für den 13. Oktober anberaumt, um ihre Vorverhandlung zu beginnen.

Die Brüder bei der Verhandlung 1992

Durch die neu veröffentlichte Doku richtet sich nun nochmals der Fokus auf den Fall - mit überraschenden Folgen. So hatte es nach Ausstrahlung der Serie viele Anfragen gegeben und der öffentliche Druck stieg so stark, dass sich nun der Bezirksstaatsanwalt neu mit dem Fall befasst hat. Gestern kündigte er an, dass er beantragen werde, das Strafmaß zu ändern.

Das hätte zur Folge, dass die Menendez-Brüder sofort auf Bewährung entlassen werden könnten. Die Staatsanwaltschaft wird den Antrag jetzt einreichen, und eine Anhörung vor einem Richter könnte schon im November stattfinden.

NDR-Podcast findet weitere Betrugsstory

Das Logo von NDR Info ist in einem Podcast-Aufnahmestudio zu sehen

Podcast-Aufnahmestudio von NDR-Info

Auch in Deutschland gibt es Fälle, in denen die Recherche von Journalisten zu einer ganz neuen Bewertung alter Kriminalfälle führen konnte. Jüngstes Beispiel ist der NDR-Info-Podcast "Der talentierte Mr. Vossen". Darin beschäftigt sich der Journalist Christoph Heinzle mit der Geschichte des deutschen Millionenbetrügers Felix Vossen.

Gemeinsam mit der Schweizer Investigativjournalistin Simone Rau lässt Heinzle die Geschichte des Betruges noch einmal Revue passieren und beschließt, sie in neuen Folgen weiterzuerzählen. Und unerwartet erbringen seine Recherchen eine weitere Betrugsstory. Denn: Eines seiner Opfer entpuppt sich selbst als Betrügerin.

Journalisten spüren Ex-RAF-Terroristin auf

Khesrau Behroz

Podcaster Khesrau Behroz

Der Journalist Khesrau Behroz wurde bundesweit bekannt durch einen Podcast, nach dessen Veröffentlichung die mutmaßliche RAF-Terroristin Daniela Klette nach über 30 Jahren in Berlin-Kreuzberg verhaftet wurde. Vorangegangen war der Verhaftung eine ARD-Recherche. Der Podcast "Legion: Most Wanted" von RBB, NDR und der Produktionsfirma Undone war Klette Ende 2023 ganz nahegekommen.

KI hilft bei Überführung

Im Innenhof eines Behördenzentrums wird im März 2024 die frühere RAF-Terroristin Daniela Klette zu einem Hubschrauber geführt.

Von der Polizei abgeführt: Daniela Klette

Auf der Website eines Berliners Capoeira-Vereins war die 65-Jährige auf Bildern zu sehen. Das internationale Recherchekollektiv Bellingcat hatte daraufhin für den Podcast ein Bild der Ex-RAF-Terroristin in die Software PimEyes eingespeist. Mithilfe von KI kann die Software nach Gesichtern im ganzen Internet suchen und diese aufspüren. So kam man schließlich auch Daniele Klette auf die Spur - angeblich in nur einer halben Stunde.

Jetzt diskutiert auch die Politik, inwiefern man KI zur Überführung von Straftätern nutzen kann und darf.

RAF - Der lange Weg der Ermittler zu Daniela Klette I nah dran

nah dran – die Geschichte hinter der Nachricht 08.03.2024 19:19 Min. Verfügbar bis 08.03.2029 WDR Online


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Reporterin deckt Justizirrtum auf

Die Journalistin und Autorin Sabine Rückert zu Gast in der WDR Talkshow Kölner Treff am 17.12.2019 in Köln

Gerichtsreporterin Sabine Rückert

Doch mutmaßliche Täter werden durch journalistische Recherchen nicht nur überführt, manchmal wird auch ihre Unschuld bewiesen. So recherchiert 2002 zum Beispiel die Gerichtsreporterin der Wochenzeitung "Die Zeit" einen Vergewaltigungsfall. Dabei hatte eine junge Frau zwei Männer beschuldigt, sie vergewaltigt zu haben. Ein Landgericht verurteilte die Männer. Die beiden verbringen mehrere Jahre im Gefängnis - zu Unrecht. Nach Recherchen der Journalistin Sabine Rückert erwirkt ein Rechtsanwalt schließlich den Freispruch der beiden Männer.

Unsere Quellen:

Über dieses Thema berichten wir auch am Montag, 28.10.2024 im Tageschau-Podcast "15 Minuten".