Symbolbild: Tankstutzen an einer Zapfsäule

Noch nie war Tanken so teuer wie 2022

Stand: 06.11.2022, 10:38 Uhr

2022 ist das teuerste Tank-Jahr der Geschichte: Zu diesem Schluss kommt der ADAC. Egal wie die Preise sich bis Jahresende entwickeln, der Rekord sei sicher.

An dem Rekord wäre selbst dann nichts mehr zu ändern, wenn Benzin und Diesel ab Sonntag verschenkt würden, geht laut dpa aus den ADAC-Daten hervor. Bei Superbenzin der Sorte E10 wurde die Grenze am Samstag überschritten, beim besonders stark von den Preissteigerungen betroffenen Diesel war sie schon vor einem Monat gefallen.

50 Cent mehr für Diesel

Im bisherigen Rekordjahr 2012 hatte E10 im Schnitt 1,589 Euro pro Liter gekostet, Diesel 1,478 Euro. Nimmt man an, dass die Spritpreise für den Rest des Jahres etwa gleichbleiben, haben sich die Preise 2022 im Schnitt folgendermaßen erhöht

  • E10 steigt im Vergleich zum alten Rekord um rund 29 Cent auf etwa 1,88 Euro pro Liter
  • Diesel steigt um etwa 50 Cent auf rund 1,98 Euro pro Liter.

Rund 860 Euro Mehrkosten für Diesel, 360 für Benzin

Was bedeutet das aufgerechnet in etwa für das Portemonnaie? Das ist natürlich abhängig davon, wie weit man fährt und wieviel das Fahrzeug verbraucht.

Wenn man von den hochgerechneten Literpreisen für das Gesamtjahr ausgeht, mit typischen Entfernungen und Verbrauchsdaten rechnet und das mit Durchschnittspreisen aus den zehn Jahren davor vergleicht, ergibt sich Folgendes:

  • Bei einem Diesel steigen die Kosten um rund 860 Euro im Jahr (Jahresfahrleistung von 20.000 Kilometern, Verbrauch von 6 Litern auf 100 Kilometern).
  • Bei einem Benziner liegen die Mehrkosten im Jahr bei rund 360 Euro (Jahresfahrleistung von 10.500 Kilometern, Verbrauch von 7,5 Litern auf 100 Kilometern.)

ADAC-Experte: "Industrie ersetzt Gas durch Diesel" - deshalb so teuer

Stahlwerk von ThyssenKrupp in Duisburg

ADAC: Industrie ersetzt Gas durch Diesel

"Die Spritpreise befinden sich nach wie vor auf einem überteuerten Niveau", sagt ADAC-Experte Christian Laberer. Es bestehe die Gefahr, dass sich die hohen Preise für längere Zeit am Markt verfestigen.

Die Diesel-Preise seien besonders hoch. Das liege an Sonder-Effekten, erklärt Laberer. "Die Industrie ersetzt Gas durch Diesel und aktuell zieht die Nachfrage nach dem sehr ähnlichen Heizöl wieder an. Aber das rechtfertigt nicht, wie stark die aktuellen Preise überhöht sind."

Hohe Spritkosten helfen Klimaschutz offenbar nicht

Naheliegend wäre, dass die hohen Spritkosten dem Klimaschutz helfen: Das ist aber wohl nicht so. Nach Daten des Bundeswirtschaftsministeriums wurde dieses Jahr mehr Sprit ausgeliefert als im Vorjahr.

Der ADAC sagt auch, dass nach vorläufigen Daten dieses Jahr wieder mehr gefahren wurde als letztes Jahr - der deutsche Spritverbrauch ist demnach trotz hoher Preise und Klimakrise nicht zurückgegangen.

Auf die Wahl, welches Benzin in den Tank kommt, scheinen die gestiegenen Preise aber Auswirkungen zu haben: Der Anteil des günstigeren E10 am Benzinverbrauch ist kräftig gestiegen.

"Fast alle Benziner vertragen das, wenn es sich nicht gerade um Oldtimer handelt", sagt ADAC-Experte Laberer. "Der Preisunterschied beträgt meist 5 bis 6 Cent. Trotzdem wird immer noch viel mehr normales Super als E10 getankt."

Über dieses Thema berichtet am 06.11. unter anderem die Aktuelle Stunde im WDR Fernsehen.

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