Geld am brennen

Gestiegene Energiekosten: So hoch sind aktuell die Gas- und Strompreise in NRW

Stand: 27.09.2022, 18:55 Uhr

Wie hoch die Energiepreise sind - dazu gibt es jetzt aktuelle Zahlen. In NRW sind die Gaskosten im Durchschnitt um 280 Prozent gestiegen, die Stromkosten durchschnittlich um 74 Prozent.

Gaspreisdeckel, Strompreisbremse - angesichts der drastisch gestiegenen Energiepreise ist einiges in der Diskussion, entschieden ist aber bislang noch nichts. Welche Pläne gibt es und vor allem: Wie ist aktuell das Preislevel in Sachen Gas und Strom?

Wie ist aktuell im Schnitt der Gaspreis in NRW?

Ende September liegen nach Angaben des Vergleichsportals Verivox die durchschnittlichen Gaskosten in NRW für ein Einfamilienhaus mit einem Jahresverbrauch von 20.000 Kilowattstunden (kWh) bei 5.208 Euro (26,04 Cent/kWh). Diese Zahlen nannte am Dienstag ein Sprecher von Verivox auf WDR-Anfrage. Vor zwölf Monaten lagen die Durchschnittskosten noch bei 1.369 Euro. "Das bedeutet Mehrkosten von 3.839 Euro und einen Anstieg von 280 Prozent", so der Sprecher. Die durchschnittlichen Gaskosten haben sich also fast vervierfacht.

Diese Werte basieren auf dem Verivox-Verbraucherpreisindex für Gas in NRW, der die Preise der örtlichen Grundversorger sowie die Neukundenpreise der wichtigsten überregionalen Versorger berücksichtigt.

Haben alle Gasanbieter in NRW die Preise erhöht – oder gibt es auch welche, die das nicht gemacht haben?

Im Laufe dieses Jahres haben nach Erkenntnissen von Verivox alle Gasanbieter in NRW die Preise erhöht.

Und wie hoch ist aktuell der Strompreis?

Aktuell liegen die Stromkosten für einen Drei- bis Vier-Personen-Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4.000 kWh in NRW im Durchschnitt bei 2.177 Euro (54,42 Cent/kWh). Vor zwölf Monaten lag der Durchschnittspreis noch bei 1.251 Euro. Die jährlichen Kosten sind damit um 926 Euro oder 74 Prozent angestiegen.

Diese Werte basieren auf dem Verivox-Verbraucherpreisindex für Strom in NRW, der die Preise der örtlichen Grundversorger sowie die Neukundenpreise der wichtigsten überregionalen Versorger berücksichtigt.

Warum sind die Gaspreise so hoch?

Schon vor dem Ukraine-Krieg waren die Gaspreise im Großhandel hoch, seit der Invasion stiegen sie weiter. Denn Gaslieferungen aus Russland bleiben aus und der Rohstoff muss anderweitig zu höheren Preisen beschafft werden. Zugleich ist der Bedarf hoch: In Deutschland wird knapp jede zweite Wohnung mit Gas beheizt. Für die Verbraucher erhöhen sich die Rechnungen teils erheblich, weshalb viele eine Deckelung fordern.

Wie könnte eine Deckelung aussehen?

Die Grundidee ist, dass der Preis für einen Grundbedarf an Gas pro Haushalt festgelegt wird. Über diesen Deckel hinaus müsste weiterhin der volle Gaspreis gezahlt werden. Die Bundesregierung hat eine Expertenkommission eingesetzt, die verschiedene Modelle prüfen soll.

Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK) der Hans-Böckler-Stiftung, könnte sich etwa vorstellen, 5.000 kWh als Grundsockel und 2.000 kWh für jedes weitere Familienmitglied bei 13 Cent pro Kilowattstunde zu deckeln. Für einen durchschnittlichen Einfamilienhaushalt wird allgemein ein jährlicher Gasverbrauch von rund 20.000 kWh angenommen. 13 Cent pro kWh entspricht laut Dullien in etwa dem aktuellen Durchschnittspreis.

Was spricht für einen Preisdeckel?

Laut IMK-Chef Dullien würde durch die reduzierten Kosten die gemessene Inflation sinken - das wiederum stabilisiert die Inflationserwartungen, senkt das Risiko einer Preis-Lohn-Spirale und beruhigt Tarifkonflikte. Außerdem würden "zielgerichtet Haushalte mit Gasheizung entlastet".

Die Wirtschaftsweise Veronika Grimm betonte, dass dringend Gas gespart werden müsse, weil sonst im Winter eine Mangellage drohe. Ein Gaspreisdeckel sei daher nur sinnvoll, "wenn er mit großen Sparanreizen verbunden" ist. Das sei grundsätzlich der Fall, wenn er nur für ein Grundkontingent gelte. Parallel könnten zudem Prämien ausgezahlt werden für diejenigen, die wenig Gas verbrauchen.

Welche Nachteile ergeben sich?

Neben dem hohen bürokratischen Aufwand für die Einführung der Maßnahme wird vor allem auf die Finanzierung verwiesen. Um den Endverbraucherpreis bei Gas per Deckelung zu senken, wäre laut Berechnungen des Bundeswirtschaftsministeriums aus der Staatskasse ein Betrag von 2,5 Milliarden Euro pro Cent und Kilowattstunde nötig.

Die Gesamtkosten würden dann vom veranschlagten Grundbedarf, dem gewählten Deckelungspreis sowie der weiteren Gaspreisentwicklung abhängen. Unter anderem wegen dieser Summen wurden bereits Rufe nach einem Sondervermögen für die Wirtschaft ähnlich wie zur Stärkung der Bundeswehr laut.

Was ist mit der Gasumlage?

Die Gasumlage soll nach derzeitigem Stand ab dem 1. Oktober erhoben werden, wodurch die Gaspreise noch einmal steigen würden. Mit dem Aufschlag sollen wegen des ausbleibenden russischen Gases ins Straucheln geratene Gasimporteure gestützt und letztlich die Versorgung gesichert werden. In der Ampel scheint nun Einigkeit zu herrschen, dass das umstrittene Vorhaben wieder gekippt wird. Aus Grünen-Kreisen hieß es zuletzt, es mache "keinen Sinn, Preise zu deckeln und gleichzeitig die Umlage zu erheben".

Warum sind eigentlich auch die Strompreise so stark gestiegen?

Weil die Gaspreise nach oben geschnellt sind, ist auch Strom teurer geworden. Der Grund ist, dass durch das teuerste eingeschaltete Kraftwerk, das zur Produktion nötig ist, die Strompreise bestimmt werden. Bei niedriger Nachfrage reicht günstiger Strom aus Windkraft. Um die derzeit hohe Nachfrage zu decken, sind teure Gaskraftwerke zu nutzen. Nach ihnen richtet sich der Preis.

Wird es denn eine Strompreisbremse geben?

Die Strompreisbremse ist Teil eines dritten Entlastungspakets, das die Bundesregierung auf den Weg gebracht hat. Demnach sollen neben Privathaushalte auch kleine und mittlere Unternehmen die Strommenge für einen Basisverbrauch zu einem vergünstigten Preis beziehen können. Ob und wann eine Strompreisbremse kommt, ist aber noch offen.

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