Corona-Impfung auch für Schwangere? Was dafür spricht

Vordergrund: Impfstoff gegen Covid-19, Hintergrund: Eine schwangere Frau mit Maske

Corona-Impfung auch für Schwangere? Was dafür spricht

Von Claudia Wiggenbröker

Bislang gibt es keine Impf-Empfehlung für Schwangere. Mittlerweile häufen sich Stimmen von Medizinern, die eine Immunisierung von werdenden Müttern fordern.

Wenn Schwangere an Corona erkranken, können die Folgen fatal sein. In vielen Ländern - darunter Frankreich, Israel und mehrere US-Staaten - werden Schwangere daher sogar priorisiert geimpft.

In Deutschland ist das bislang noch nicht der Fall. Denn eine Impfung wird bislang nicht offiziell von der Ständigen Impfkommission empfohlen.

Ist das Coronavirus für Schwangere überhaupt gefährlicher?

Wenn sich schwangere Frauen mit Corona infizieren, gibt es vermehrt schwere Krankheitsverläufe. Insbesondere, wenn die Schwangere über 35 Jahre alt ist, Übergewicht oder Vorerkrankungen wie Bluthochdruck oder Diabetes hat. Das teilt die Deutsche Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG) mit.

Eine Untersuchung von 400.000 Schwangerschaften in den USA legt ebenfalls fatale Folgen für werdende Mütter nahe. Demnach ist das Risiko für einen Herzinfarkt bei erkrankten Schwangeren um das 27-fache erhöht. Für den Tod der Mutter ist es 28 Mal höher.

Eine andere US-Studie von 2.000 Schwangeren kommt zu ähnlichen Ergebnissen.

Warum wird eine Impfung bislang nicht empfohlen?

Die Ständige Impfkommission (STIKO) empfiehlt aktuell nur eine Immunisierung bei Schwangeren mit Vorerkrankungen - "nach Nutzen-Risiko-Abwägung und nach ausführlicher Aufklärung".

Eine generelle Empfehlung für werdende Mütter gibt es bislang nicht. Der Grund: Zur Anwendung der Impfstoffe in der Schwangerschaft lägen keine Daten vor. So steht es auf der Webseite des Robert Koch-Instituts (RKI) mit Stand von Mitte April.

Ist die Corona-Impfung für Schwangere gefährlich?

Eine Untersuchung aus den USA besagt indes, dass es nicht häufiger zu Komplikationen bei geimpften Schwangeren kommt als bei ungeimpften. Für die Studie wurden mehr als 35.000 werdende Mütter untersucht.

Der Intensivmediziner Stefan Kluge sprach sich ebenfalls dafür aus, "unbedingt auch Schwangere" zu impfen. Er versorgt am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf zunehmend coronaerkrankte Schwangere.

Die betroffenen Patientinnen seien Frauen um die 30, die im Regelfall keinerlei Vorerkrankungen hätten. Mit zunehmender Virusverbreitung bei jüngeren Menschen nähmen auch diese Fälle zu. Das liege auch an der Variante B.1.1.7, die deutlich ansteckender ist und im Verdacht steht, schwerere Krankheitsverläufe zu verursachen.

"Das Risiko der Impfung ist nicht Null, aber der Nutzen ist größer", so Kluge. Auch der Präsident des Berufsverbands der Frauenärzte, Christian Albring, hält eine Impfung für "äußerst sinnvoll". Er schätzt, dass die STIKO aufgrund der weiteren Studiendaten "in absehbarer Zeit die Impfung Schwangerer propagieren wird".

Über "Corona-Babys"

WDR 5 Neugier genügt - das Feature 29.03.2021 21:12 Min. Verfügbar bis 26.03.2022 WDR 5 Von Anita Horn


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Stand: 03.05.2021, 20:22

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