Demos vor dem russischen Konsulat in Bonn

02:42 Min. Verfügbar bis 17.03.2026

Russische Wahl: Protest in Bonn - Putin von Staatsmedien zum Sieger erklärt

Stand: 17.03.2024, 20:25 Uhr

In Deutschland lebende Russen konnten noch bis 20 Uhr auch abstimmen - da meldeten russische Staatsmedien: Putin gewinnt die Wahl nach ersten Prognosen mit 88 Prozent. Auch am Generalkonsulat in Bonn hatte es Proteste gegen Putin gegeben.

Am Generalkonsulat in Bonn demonstrierten etwa hundert Menschen gegen Putin. Die Schlange vor dem Wahllokal im russischen Generalkonsulat in Bonn war zwischenzeitlich 500 Meter lang gewesen, berichtet unser WDR-Reporter vor Ort. Die Polizei schätzte die Anzahl der Wartenden am frühen Nachmittag auf rund 1.000. Der große Andrang sorgte für ein hohes Verkehrsaufkommen mit vorübergehenden Straßensperrungen.

n der Schlange vor dem Generalkonsulat in Bonn: Wartende halten Bilder von Nawalny vor der Brust

Wartende halten Bilder von Nawalny vor der Brust

Putin-Befürworter und Putin-Gegner befanden sich in der Schlange. Einige der Wartenden trugen Bilder des verstorbenen Oppositionellen Alexej Nawalny vor der Brust, andere Bändchen in den russischen Nationalfarben.

Ein Teil der Menschen die am Generalkonsulat waren, wird sich freuen, über das, was russische Staatsmedien um kurz nach 19 Uhr am Sonntagabend vermeldeten. Der andere Teil wird bitter enttäuscht sein, auch wenn das Ergebnis erwartbar war: Kremlchef Wladimir Putin hat die von Manipulationsvorwürfen begleitete Präsidentenwahl laut Prognosen mit knapp 88 Prozent der Stimmen gewonnen. Das russische Staatsfernsehen erklärte den 71-Jährigen nach Schließung der Wahllokale auf Grundlage mehrerer Nachwahlbefragungen zum Sieger. Bei der dreitägigen Abstimmung waren keine echten Oppositionskandidaten zugelassen.

Opposition ruft zu Protest bei der Wahl auf

In Russland hatte die unterdrückte Opposition zu einem stillen Protest während der Wahl aufgerufen. Um 12 Uhr sollten die Menschen gebündelt in die Wahllokale gehen, um diese zu überlasten und damit die Abstimmung zu stören.

Russische Wahl in Bonn - Menschen warten vor dem Generalkonsulat in Bonn

Russische Wahl in Bonn - Menschen warten vor dem Generalkonsulat in Bonn

Kurz nach 12 Uhr hatte sich auch in Bonn die Warteschlange verlängert. Noch bis 20 Uhr konnten in Deutschland lebende Russinnen und Russen ihre Stimme abgeben.

Die Sicherheitsmaßnahmen im Generalkonsulat wurden für die Wahl erhöht. Rucksäcke, Taschen und Handys waren in den Wahllokalen nicht erlaubt.

Russen können auch in Bonn wählen

WDR Studios NRW 17.03.2024 00:44 Min. Verfügbar bis 17.03.2026 WDR Online


Demonstrationen gegen und für Putin

Blumen und Kerzen für Nawalny nahe des russischen Generalkonsulats in Bonn

Blumen und Kerzen für Nawalny vor dem russischen Generalkonsulat in Bonn

In der Nähe des Generalkonsulats waren laut Polizei zwei Demonstrationen angemeldet. Zu einer Kundgebung unter dem Motto "Mittags gegen Putin" kamen nach Angaben der Polizei im Laufe des Tages 250 Menschen. Vor dem Generalkonsulat wurden Kerzen und Blumen für den Oppositionellen und Kreml-Kritiker Alexej Nawalny niedergelegt, der in einem russischen Strafgefangenenlager im Februar verstorben ist.

Hohe Polizeipräsenz vor dem Konsulat

Bei einer prorussischen Kundgebung zählte die Polizei rund 25 Teilnehmer - angekündigt waren 50 Personen. Die Polizei war dennoch bis zum späten Nachmittag mit vielen Beamten im Einsatz, die hohe Polizeipräsenz war spürbar.

Das Konsulat selbst hatte verstärkte Kontrollmaßnahmen am Wahllokal angekündigt - nach eigenen Angaben, um die Sicherheit der Wählerinnen und Wähler und der Mitglieder der Wahlkommission zu gewährleisten.

Putin-Gegner rufen zu Boykott der Präsidentenwahl auf

Kremlgegner haben dazu aufgerufen, das Ergebnis der Präsidentenwahl nicht anzuerkennen, weil demokratische Standards nicht eingehalten würden. Unabhängige Beobachter weisen auf Betrug und Manipulation hin.

Mehr als zwei Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs auf die Ukraine war es das Ziel von Kremlchef Wladimir Putin, sich seine fünfte Amtszeit zu sichern. Politische Gegner, die ihm gefährlich werden könnten, gab es keine. Russische Oppositionelle waren entweder nicht zur Abstimmung zugelassen, ins Ausland geflohen, im Falle Nawalnys verstorben oder sitzen im Straflager. Putin stand deshalb von vornherein als Sieger fest.

Julia Nawalnaja, die Witwe von Alexej Nawalny, ging in Berlin zur Wahl. Dort schloss sie sich dem stillen Protest gegen die Wiederwahl Putins an. Nawalnaja hatte auch in Russland dazu aufgerufen, als Zeichen des Protests um genau 12 Uhr zu den Wahllokalen zu gehen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter vor Ort
  • Nachrichtenagentur dpa
  • Polizei Bonn
  • Generalkonsulat Bonn

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