Fahrplan für Werksschließung steht

Frust bei Opelanern

Fahrplan für Werksschließung steht

Von Olaf Biernat

Ernüchtert haben die Mitarbeiter des Bochumer Opel-Werks auf die Vorstellung des Sozial-Tarifvertrages reagiert. Die Pläne zur Abwicklung des Werkes hatten der Autobauer und die IG Metal den 3.300 Beschäftigten am Montag (16.06.) in der Dortmunder Westfalenhalle präsentiert. Die Schließung kostet Opel mehr als eine halbe Milliarde Euro.

Jetzt haben die 3.300 Mitarbeiter des Bochumer Opel-Werks endgültige Gewissheit. Die Geschäftsführung von Opel und die IG Metall NRW haben den 16-seitigen Sozialtarifvertrag präsentiert. Er enthält Regelungen zu Abfindungen, einer Transfergesellschaft und Ersatzarbeitsplätzen. Während der Vorstellung in der Dortmunder Westfalenhalle herrschte nach Angaben von Teilnehmern eisiges Schweigen im Saal. Viele Mitarbeiter reagierten resigniert und frustriert. Einige haben das Aus für das Bochumer Werk offenbar erst mit der Sitzung realisiert. Insgesamt zahlt Opel 552 Millionen Euro unter anderem für soziale Abfederungen der Mitarbeiter.

Maximal 250.000 Euro Abfindungen

Beispiel Abfindungen: Die bislang gängige Formel zur Berechnung berücksichtigt die Dauer der Betriebszugehörigkeit, das Alter des Beschäftigten und das Monatseinkommen. Allerdings macht Opel nach 24 Jahren Werkszugehörigkeit einen Deckel drauf, eine längere Zugehörigkeit wird in der Abfindung nicht berücksichtigt. Die Gewerkschaft konnte erreichen, dass Opel für jedes weitere Jahr im Werk nun jeweils 500 Euro zahlt. Die höchste Abfindung beträgt demnach 250.000 Euro. Das dürften aber die wenigsten bekommen, im Durchschnitt erhalten Beschäftigte rund 120.000 Euro, die sie auch noch versteuern müssen.

Transfergesellschaft läuft zwei Jahre

Beispiel Transfergesellschaft: Nach der Schließung des Bochumer Opel-Werks können die Mitarbeiter ab 2015 in eine Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft wechseln. Sie läuft zwei Jahre, in Härtefällen sogar bis zu drei Jahre. Hier bekommen die Mitarbeiter 80 Prozent ihres bisherigen Lohns. Die IG Metall konnte erreichen, dass Beschäftigte bis zu sieben Monate lang sogar 100 Prozent ihres bisherigen Lohns bekommen. In der Gesellschaft können sich die Beschäftigten weiterqualifizieren, Bewerbungen schreiben und sich fit für den Arbeitsmarkt machen. 

Warenverteilzentrum bleibt in Bochum

Beispiel Ersatzarbeitsplätze: Opel hat zugesichert, für zusätzliche 100 industrielle Arbeitsplätze im Raum Bochum zu sorgen. Außerdem bleibt das Werk III in Bochum (Logistiklager für Ersatzteile) erhalten, dort gibt es bis zum Jahr 2020 eine Beschäftigungsgarantie. Opel schafft 265 neue Arbeitsplätze. Ebenso werden im Jahr 2014 noch 40 Azubis eingestellt, ihre Ausbildung ist finanziell abgesichert. 

IG Metall: Mehr war nicht drin

Rainer Einenkel

Kämpft vor Gericht gegen die Schließung: Rainer Einenkel

Opel-Personalvorstand Ulrich Schumacher betonte, er sei fest davon überzeugt, dass mit dem Vertrag sozialverträgliche Lösungen gefunden seien. Auch der nordrhein-westfälische IG Metall-Chef Knut Giesler sagte nach den monatelangen Verhandlungen, dass mehr nicht drin gewesen sei: "Das Ergebnis liegt deutlich über vergleichbaren Abschlüssen in der Industrie", so Giesler. Dennoch habe er natürlich Verständnis für die deprimierte und niedergeschlagene Stimmung bei der Versammlung. Eine Abstimmung über den Sozial-Tarifvertrag soll es jedoch nicht mehr geben. Der Bochumer Betriebsratschef Rainer Einenkel kämpft hingegen noch vor Gericht gegen die Schließung des Werkes. Am zuständigen Landgericht Darmstadt hat Einenkel Klage eingereicht, weil er Unregelmäßigkeiten bei der entscheidenden Abstimmung des Aufsichtsrats vermutet. Ende September wird das Verfahren fortgesetzt.

Lange Opel-Tradition in Bochum endet

Nach über fünfzig Jahren gehen zum Jahresende im Bochumer Opel-Werk die Lichter aus. In dem früheren Vorzeigewerk wurden Erfolgsmodelle wie der Kadett und der Astra gefertigt, bis zu 20.000 Menschen arbeiteten in der Fabrik. Doch spätestens mit den Krisenjahren ab 2004 schwelte das Schließungsgerücht immer hartnäckiger über dem Bochumer Werk. Ende 2012 wurde es dann gewiss, also der damalige Opel-Chef Thomas Sedran in der schon legendären 10-Minuten-Rede die Schließung nüchtern bekannt gab. Damit endet in diesem Jahr die lange Opel-Tradition im Ruhrgebiet, zahlreiche Zulieferbetriebe wie der Sitze-Hersteller Johnson Controls sind ebenfalls betroffen und bauen Stellen ab.

Neue Pläne für Opel-Gelände

Was aus dem Gelände wird, ist allerdings schon klar. Die Stadt Bochum hat gemeinsam mit Opel eine Gesellschaft gegründet, um die Flächen zu vermarkten. Ein Teil des Geländes wird Opel für sein Warenverteilzentrum benötigen. Auf den übrigen Flächen sollen sich Firmen ansiedeln. So kommt zum Beispiel der Paketdienst DHL mit einem Logistiklager, 600 Arbeitsplätze entstehen. Außerdem ist geplant, dass die Ruhr-Uni Bochum ein Forschungszentrum ansiedeln will. Bis die ersten Unternehmen allerdings Platz finden, dürften noch mindestens zweieinhalb Jahre vergehen, weil die alten Hallen abgerissen und Böden von Altlasten befreit werden müssen.  

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Das letzte Opel-Jahr in Bochum Lokalzeit Ruhr 10.01.2014 02:29 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR

Stand: 16.06.2014, 17:15