Michelle Guth zielt auf dem Schießstand.

Das grüne Abitur – die neue Lust am Jagen

Stand: 25.02.2024, 12:00 Uhr

Immer mehr Menschen möchten einen Jagdschein, das "Grüne Abitur" machen. Die Ausbildung ist anspruchsvoll und zeitintensiv, die Durchfallquote hoch. Woher kommt die neue Lust am Jagen?

Von Sara Wendhack

Michelle Guth (26) aus Duisburg bringt das Gewehr in Anschlag, zielt, schießt und eine zerfetzte Tontaube fällt zu Boden. Wenn im April wieder die landesweite Jägerprüfung stattfindet, das grüne Abitur, will sie dabei sein. Für Michelle ist es an diesem Samstagnachmittag die zweite Praxisübung auf dem Schießstand in Neukirchen-Vluyn. Nicht die einzige Frau, die sich hier für die Jägerprüfung qualifizieren möchte. Insbesondere bei Frauen ist das Interesse groß, der Anteil der Jagdschülerinnen lag bereits 2021 bei 28 Prozent, Tendenz steigend.

Sebastian Pahl mit seiner Lerngruppe im Duisburger Stadtwald.

Sebastian Pahl (r.) mit seiner Lerngruppe im Duisburger Stadtwald

Michelle Guth geht es bei der Jagd vor allem um eine gesunde Ernährung - und um das Tierwohl. "Ich habe mich jetzt seit drei Jahren mit gesunder Ernährung auseinandergesetzt und da wir sehr viel Antibiotikum im Fleisch haben, plus die Massentierhaltung, das alles möchte ich nicht unterstützen." Michelle Guth möchte aber nicht auf Fleisch verzichten, weshalb sie heute mit den anderen Kursteilnehmern den Umgang mit der Schusswaffe übt. "Schießen ist zwei Drittel Nervensache und ein Drittel Können. Die meisten Leute fallen neben der Waffenhandhabung beim Schießen durch, weil sie Zittern und dann einfach daneben schießen", erklärt Ausbildungsleiter Lothar Spitzer von der Kreisjägerschaft Duisburg.

Immer mehr Jäger in NRW

Mann im Hochsitz, bei einer Theoriestunde rund um Unfallverhütungsvorschriften.

Unfallverhütungsvorschriften am Hochsitz

Auch Sebastian Pahl (37) hofft darauf, die dreitägige Jägerprüfung im April zu schaffen. "Ich will Jäger werden, weil ich naturverbunden bin und etwas für die regionale Natur machen möchte", beschreibt er seine Beweggründe. Sebastian Pahl und Michelle Guth liegen mit ihrem Interesse am Jägerkurs voll im Trend. Nie zuvor gab es so viele Anwärter, die einen Jagdschein machen wollen. Die meisten Jäger, knapp 97.000 kommen aus Nordrhein-Westfalen. Im Bundesdurchschnitt waren es zuletzt rund 36 Prozent mehr Jungjäger, als noch vor dreißig Jahren, teilt der Deutsche Jagdverband mit.

Intensive Vorbereitung - jeder Vierte fällt durch

Ausbildungsleiter Lothar Spitzer von der Kreisjägerschaft Duisburg erklärt.

Ausbildungsleiter Lothar Spitzer von der Kreisjägerschaft Duisburg

Michelle, Sebastian und den anderen Kursteilnehmern bleiben bis zur dreitägigen Prüfung noch acht intensive Wochen, um sich in insgesamt neun Fachgebiete fit zu machen. Ob Flora und Fauna, der Bau von Wildgehegen, Wildkrankheiten, Lebensmittelhygiene, Waffenrecht und Munition. Alles Stoff, der im schriftlichen Teil am ersten Tag der Prüfung sitzen muss, um sich dann für die mündlich-praktische Prüfung zu qualifizieren. Am dritten Tag folgt dann die Schießprüfung. Die Durchfallquote in NRW lag zuletzt bei 24 Prozent. Doch in der Duisburger Gruppe sind alle zuversichtlich, das grüne Abitur bald in der Tasche zu haben.

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