Eine Waage mit Drogen, darüber die handschuhbezogenen Hände eines Laboranten

Kokain-Schwemme und Drogenkriminalität trifft auch Duisburg

Stand: 13.12.2023, 07:00 Uhr

In der Asservaten-Kammer in Duisburg lagern Kokain, Amphetamine, Marihuana, Heroin - alles sichergestellt bei Ermittlungen in der Drogenszene. Und die ist in Duisburg gar nicht so klein.

Von Stephanie Hajdamowicz/Verena Köplin

Der oberste Drogenfahnder der Duisburger Kripo will anonym bleiben. Doch er kennt das Geschäft seit über 30 Jahren. Ein Kilo Kokain kostet, wenn man es in Holland erwirbt, circa 30.000 Euro. In Deutschland allerdings, in kleineren Mengen verkauft, werden daraus "locker 80.000 bis 100.000 Euro".

Drogenhandel ist lukrativ, einfach - und hoch professionalisiert

Und das ist genau der Grund, warum der Drogenhandel so boomt: Die Gewinnspanne ist riesengroß und für Täter lukrativ, und auch das Angebot ist da: Die Ware kommt von Südamerika über die großen Umschlagplätze in Rotterdam, Antwerpen und Hamburg nach Europa.

"Teilweise ruft der Anwalt uns schon an, bevor der mutmaßliche Täter auf dem Revier angekommen ist." Drogenfahnder aus Duisburg

Und dabei geht es nicht nur um Kokain. Im Bereich von Duisburg-Hamborn gibt es aus Polizeisicht aktuell einen verstärkten Heroinhandel. Auch hier läuft auf Täterseite alles sehr durchgeplant: "Teilweise ruft der Anwalt uns schon an, bevor der mutmaßliche Täter auf dem Revier angekommen ist", so der Fahnder.

Deals über Messenger und Darknet

Blick in die Asservatenkammer mit Kisten und Paketen

Asservatenkammer mit Drogen

Ein weiteres Problem: Drogenhandel wird immer digitaler. Die Deals werden über Messenger-Dienste oder das Internet abgewickelt, im Darknet kann man seine Drogen über Online-Shops bestellen. Die werden dann von einem Absender aus dem Ausland versandt und kommen mit der normalen Post in Deutschland an. Diese Sendungen zu erwischen, hängt für die Ermittler vom Zufall ab: Manchmal stimmt die Adresse nicht oder die Sendungen sind unterfrankiert - so fliegen die Deals manchmal auf.

Werbung für portugiesisches Modell

Archivbild: Sebastian Fiedler (2020)

Sebastian Fiedler: Beratung statt Geldbuße

Um Partydrogen, immer jüngere Kunden und die Kokain-Schwemme zu bekämpfen, wirbt Sebastian Fiedler, kriminalpolitischer Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, für ein Modell, das in Portugal seit rund 20 Jahren erfolgreich ist: "Der Besitz ganz kleiner Mengen bei Konsumierenden ist eine Ordnungswidrigkeit, die nicht stumpf in einer Geldbuße, sondern in gesundheitspolitisch ausgerichteten Maßnahmen geantwortet mündet. Das rechnet sich für alle: Die Toten und Kranken werden weniger und die Gesellschaft hat unter dem Strich weniger volkswirtschaftliche Kosten zu tragen. Dazu zählt ja auch die Begleit- und Beschaffungskriminalität."

Cannabis-Legalisierung stärkt Organisierte Kriminalität

Auch ist er kein Fan der Pläne, künftig den Besitz von 25 Gramm Cannabis zu erlauben. Das hat nichts mit Entkriminalisierung von Konsumenten zu tun, sondern stärkt die Organisierte Kriminalität. "Vielmehr würden sich für Kleindealer die Vertriebsstrukturen deutlich verbessern“, sagt er. „Sie dürften legal Stoff für etwa 75 Joints dabei haben und sich nur im Augenblick der Übergabe nicht erwischen lassen."

Lieber mal ein Kilo Kokain und der Täter wird nicht festgenommen, dafür aber ein Kind aus einer Hand befreit, wo es missbraucht wird. Drogenfahnder aus Duisburg

Der Duisburger Chef-Drogenfahnder geht sogar noch einen Schritt weiter und sagt: Die Bekämpfung der Drogenkriminalität liegt aktuell gar nicht im politischen Fokus. Und er versteht es sogar. Der absolute Schwerpunkt liege momentan in der Bekämpfung der Kinderpornografie. Und da sei ganz klar: "Lieber mal ein Kilo Kokain und der Täter wird nicht festgenommen, dafür aber ein Kind aus einer Hand befreit, wo es missbraucht wird."