Ärger um geplanten Auftritt des Verschwörungsideologen Daniele Ganser

Lokalzeit aus Dortmund 25.01.2023 21:21 Min. Verfügbar bis 25.01.2024 WDR Von Christof Voigt

Verschwörungserzähler Ganser: Bündnis will Auftritt in Dortmund verhindern

Stand: 25.01.2023, 18:45 Uhr

Der umstrittene Historiker Daniele Ganser will am 27. März in den Westfalenhallen auftreten. Ob es dazu kommt, ist fraglich. Ein breites Dortmunder Bündnis will den Auftritt verhindern. Jetzt hat sich auch die Stadt geäußert.

Von Christof Voigt und Till Krause

"Warum ist der Ukraine-Krieg ausgebrochen?" Das ist der Titel von Daniele Gansers Vortrag in den Westfalenhallen in Dortmund. Die verbreitete Sichtweise unter Experten, dass Russland den Krieg verursacht hat, teilt Ganser nicht. Er behauptet, dass die NATO die Hauptschuld am Krieg trage.

"Es ist nicht richtig, zu behaupten, die NATO sei schuld an diesem Angriffskrieg", sagt Ingrid Reuter, die für die Grünen im Dortmunder Stadtrat sitzt. Sie fordert im WDR-Interview, "dass Daniele Ganser ausgeladen wird und dass die Veranstaltung in dieser Form nicht stattfindet". Nicht nur wegen seiner Aussagen zum Ukraine-Krieg.

Verschwörungserzählungen zu 9/11 und Corona

Das Dortmunder Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus bezeichnet Ganser als einen "'Star' der verschwörungsideologischen Szene". Der umstrittene Historiker sei in den vergangenen Jahren immer wieder mit Verschwörungserzählungen aufgefallen - zum Beispiel auch zu den Anschlägen vom 11. September oder zur Corona-Pandemie. In einem niederländischen Dokumentarfilm setzt Ganser die von ihm wahrgenommene "Spaltung zwischen geimpft und ungeimpft" mit der Verfolgung von Jüdinnen und Juden im Dritten Reich gleich.

Portrait von Daniele Ganser

Daniele Ganser

"Damit relativiert er den mörderischen Antisemitismus des NS-Regimes und verharmlost die Schoah", sagt Micha Neumann von der Beratungsstelle gegen Antisemitismus ADIRA in Dortmund. "Das ist eine Ausdrucksform des Antisemitismus." Neumann fordert, dass der Auftritt Gansers in der Dortmunder Westfalenhalle 2 noch abgesagt wird, dieser sei nicht akzeptabel.

Westfalenhallen im Mittelpunkt der Kritik

Das fordert auch das Netzwerk zur Bekämpfung von Antisemitismus in Dortmund. Dazu gehören u.a. CDU, Grüne und verschiedene Dortmunder Organisationen. Sie kritisieren vor allem, dass Daniele Ganser ausgerechnet in den Westfalenhallen auftreten soll. Denn die Westfalenhallen GmbH ist ein städtisches Tochterunternehmen. "Auftritte von Ganser in renommierten Veranstaltungsorten wie der Westfalenhalle verleihen seiner verschwörungsideologischen Propaganda den Anstrich, Bestandteil des intellektuellen gesellschaftlichen Diskurses zu sein und tragen zu ihrer Normalisierung bei", so das Netzwerk.

Bisher hat sich die Westfalenhallen GmbH nur schriftlich geäußert. Demnach stelle man die Räumlichkeiten zur Verfügung. Für die inhaltliche Ausrichtung sei eine andere Firma verantwortlich. Daniele Ganser sei bereits 2021 in den Westfalenhallen aufgetreten, damals habe es keine Zwischenfälle gegeben. "Ich glaube, so einfach kann man sich das nicht machen", kritisiert Ingrid Reuter von den Grünen. "Man muss schon gucken, an wen man vermietet. Wir erwarten, dass da genauer hingeschaut wird in Zukunft."

Thema Anfang Februar im Rat

Ähnlich sieht das auch Uwe Waßmann, der für die CDU im Dortmunder Stadtrat sitzt und Aufsichtsratschef der Westfalenhallen ist. "Die Stadt Dortmund hat sich ganz klar bekannt gegen Rechtsextremismus, gegen Antisemitismus. Solche Leute haben in unserer Stadt keinen Platz." Waßmann kündigt im WDR-Interview an: "Der Rat wird beschließen, dass diese Veranstaltung nicht stattfinden soll und der Oberbürgermeister weist die Westfalenhallen an, dass dieser Vertrag aufzulösen ist."

Uwe Waßmann vor den Westfalenhallen

Uwe Waßmann, CDU Dortmund

Oberbürgermeister Thomas Westphal, SPD, signalisiert Unterstützung. "Wenn die Geschäftsführung der Westfalenhallen die Veranstaltung nicht durchführt, würde der Oberbürgermeister das gut verstehen und dies als Gesellschafter mittragen und unterstützen", so die Stadt in einem Statement.

Ob also am 27. März wirklich bis zu 2.000 Zuschauer Gansers Vortrag in der Westfalenhalle 2 verfolgen, bleibt abzuwarten. Am Donnerstag werden sich der Ausschuss für öffentliche Ordnung und Anfang Februar dann der Dortmunder Rat mit einer möglichen Absage der Veranstaltung beschäftigen.