Zu wenig Personal: Köln stoppt Einbürgerung

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Zu wenig Personal: Stadt Köln stoppt Einbürgerung

Stand: 24.05.2024, 20:40 Uhr

Das Kölner Ausländeramt nimmt vorerst keine Anträge auf Einbürgerung mehr an. Weil es zu wenig Personal gibt, hat sich nach Angaben der Stadt Köln ein Berg von etwa 8000 Bewerbungen für die deutsche Staatsbürgerschaft aufgetürmt.

Von Oliver Köhler

Jhojen Carbonell aus dem Stadtteil Sülz versucht seit Dezember vergeblich, einen Termin für die Einbürgerung zu bekommen. Der von den Philippinen stammende Carbonell ist Filialleiter einer Modekette in Köln. Gemeinsam mit seinem Ehemann Alexander Moog reist er viel. "Wenn wir Freunde in den USA besuchen wollen, muss ich jedes Mal erst ein Visum beantragen. Das ist viel Aufwand und dauert", berichtet Carbonell dem WDR. "Mein Mann kann spontan reisen. Ich nicht, weil ich keinen deutschen Pass habe."

Das Paar hatte im Dezember die notwendigen Unterlagen für die Einbürgerung zusammengestellt und dann telefonisch versucht, einen Termin für die Einbürgerung zu bekommen. "Bei der zuständigen Stelle war aber immer besetzt oder es lief eine Bandansage", sagt Ehemann Alexander Moog.

Termine erst ab 2025

Er schrieb dann E-Mails an die im Internet angegebene Adresse. "Es kam keine Antwort. Ich habe mindestens einmal pro Woche geschrieben, in der Hoffnung, dass die Stadt reagiert. Aber es kam nichts." Erst Anfang Mai teilte die Stadt dem Paar mit, dass "aktuell alle Termine für 2024 zur Antragsabgabe ausgebucht sind. Termine für 2025 vergeben wir anlässlich des zu langen Vorlaufs noch nicht".

Das Ehepaar Carbonell (l.) und Moog auf dem Sofa

Das Ehepaar Carbonell (l.) und Moog wartet seit sechs Monaten auf einen Termin

Weiter hieß es in dem Schreiben: "Aufgrund des sehr stark gestiegenen Einbürgerungsinteresses reichen unsere Kapazitäten derzeit nicht aus, mehr Termine anzubieten. An einer Kapazitätserweiterung wird aber konsequent gearbeitet. Bis dahin bitten wir um Geduld."

Anzahl der Anträge in Köln drei Mal so hoch wie 2023

Die Zahl der Anträge auf die deutsche Staatsbürgerschaft ist nach Angaben der Stadt Köln stark angestiegen, von zunächst rund 3000 Anträgen im Jahr 2022 auf 3800 im vergangenen Jahr. In diesem Jahr erwartet die Stadt eine Verdreifachung der Anträge auf etwa 10.000. Grund dafür ist ein neues Gesetz, das die Einbürgerung erleichtert. Das tritt im Juni in Kraft.

Die Stadt hat nach eigenen Angaben nicht genügend Zeit gehabt, sich auf die Folgen des Gesetzes vorzubereiten. Gleichzeitig erfüllen viele Geflüchtete, die 2015 und 2016 nach Deutschland gekommen sind, jetzt die Voraussetzungen für die Einbürgerung. "Die Menschen, die sich an die Stadt Köln wenden, können trotz des großen Interesses an der Einbürgerung erwarten, auch kurzfristig eine Antwort zu bekommen", sagt Stadtsprecherin Simone Winkelhog. "Wir bitten um Entschuldigung, dass das im Moment nicht immer möglich ist und wir bitten alle um Geduld, bis wir uns so aufgestellt haben, dass wir wieder den Service leisten können, den wir auch bieten möchten."

Stadt Köln will Personal verdreifachen

Das Kölner Ausländeramt sucht dringend Personal. Die Zahl der Beschäftigten in der Einbürgerungsabteilung soll auf 90 Mitarbeiter verdreifacht werden. Voraussichtlich will die Stadt erst ab September wieder Termine vergeben, an denen Menschen einen Antrag auf Einbürgerung stellen können.

Für Jhojen Carbonell und Alexander Moog ist die Erklärung der Stadt schwer nachvollziehbar. "Dass ein neues Gesetz kommt und wir 2015/2016 eine sehr starke Zuwanderung hatten, ist doch kein Geheimnis", sagt Alexander Moog. "Da hätte die Stadt doch rechtzeitig erkennen müssen, dass da etwas auf sie zukommt. Die Leidtragenden sind jetzt die vielen Menschen, die vergeblich auf einen deutschen Pass warten."

Über das Thema berichtet die Lokalzeit aus Köln am 24.05.2024 auch im WDR-Fernsehen und im Radio auf WDR 2.

Unsere Quellen:

  • Reporter vor Ort
  • Stadt Köln

Zu wenig Personal: Stadt Köln stoppt Einbürgerung

WDR Studios NRW 24.05.2024 00:43 Min. Verfügbar bis 24.05.2026 WDR Online