Eine Blumenwiese mit rosanen Blüten.

Radevormwald als pestizidfreie Stadt: weniger Gift auf unseren Grünflächen

Stand: 21.07.2022, 13:57 Uhr

In dieser Woche treffen sich die EU-Landwirtschaftsminister, um über die Reduzierung von Pestiziden zu diskutieren. In einzelnen Kommunen und Städten gibt es diese Reduzierung schon - und Radevormwald ist so eine "pestizidfreie Stadt".

In der Theorie klingt das erstmal gut, könnte gar ein Modell für das ganze Land sein. Aber wie klappt das da wirklich - so ganz ohne Gift.

Was bedeutet pestizidfrei

Seit 2018 schmückt die bergische Stadt sich mit dem Titel. Das heißt, auf allen städtischen Grünflächen sind Pestizide verboten. Der städtische Betriebshof verzichtet allerdings schon seit etwa 20 Jahren auf Pflanzengifte. Die Stadt will Artenvielfalt und auch die Gartenbesitzer motivieren, Gift aus ihren Gärten zu lassen. Bei Parkanlagen und Wiesenflächen ist das kein Problem. Schwierig wird es bei Ackerland, sagen die Landwirte.

Ackerland wird zu Wiesenfläche – und Wiesenfläche zu Ackerland

Die Stadt besitzt auch Flächen, die sie an Landwirte verpachtet hat. Diese städtischen Flächen müssen ebenfalls pestizidfrei bleiben. Das klappt auch, denn die Bauern "switchen um".

Landwirtschaft der Zukunft – Öko, konventionell oder beides?

Planet Wissen 11.03.2022 58:57 Min. UT Verfügbar bis 11.03.2027 SWR

Das Beispiel einer Wiese: Die Wiese gehört der Stadt Radevormwald und ein Bauer hat sie gepachtet. Er hat eine Kleegras-Mischung gesät – die braucht grundsätzlich kein Pflanzengift und ist somit im Sinne der Stadt. Als die Stadt Radevormwald noch nicht die pestizidfreie Stadt war, wuchs hier Mais. Der Bauer baut den Mais immer noch an - nur eben auf einem andern Feld, damit die städtischen Flächen pestizidfrei bleiben, sagt der Bauer.

Alles nur ein Flächentausch

Vor einem Feld steht eine Mann mit buntem Hemd und Schildkappe.

Stefan Hesse, Landwirt

Das sei kein Einzelfall, sagt Landwirt Stefan Hesse. Er erklärt, wie seine Kollegen hier mit der neuen Verordnung umgehen.

Die meisten Landwirte hier haben großes Verständnis für ihre Kollegen in den Niederlanden. Weniger Ackerflächen, weniger Pflanzengifte – wie und wo soll dann unser Getreide herkommen? Die EU-Diskussionen sehen sie sehr kritisch. Viele Landwirte warnen: Wenn alles "öko" sein soll, dann gibt es viel zu wenig Getreide - und es wird teuer.

Ein Acker mit hohen grünen Pflanzen.

Auf dem Acker wächst ohne Pflanzenschutz vor allem das Unkraut, stellt Stefan Hesse immer wieder fest. Der Mais gedeiht überhaupt nicht. Den Mais braucht er aber für seine Milchkühe. Das Futter, das er dazu kaufen muss, kostet inzwischen doppelt so viel, Tendenz steigend. Deshalb muss er dann mehr für seine Milch verlangen. Das merken Verbraucher auch an der Kasse. Fazit: Durch "pestizidfrei" hat sich  in Radevormwald auf dem Acker nicht viel geändert - aber es hört sich unheimlich gut an.