Vladimir (l) und Danil, russische Kriegsdienstverweigerer

Russische Kriegsdienstverweigerer bangen um Asyl

Stand: 05.09.2023, 10:50 Uhr

Flüchtlingsorganisationen kritisieren, dass russische Kriegsdienstverweigerer nur selten Asyl bekommen. Zwei Betroffene haben in Düsseldorf von ihrem Schicksal erzählt.

Von Benjamin Sartory

Danil und Vladimir sind zwei sympathisch wirkende, junge Brüder. Auf Einladung von Flüchtlingsorganisationen sind die beiden Russen in das Düsseldorfer soziokulturelle Zentrum "zakk" gekommen, um ihre bewegende Geschichte zu erzählen.

Flucht über die Türkei an den Niederrhein

Der 31 Jahre alte Danil war demnach gerade bei seiner Familie in Deutschland, als Russland die Ukraine überfiel. Aus Sorge, in den Krieg ziehen zu müssen, blieb er direkt hier.

Sein 27 Jahre alter Bruder Vladimir war dagegen bei Kriegsausbruch in St. Petersburg. Nach seinen Worten bekam er so große Angst, dass er sogar darüber nachgedacht habe, sich in einer Hütte im Wald zu verstecken. Am Ende gelang ihm aber die Flucht über die Türkei in den Kreis Kleve, wo seine Mutter lebt.

Mittlerweile leben die beiden in verschiedenen Flüchtlingsunterkünften am Niederrhein. Ihre Zukunft hier ist aber alles andere als sicher. Danils Asylantrag wurde nach seinen Angaben bereits abgelehnt. Vladimir kam später nach Deutschland, sein Verfahren läuft noch.

Russische Kriegsdienstverweigerer kriegen oft kein Asyl

Rudi Friedrich vom Verein "connection" aus Offenbach am Main setzt sich für ein umfassendes Recht ein, den Kriegsdienst zu verweigern. Die Praxis der deutschen Behörden bei russischen Betroffenen kritisiert er scharf. Nur wenige hätten bisher einen positiven Asyl-Bescheid bekommen.

"Gerade die russischen Verweigerer müssen wir doch unterstützen", hätten doch viele Politiker versprochen, meint Friedrich. Relativ problemlos klappe das aber nur bei Deserteuren - also Soldaten, die quasi aus dem Dienst fliehen.

Männer wie Danil und Vladimir haben sich aber gar nicht erst zum Dienst gemeldet. Und in diesen Fällen werden Asylanträge oft abgelehnt, sagt Friedrich. Als Grund werde angegeben, dass man eine Rekrutierung in Russland für "nicht beachtlich wahrscheinlich" halte.

Vladimir wurde in der Ukraine geboren

Dass die beiden Brüder nach Russland abgeschoben werden, können sich auch die Flüchtlingshelfer allerdings in der derzeitigen Lage nicht vorstellen. Neben dem Asyl gibt es noch weitere mögliche Aufenthaltsrechte. Auch Rechtsmittel sind möglich.

Michael Lukas von der Düsseldorfer Flüchtlingsinitiative "Stay!" betont außerdem, dass die beiden sich politisch gegen die Putin-Regierung engagieren und zum Beispiel auf Demos gehen. "Eigentlich ist eine Rückkehr nach Russland ausgeschlossen", sagt Lukas. Die Brüder müssten dort damit rechnen, inhaftiert zu werden.

Die Angst, doch noch in den Krieg ziehen zu müssen, bleibt aber zunächst. Vladimir zum Beispiel will sich das nicht vorstellen. Er sei überzeugter Pazifist und sehe die Regierung in Russland als verbrecherisch an.

Außerdem erzählt Vladimir, dass er in der Ukraine geboren wurde und seine Großmutter dort lebt. Er wolle nicht in den Krieg gegen die eigene Familie ziehen.

Russische Kriegsdienstverweigerer bangen um Asyl

Verfügbar bis 05.09.2025


Über dieses Thema berichten wir am 05.09. auch im WDR Fernsehen und im Radio auf WDR 2.