Corona-Haustierboom: Tierheime in NRW überlastet

Stand: 06.07.2022, 19:51 Uhr

Die Tierheime in NRW platzen nach eigenen Angaben aus allen Nähten. Viele Tierhalter hatten sich zu Beginn der Corona-Pandemie Hunde oder Katzen angeschafft - und geben diese nun ab.

Von Anke Strotmann

Eine Frau hält einer Katze auf einem Kratzbaum ihre Hand hin. Die Katze beschnuppert die Hand der Frau.

Die befürchtete Abgabewelle von "Corona-Tieren" zeichnet sich in den Heimen ab: Immer mehr Tierheime nehmen Hunde und Katzen auf, die in den vergangenen zwei Jahren angeschafft wurden. "Während der Pandemie gab es einen regelrechten Run auf die Tierheime", sagt Lea Schmitz, Sprecherin des Deutschen Tierschutzbundes. Züchter hätten Wartelisten geführt, der Zoohandel und auch der illegale Welpenhandel hätten in der Corona-Krise geboomt.

Jeder Fünfte bereut Anschaffung

Jetzt führt die vermeintliche Liebe zum Vierbeiner mancherorts zu überfüllten Tierheimen, zum Beispiel im Bergischen Land: Anders als in den vergangenen Jahren ist der Grund für das Abgeben der Tiere nicht die Urlaubszeit, heißt es aus Solingen. Auch schon vor dem Sommer konnte man nur Tiere aufnehmen, wenn andere vermittelt wurden. In einer bevölkerungsrepräsentativen Umfrage von YouGov (April 2022) bereut jeder Fünfte, sich ein Haustier angeschafft zu haben.

"Wir beobachten seit dem vergangenen Sommer, dass immer mehr Corona-Tiere abgegeben werden", sagt Schmitz. Gerade in Phasen, in denen Maßnahmen gelockert wurden, habe man das gespürt. Die Leute seien wieder in den Urlaub gefahren, die Kinder könnten wieder in die Schule gehen und auch der Büroalltag sei wieder möglich. "Da ist das Tier einfach im Weg", so Schmitz.

Überangebot von Hunden regulieren

Ein Hund im Tierheim springt aufgeregt an der Innenseite des Zwingers hoch.

Auch das für Wuppertal zuständige Tierheim in Witten weiß nicht mehr, wie es die Situation bewältigen soll. Viele während der Pandemie angeschaffte Welpen kommen nun ins Flegelalter und werden abgegeben. Zudem sehr viele Hunde, die aus dem Ausland kamen. Mit einem bundesweiten Brandbrief wollen sich die Bergischen nun an die Tierschutzbeauftragten der Länder richten. Mit Gesetzesänderungen soll das Überangebot von Hunden eingedämmt werden.

Panik vor dem Urlaub

Im Ruhrgebiet sind viele Tierheime am Limit. Die Leiterin des Essener Heims sagt, dass so viele Katzen ausgesetzt wurden wie noch nie. Statt sich rechtzeitig um eine Betreuung zu kümmern, komme bei Frauchen und Herrchen kurz vor dem Urlaub Panik auf. Allein in der Woche vor den Sommerferien habe das Tierasyl täglich um die zehn Anfragen gehabt, ob es den Hund oder das Kaninchen aufnehmen könne. Und das aus ganz NRW.

Zahl der Katzen und Hunde rasant gestiegen

Ein Schild führt zum Tierheim. Es hat die Aufschrift: "Tierheim im Deutschen Tierschutzbund".

In Essen werden im Moment vor allem junge, reinrassige Katzen ausgesetzt. Das Tierheim geht deswegen davon aus, dass das die Katzen sind, die während der Pandemie angeschafft wurden. Ähnliche Beobachtungen machte das Remscheider Tierheim. Nach Angaben des Industrieverbandes Heimtierbedarf wurden 2020 im Vergleich zum Vorjahr eine Million mehr Katzen angeschafft. Die Zahl der Hunde stieg im ersten Coronajahr um 600.000 im Vergleich zu 2019.