Großrazzia in NRW gegen mutmaßliche Geldschieber

Duisburg: Beamte tragen Metallkisten mit Goldbarren und Bargeld

Großrazzia in NRW gegen mutmaßliche Geldschieber

Von Arne Hell, Marc Steinhäuser und Georg Mascolo

  • Großrazzia gegen mutmaßliche Geldschieber
  • Schwerpunkt war der Großraum Duisburg
  • Vorwurf: Mehr als 200 Millionen Euro vor allem in die Türkei geschleust

Mit etwa 800 Kriminalbeamten ist die Polizei in NRW am Dienstag (19.11.2019) gegen eine Gruppe mutmaßlicher Geldschieber vorgegangen. Die Staatsanwaltschaft Düsseldorf wirft ihnen vor, ein illegales System aufgebaut zu haben, um illegal Geld aus Deutschland vor allem in die Türkei zu transferieren. Es soll um eine Gesamtsumme von mehr als 200 Millionen Euro gehen.

Justizminister spricht von "großem Erfolg"

Durchsucht wurden mehr als 60 Privatwohnungen, Metallfirmen und Juweliere in fünf Bundesländern und den Niederlanden, darunter auch in Neuss und Düsseldorf. Beteiligt an den Durchsuchungen waren auch Mitarbeiter der Bankenaufsicht Bafin. NRW-Justizminister Peter Biesenbach nannte die Razzien einen "großen Erfolg, um illegale Geldströme zu kontrollieren."

Der Schwerpunkt der Razzia, die bis in den späten Abend andauerte, lag offenbar im Großraum Duisburg. In einem Juwelierladen in der Duisburger Innenstadt wurden so große Mengen an Bargeld und Goldbarren sichergestellt, dass die Ermittler Probleme mit dem Abtransport hatten.

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Mutmaßliche Geldschieber: Großrazzia in NRW WDR aktuell 19.11.2019 Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Von Thomas Görger

Hauptverdächtiger festgenommen

Der Verdacht des illegalen Millionentransfers richtet sich gegen 27 Personen im Alter zwischen 23 und 61 Jahren. Der Hauptverdächtige soll nach Informationen von WDR, NDR und "Süddeutscher Zeitung" aus Duisburg kommen und dort unter anderem einen Metallhandel führen. Er wurde festgenommen. Gegen fünf weitere Beschuldigte wurden ebenfalls Haftbefehle erlassen und zum Teil vollstreckt.

Großrazzia in NRW wegen illegaler Geldwäsche in die Türkei

WDR Studios NRW 19.11.2019 01:07 Min. Verfügbar bis 30.12.2099 WDR Online

Verdacht: Gut organisiertes Netzwerk

Die Verdächtigen sollen zu einem sehr gut organisierten Netzwerk gehören und für ihre Transaktionen ein sogenanntes Hawala-Bankensystem benutzt haben. Dieses System wurde früher traditionell vor allem in muslimischen Ländern angewandt.

Es funktioniert vereinfacht so: Ein Kunde zahlt in einem Land Bargeld an einer Annahmestelle ein. Von dort wird die Ausgabestelle in einem anderen Land informiert und zahlt dieselbe Geldsumme dort aus. Dieses System ermöglicht Geldtransfers, ohne dass Bargeld über Landesgrenzen transportiert werden muss. Banken sind ebenfalls nicht beteiligt, die "Überweisung" wird elektronisch nicht erfasst.

Hawala-System nur mit Banklizenz erlaubt

Personen vor einem Polizeiwagen

Razzia am Dienstagmorgen.

Genutzt wird Hawala-Banking zum Beispiel von Migranten, die ihren Angehörigen Geld in die Heimat schicken möchten, aber auch von Kriminellen, um Geld aus illegalen Geschäften weiterzuleiten oder von Terroristen. Egal, aus welcher Quelle das transferierte Geld kommt: In Deutschland ist es verboten, so ein bankähnliches System ohne Banklizenz zu betreiben.

Stand: 19.11.2019, 21:12

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