"Grüner Riese": Warum auch uns die Wahlentscheidung in Brasilien betrifft

Stand: 31.10.2022, 09:04 Uhr

Ex-Präsident Luiz Inácio Lula da Silva hat die Präsidentenwahl in Brasilien gewonnen. Lula kam in der Stichwahl auf 50,84 Prozent der Stimmen, wie das Wahlamt in Brasília am Sonntag (Ortszeit) nach Auszählung von über 99 Prozent der Stimmen bekanntgab. Die Wahl könnte auch Folgen für den Amazonas-Regenwald haben, einen der größten CO2-Speicher der Erde.

Die Stichwahl zwischen Lula und dem bisherigen Amtsinhaber Jair Bolsonaro war nötig geworden, nachdem zunächst keiner der Kandidaten über 50 Prozent der Stimmen holen konnte.

Wer stand zur Wahl?

Lula hatte die erste Runde der Präsidentenwahl mit 47,97 Prozent gegen 43,60 Prozent des rechtsgerichteten Amtsinhabers Bolsonaro zwar knapp für sich entschieden, in Brasilien brauchen die Kandidaten aber mehr als 50 Prozent, um das Amt ausüben zu dürfen.

Warum ist die Wahl auch für uns wichtig?

Etwa 60 Prozent des Amazonas-Regenwaldes liegen in Brasilien. Er gilt mit Blick auf den Klimawandel als einer der größten CO2-Speicher der Erde. Fehlt er, wir das Erreichen der Klimaziele schwieriger.

17 Prozent des Waldes sind bereits abgeholzt, bei einer Abholzung von 20 bis 40 Prozent könnte der Wald "kippen". Das heißt: Wälder verwandeln sich von Kohlenstoffsenken in Kohlenstoffquellen. Statt Kohlenstoff zu speichern, geben sie ihn ab.

Das könnte zur Folge haben, dass der Wasserkreislauf des gesamten Ökokreislaufs zusammenbricht und große Teile des Regenwaldes zur Steppe werden. Zudem beheimatet der Regenwald fast 140.000 Tierarten und viele Menschen - die Folgen für das Ökosystem sind unberechenbar.

Welche Positionen vertreten die beiden Kandidaten?

Luiz Inacio Lula da Silva.

Luiz Inacio Lula da Silva.

Zwar war Lula in seinen ersten beiden Amtszeiten nicht gerade als Naturschützer bekannt, kündigte nun aber eine neue Umwelt- und Klimapolitik an. "Wir werden den illegalen Goldabbau beenden und sehr ernsthaft gegen die Abholzung kämpfen", hatte er gesagt. Beispielsweise könnte der Amazonien-Fonds zum Schutz des Regenwaldes, an dem auch Deutschland beteiligt ist, wiederbelebt werden.

Bolsonaro dagegen sieht im Amazonasgebiet hingegen ungenutztes wirtschaftliches Potenzial und wollte noch mehr Flächen für Landwirtschaft, Bergbau und Energiegewinnung erschließen. Derzeit toben in den Regenwäldern Brasiliens die schwersten Brände seit zwölf Jahren.

Jair Bolsonaro.

Jair Bolsonaro.

Der rechte Staatschef hatte sich immer wieder Vorschläge aus der internationalen Gemeinschaft zum Schutz des Regenwaldes verbeten und weitgehend isoliert dagestanden.

Wie wirkt sich die Klimapolitik auf die Beziehungen aus?

Bolsonaros Verweigerungshaltung beim Klimaschutz bremste auch die Wirtschaftsbeziehungen zwischen Südamerika und Europa. Das Freihandelsabkommen zwischen dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur und der EU liegt derzeit auf Eis - unter anderem auch deshalb, weil Kritiker in Europa befürchten, der Vertrag werde die Regenwaldzerstörung in Brasilien weiter befeuern.

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