Ein Mann sitze vor einem Schauffelradbagger, hat die Arme weit ausgebreitet, im Hintergrund ist ein Braunkohletagebau zu sehen

Momente eines Krisenjahres: NRW-Pressefotos ausgezeichnet

Stand: 06.12.2022, 19:00 Uhr

Auch in diesem Jahr hat der NRW-Landtag die Pressefotos des Jahres ausgezeichnet. Den Wettbewerb gewonnen hat Barbara Schnell mit ihrer Aufnahme "Unbeirrbar" aus Lützerath.

In Düsseldorf sind am Dienstagabend die Preise zum "NRW-Pressefoto des Jahres" verliehen worden, ein vom Landtag ausgelobter Wettbewerb. Über den ersten Platz konnte sich Barbara Schnell freuen, sie fing für die Frankfurter Rundschau in Lützerath im Rheinischen Revier eine symbolträchtige Szene ein: Ein Aktivist setzt sich einem Braunkohlebagger in den Weg.

Heißer Januar für Lützerath? Dann sollen die Bagger kommen.

WDR aktuell - Der Tag 26.11.2022 10:07 Min. Verfügbar bis 26.11.2023 WDR 3


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Der Präsident des Landtags, André Kuper, sagte: "Gute Bilder erzählen eine Geschichte, umfassen oft ganze Lebenswelten und sind bleibende Kommentare zu unserer Gegenwart." Die Fotos im Wettbewerb seien "ein Jahresrückblick auf die Themen und Ereignisse, die uns in den zurückliegenden Monaten beschäftigten und bewegten, erfreuten oder besorgten." Der Landtag würdige die Pressefotografie als eigenes Medium, "das Aufmerksamkeit verdient".

NRW-Pressefotos des Jahres 2022

Von Sabine Tenta

Die Pressefotos des Jahres wurden vom NRW-Landtag ausgezeichnet. Die ausgewählten Bilder lassen in starken Momenten die wichtigsten Ereignisse des Jahres Revue passieren.

Aus der Froschperspektive ist ein Einkaufswagen am Rheinufer zu sehen, er ist verrostet und voller Unrat, der Fluss führt Niedrigwasser und gibt weite Bereiche des Ufers frei.

Wie ein archäologischer Fund wirkt dieser vom Rhein-Niedrigwasser freigesetzte Einkaufswagen. "No shipping, no shopping" nannte Benjamin Westhoff seine Aufnahme, denn das Niedrigwasser bremste den Warenverkehr der Schifffahrt aus. Die Jury lobte "die gelungene Kombination aus starken Farbkontrasten und ungewöhnlicher Perspektive" und belohnte Westhoff mit dem dritten Platz.

Wie ein archäologischer Fund wirkt dieser vom Rhein-Niedrigwasser freigesetzte Einkaufswagen. "No shipping, no shopping" nannte Benjamin Westhoff seine Aufnahme, denn das Niedrigwasser bremste den Warenverkehr der Schifffahrt aus. Die Jury lobte "die gelungene Kombination aus starken Farbkontrasten und ungewöhnlicher Perspektive" und belohnte Westhoff mit dem dritten Platz.

Auf den zweiten Platz wählte die Jury "Nach dem Feuer. Ein Förster erzählt" von Ralf Rottmann. Im August 2022 lichtete er den Forstamtsleiter Jörn Hevendehl in einem Waldstück bei Lüdenscheid ab. "Auf einer Betrachtungsebene hat dieses Bild etwas Neo- Romantisches. Der einzelne Mensch vor der Erhabenheit einer Naturkulisse. Man fühlt sich an Caspar David Friedrich erinnert. Und doch geht es um etwas ganz anderes, eher um die Apokalypse. Die südwestfälische Variante der Ästhetik des Grauens. Es ist diese innere Spannung, diese Ambivalenz, die das Foto nach Meinung der Jury so anregend macht", schreibt die Jury dazu.

Den ersten Platz belegt ein Foto von Barabara Schnell mit dem Titel "Unbeirrbar". Das gilt für den Aktivisten, der sich vor dem Braunkohlebagger kniet ebenso wie für den Bagger, der sich weiterdreht. Die Jury beeindruckte hier die "David gegen Goliath-Szene". Das Bild zeige "den Protest eines Einzelnen gegen einen übermächtigen Gegner. Mensch gegen Maschine. Allein gegen den Riesen. Die Arme erhoben, wehrlos und in Lebensgefahr."

Der Sonderpreis der Jury geht an Gerd Wallhorn für "Außergewöhnliches Wahllokal": Im Antiquitätengeschäft "Beim Holländer" in Oberhausen-Holten wurde im Mai der Urnengang ermöglicht.

In Warstein-Mülheim entstand das Foto "Schwein gehabt" von Daniel Schröder, der dafür den Nachwuchspreis erhielt. Bei einem Großbrand retteten die Feuerwehrleute 165 Schweine, die Scheune brannte komplett nieder. Doch am Ende sind auch die geretteten Schweine auf dem Teller gelandet, genauso wie ihre Kollegen des nächsten Fotos.

Lars Berg fotografierte diese neugierigen Gesellen auf einem Hof für nachhaltige Ferkelaufzucht und Sauenhaltung. Dieses Foto und weitere wurden für eine Ausstellung im Landtag ausgewählt, die dort bis zum 19. Januar 2023 zu sehen sind.

Am 24. Februar überfiel die russische Armee die Ukraine. Vier Tage später demonstrieren in Köln 250.000 Menschen dagegen. Die Menschenmassen hat Eduard Bopp eindrucksvoll festgehalten.

Der russische Angriffskrieg ist der Beginn einer Energiekrise. Jetzt ist Sparen angesagt, auch bei öffentlichen Gebäuden, wie dem Kölner Dom. Marius Becker hat das Restlicht von umliegenden Laternen genutzt, um das Weltkulturerbe im Dunkeln zu zeigen.

Ist das jetzt Wetter oder Klima? Diese Frage begleitete alle Wetterextreme des Jahres. Sturm Zeynep ließ am 18. Februar auf der Kölner Domplatte Menschen wie Spielfiguren purzeln, wie uns Alexander Schwalger zeigt.

Und dann diese Hitze im Sommer! Gut, dass diese Wasserschläuche für Abkühlung sorgten und gut, dass Costa Belibasakis die Szene eingefangen hat.

Die Rahmedetalbrücke wurde Ende 2021 komplett für den Verkehr gesperrt - damit wurde das Leben in einer ganzen Region umgekrempelt. "Lasst uns Brücken bauen" klingt hoffnungsfroh und nach Aufbruch. Aber immer noch offen ist, wann die neue Brücke das Tal vom Durchgangsverkehr befreien wird.

Neben all den Krisen geht das Leben weiter - und das Sterben. Im Kinderhospiz in Gelsenkirchen zeigt uns Ingo Otto, wie erfüllt ein Moment sein kann, wenn eine Ehrenamtlerin wie Anja Mertin-Krebs sich liebevoll um ein Kind kümmert.

Ausstellung im NRW-Landtag

66 Fotografinnen und Fotografen reichten insgesamt 226 Bilder ein. Davon bewarben sich fünf Journalistinnen und Journalisten mit 16 Fotos um den Nachwuchspreis, dessen Höchstalter bei 30 Jahren liegt. Mit Unterstützung der Stiftung Kunst, Kultur und Soziales der Sparda-Bank West wurden Preisgelder in Höhe von 22.000 Euro vergeben. Bis zum 19. Januar 2023 ist im NRW-Landtag eine Ausstellung mit den ausgezeichneten Bildern und weiteren Einreichungen zu sehen.