Fußball-WM in Katar: Kölner Brauerei kündigt Boykott an

Stand: 17.09.2022, 14:43 Uhr

Draußen zusammen mit der Nationalmannschaft mitfiebern, jubeln, leiden - das wird während der "Winter-WM" in Katar in diesem Jahr offenbar schwieriger. Nicht nur wegen der kalten Temperaturen bei uns.

Am 21. November startet die Fußball-WM in Katar. Doch nicht nur die Verlegung vom Sommer Richtung Winter ärgert viele Gastwirte. Immer mehr verkünden öffentlich, die WM zu boykottieren. Zuletzt die Kölsch-Brauerei "Mühlen". Sie wird keines der Spiele in ihren Kneipen und Brauhäusern zeigen, kündigt die Brauerei bei Facebook an.

"Liebe Fußball-Fans, wer uns kennt, weiß, dass die Malzmühle schon immer für Vielfalt, Völkerverständigung und Weltoffenheit steht", heißt es dort. Menschenrechtsverletzungen im Gastgeberland und das Leid der Gastarbeiter dort seien nicht mit den eigenen Werten vereinbar. Auf der eigenen Facebook-Seite bekommt die Brauerei dafür viel Zuspruch.

Mühlen schließt sich damit einigen weiteren Kneipen an, die in Köln bereits einen Boykott der Fußball-WM angekündigt hatten. Vorher hatten bereits das "Chlodwig Eck" und die "Lotta" angekündigt, kein Spiel der WM zu zeigen. Auf ihrer Facebook-Seite kündigt die "Lotta" an, stattdessen eine Veranstaltung zur WM zu machen und dort noch einmal ausführlich über die Gründe des Boykotts zu informieren.

Mehrere Kneipen in NRW haben Boykott angekündigt

Auch in anderen Städten in NRW haben bereits Wirte ihren WM-Boykott verkündet. In Düsseldorf hat der Wirt der Altstadtkneipe "Retematäng" die Boykott-Bewegung "Kein Katar in meiner Kneipe" initiiert: "Uns blutet das Herz. Aber das geht halt einfach nicht", sagt Wirt Daniel Vollmer. "Wir würden uns selbst für Heuchler halten, wenn wir das Turnier scharf verurteilen, durch eine Übertragung aber Umsatz generieren."

Zu sehen ist der Wirt Tobias Epping in seiner Bonner Kneipe "Die Wache", er steht mit herausforderndm Blick am Kicker und ist der Meinung, dass die Kneipen die WM nicht zeigen und stattdessen ein Alternativprogramm auf die Beine sollten.

Auch in Bonn und Essen haben Wirte und Veranstalter bereits angekündigt, auf eine WM-Übertragung zu verzichten. In der Bonner Altstadt sind sich die Wirte uneinig, wie sie mit der Fußball-WM umgehen sollen. Tobias Epping hat die Gäste seiner Kneipe "Die Wache" per Abstimmung entscheiden lassen. Das Ergebnis ist eindeutig: Rund 97 Prozent stimmen dem WM-Boykott zu. Als Alternativprogramm will Epping als begeisterter Fußballfan frühere WM-Spiele der deutsche Mannschaft zeigen. Er hofft auf weitere Unterstützung unter den Wirten, um zumindest ein symbolisches Zeichen gegen die fragwürdige WM-Vergabe durch die FIFA zu setzen.

In vielen anderen Städten denken Wirte noch über einen Boykott nach. Zahlreiche Fanclubs haben ebenfalls öffentlich ihren Boykott erklärt, zum Beispiel vom BVB, 1. FC Köln, Schalke 04, Fortuna Düsseldorf, dem SC Paderborn und Preußen Münster.

Der Fanzusammenschluss "ProFans" hatte den DFB bereits im März 2021 dazu aufgefordert, die WM zu boykottieren. Damals hieß es in einer öffentlichen Mitteilung: "Ein rauschendes Fußballfest auf den Gräbern von Tausenden Arbeitsmigranten – daran teilzuhaben, wäre das Ende von Ethik und Würde."

Kritik an Katar von Amnesty

Kritik an Katar gibt es bereits seit Jahren von der Menschenrechtsorganisation Amnesty International. Laut Zahlen von Amnesty sollen in den vergangenen zehn Jahren über 15.000 Gastarbeiter in Katar gestorben sein. Das WM-Organisationskomitee des WM-Gastgebers spricht von 34 toten Gastarbeitern auf den Baustellen der neuen WM-Stadien.

Katar selbst hatte nach Kritik die Rechte von Arbeitsmigranten reformiert. Trotzdem seien Arbeiter in dem Land noch immer von Ausbeutung betroffen und könnten ihren Arbeitsplatz nicht frei wechseln, berichtet Amnesty International in seinem jüngsten Jahresbericht.

Dazu schränkten die Behörden vor der Fußballweltmeisterschaft das Recht auf Meinungsfreiheit weiter ein. Frauen, Homo- und Transsexuelle würden weiterhin diskriminiert.

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