Ein paar weiblicher Hände vor einer Heizung.

19 Grad im Haus: Gewöhnt sich unser Körper an kältere Temperaturen?

Stand: 11.10.2022, 17:17 Uhr

Herbst und Winter stehen vor der Tür und durch die Energiekrise sind wir gezwungen, weniger zu heizen. Das kann unangenehm kalt werden. Was unserem Körper helfen kann, sich daran zu gewöhnen.

Bei rund 20 Grad liegt die optimale Temperatur für unseren Körper: Der Stoffwechsel läuft rund und alles ist gut durchblutet. Die inneren Organe sind ausreichend versorgt. Doch nicht jede und jeder empfindet Temperaturen gleich: Wann wir frieren, ist individuell unterschiedlich. Und hängt vor allem davon ab, wie gut unser Körper selbst Wärme erzeugt und ob er diese schnell oder weniger schnell an die Umgebung verliert.

Muskelmasse erhöht die Wärmeproduktion

Ein entscheidender Punkt: Unsere Muskelmasse. Denn die Muskeln sind die wahren Wärmekraftwerke im Körper. Rund 80 Prozent der produzierten Wärme entsteht hier. Und das lässt sich trainieren: Wer viele Muskeln hat und gut Energie verbrennen kann, erzeugt mehr Wärme. Und das nicht nur in Bewegung, sondern auch in Ruhe.

Die Muskelmasse sei auch eine der Ursachen, warum Frauen tendenziell etwas häufiger frieren, erklärt der Physiologe Thomas Korff von der Universität Heidelberg: "Männer haben meist einen höheren Anteil an Muskelmasse, eine dickere Haut und ein besseres Oberflächen-Volumen-Verhältnis." Ihr Körper verliert also nicht so viel Wärme an die Umgebung.

Gefäße müssen sich schnell an Temperaturveränderungen anpassen

Ein weiterer wichtiger Faktor sind unsere Gefäße. Bei Kälte verengen sie sich in den Extremitäten und tragen dadurch dazu bei, dass ausreichend Blut in unseren inneren Organen und im Gehirn bleibt. Durch den Blutstrom wird die Wärme in unserem Körper transportiert – und würde bei weiten Gefäßen über Arme und Beine verhältnismäßig stark abgestrahlt.

Doch nicht jeder kann die Wärmeabgabe über die Gefäße gleichermaßen kontrollieren: Bei älteren Menschen reagieren die Gefäße nicht mehr so schnell und genau: Sie frieren schneller. Und auch Raucherinnen und Raucher, die ihre Gefäße langfristig durch Zigaretten geschädigt haben, haben ein größeres Risiko zu frieren.

Auch Alkohol kann uns schneller frieren lassen: Er weitet die Gefäße. Dadurch strömt zwar im ersten Moment eine wohlige Wärme durch unseren Körper, danach kühlen wir aber viel schneller aus. Auch warme Getränke wie Glühwein können diesen Effekt nicht ausgleichen.

Ausreichend Schlaf und wenig Alkohol hilft gegen Kälteempfinden

Kinder und Mütter beim Wassertreten im Kurpark

Die schnelle Anpassung der Gefäße an kalte Temperaturen lässt sich aber bis zu einem gewissen Grad trainieren: etwa mit Saunagängen, Wechselduschen oder Kneipp-Bädern. Doch nicht nur langfristig können wir unseren Körper für die Kälte trainieren – auch im Alltag können wir direkt beeinflussen, wie gut wir die Temperatur regulieren können. Unausgeschlafen und müde ist eher unser parasympathisches Nervensystem aktiv. Also das System, das uns entspannt, die Verdauung anregt und unsere Gefäße weitet. Dadurch gelangt wieder viel Wärme nach außen. Ausgeschlafen friert es sich hingegen nicht so leicht!

Wohlfühltemperatur: Wann es definitiv zu kalt ist

Quarks Daily – Dein täglicher Wissenspodcast 30.09.2022 25:02 Min. Verfügbar bis 30.09.2027 WDR Online


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Sich generell häufiger Kälte auszusetzen hilft, sich an die Temperaturen zu gewöhnen

Es hilft auch, sich generell häufiger der Kälte auszusetzen, die Heizung etwas herunterzudrehen oder trotz Kälte immer herauszugehen. Denn unsere Kältesensoren nehmen vor allem Temperaturveränderungen wahr. Wenn wir schon an 19 Grad gewöhnt sind, ist der Abfall auf 15 Grad nicht mehr so gravierend.

braunes Fettgewebe (Mikroaufnahme Vergrößerung 64:1)

Wenn wir häufiger frieren, kann sich zudem die Menge an braunem Fettgewebe steigern. Das ist eine spezielle Form des Fettgewebes. Hier wird Energie nicht gespeichert, so wie im "normalen", weißen Fettgewebe, das für unsere Fettpolster verantwortlich ist. Das braune Fettgewebe wirkt hingegen wie ein Wärmekraftwerk, Energie kann hier direkt in Wärme umgewandelt werden.

Vor allem Neugeborene haben viel braunes Fettgewebe, sonst würden sie schnell auskühlen. Denn sie haben noch wenig Muskeln, die eigentlichen Wärmekraftwerke unseres Körpers. Erwachsene haben nur noch wenig braunes Fettgewebe. Aber auch bei ihnen trägt es zur Temperaturregulation bei. In welchem Ausmaß und wie sehr sich das steigern lässt, ist aber noch Bestandteil aktueller Forschung.

Einige der verwendeten Quellen zum Nachlesen:

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