Coronavirus: Wie es um die Impfstoff-Forschung steht

Ein Wissenschaftler hält zur Kontrolle eine kleine Flasche mit klarer Flüssigkeit in die Höhe.

Coronavirus: Wie es um die Impfstoff-Forschung steht

  • Impfstoff ist die große Hoffnung im Kampf gegen das Coronavirus
  • Wann könnte ein Impfstoff fertig sein, wer ist in der Forschung am weitesten?
  • Antworten von WDR-Wissenschaftsjournalist Michael Lange

WDR: Wann ist mit einem Impfstoff gegen Sars-CoV-2 zu rechnen?

WDR-Wissenschaftsjournalist Michael Lange

WDR-Wissenschaftsjournalist Michael Lange

Michael Lange: Das ist Spekulation. Die Impfstoffhersteller versprechen Ende des Jahres. Aber es kommt noch der wichtigste Teil der Überprüfungen, das sind die Phase-III-Studien. Erst wenn diese Studien abgeschlossen sind, kann der Impfstoff zur Zulassung angemeldet werden.

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WDR: Um was genau geht es in den verschiedenen Phasen?

Lange: In Phase I werden Nebenwirkungen und erste Hinweise auf Wirkung untersucht - bei weniger als 100 Probanden. Phase II hat meist Hunderte Probanden, mit denen die richtige Dosis gefunden werden soll und bessere Hinweise auf Wirkung. Den endgültigen Wirkungsnachweis bei einer größeren Gruppe soll Phase III liefern. Die Entwickler verknüpfen meist verschiedene Phasen, damit man schneller fertig ist.

WDR: In welchen Ländern wird nach Impfstoffen geforscht?

Lange: In sehr vielen Ländern weltweit. Es gibt über 160 Impfstoffprojekte. Und ungefähr 20 bis 25 werden derzeit an Menschen getestet. Die meisten dieser Tests sind aber noch in Phase I.

WDR: Gibt es Gründe, warum in bestimmten Ländern getestet wird?

Lange: Phase I mit wenigen Probanden findet meistens da statt, wo der Impfstoff entwickelt wurde. Bei der Phase III erhalten dann teilweise 30.000 Menschen den Impfstoff. Diese Impfstoffstudien können nur in Ländern stattfinden, in denen es eine relativ hohe Infektionsrate gibt.

WDR: Welche Länder sind am weitesten mit der Forschung?

Lange: Großbritannien mit dem Impfstoff der Universität Oxford und der Firma AstraZeneca. Auch China, wobei sich das von außen schwer beurteilen lässt. Dort gibt es keine Mitteilungen von Impfstoffherstellern, sondern staatliche, die immer optimistisch klingen, als ob der Impfstoff kurz bevorstehe.

Der Vorteil bei den chinesischen Projekten ist vielleicht, dass sie konventionelle Verfahren nutzen, die schon bewährt sind. Während die amerikanische Firma Moderna oder auch die deutschen Projekte CureVak und Biontech innovative RNA-Impfstoffe herstellen, die sich in der Praxis noch nicht bewährt haben.

WDR: Beeinflusst die in Studien entdeckte Abnahme von Antikörpern bei vormals Infizierten die Impfstoff-Forschung?

Lange: Nicht zwingend. Man kann daraus, dass keine Antikörper mehr existieren, nicht schließen, dass kein Immunschutz mehr besteht. Es könnte ein anderer Teil des Immunsystems einspringen. Es kann auch sein, dass die Antikörper alleine nicht helfen. Es gibt mehrere Wissenschaftler, die inzwischen darauf hingewiesen haben, dass man diese Antikörperwerte nicht überinterpretieren soll.

Das Interview führte Frank Menke.

Stand: 15.07.2020, 21:31

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