Eine Fotocollage zeigt die NASA-Mondrakete Artemis 1 und die angehende Astronautin Dr. Insa Thiele-Eich

MEINUNG

Artemis-Mission: Ein wichtiger Schritt für die erste Frau auf dem Mond!

Stand: 16.11.2022, 12:00 Uhr

Schon seit Jahren bereitet sich Insa Thiele-Eich auf ihren Einsatz als erste deutsche Frau im Weltall vor. Auch im Rahmen der Artemis-Mission soll eine Frau erstmalig den Mond betreten - dringend überfällig, findet die angehende Astronautin.

Von Insa Thiele-Eich

Es ist soweit: Artemis 1 ist gestartet. Die leistungsstärkste Rakete aller Zeiten hebt nach mehreren Startversuchen erfolgreich ab und bringt das Orion-Raumschiff Richtung Mond. Endlich! Die Menschheit kehrt zurück zum Sehnsuchtsort Mond. Wird diese unbesetzte NASA-Mission ein Erfolg, soll schon 2024 Artemis 2 folgen, bevor 2025 bei Artemis 3 erstmals wieder Menschen den Mond betreten werden.

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NASA-Mondmission heißt nicht zufällig "Artemis"

Noch ist nicht offiziell, wer Teil der Artemis-3-Crew sein wird - aber dass eine Frau und eine nicht weiße Person dabei sein werden, das ist klar. Nach zwölf Männern, die während der Apollo-Missionen die Welt mit Bildern vom Mond begeisterten, Forschung betrieben und gelegentlich auch eine Runde Golf spielten, ist es also über 50 Jahre später an der Zeit: moon goes diversity.

Zuschauer verfolgen den Start der Rakete Artemis 1

Zuschauer verfolgen den Raketenstart der Artemis 1

Sogar der Name des Programms ist bewusst weiblich gewählt: Artemis ist in der griechischen Mythologie die Göttin des Mondes - und die Zwillingsschwester von Apollo. Aber muss das wirklich sein? Kann nicht einfach nur Leistung zählen?

"BeMANNte" Raumfahrt

Als angehende Astronautin, die selbst seit 2017 trainiert, um als erste deutsche Frau ins All zu fliegen, kenne ich mich bedauerlicherweise mit der Thematik "Frau in männerdominiertem Arbeitsumfeld" aus. Noch viel besser mit den entsprechenden Klischees.

Insa Thiele-Eich, Meteorologin und Astronautin-Anwärterin

Insa Thiele-Eich könnte die erste deutsche Astronautin im All werden

Besonders die astronautische Raumfahrt galt lange Zeit als Männerdomäne - "bemannte Raumfahrt" lässt grüßen. Das bedeutet selbst 2022 noch, dass gelegentlich mal ein Anzug im Training zu groß ist und so das Werkzeug nur erschwert bedient werden kann. Oder man nebst Trainingsmaterial zwei Kissen mitschleppt, um im Flugzeug an die Pedale zu kommen. Kleinigkeiten, könnte man meinen. Und ja, etwas anderes macht mir mehr Gedanken: die Überraschung, die so viele Menschen einer AstronautIN entgegenbringen. "Das gibt’s? Echt?"

Klischees und fehlende Vorbilder

Um einmal zu verstehen, wieso es so wichtig ist, dass man Menschen in sehr exponierten, symbolträchtigen Berufen möglichst divers platziert, genügt ein Blick in die Kommentarspalten bei Social Media: "Frauen auf den Mond? Wozu, zum Mondstaub putzen?" (Ha) Oder auch ein Klassiker: "Meine könnt ihr gerne hochschießen." (Haha) Und der all-time favorite: "Immerhin ist da oben genug Platz zum Einparken." (Hahaha)

Offensichtlich ist eine nicht kleine Gruppe der Menschheit überfordert mit dem Gedanken, dass sogar Frauen (man stelle sich das vor) nicht nur das Interesse haben, sich in die lebensfeindliche Umgebung Weltraum zu begeben, um dort zu arbeiten, sondern das auch noch können. Man kann es diesen Menschen kaum verübeln, fehlten doch lange Zeit die Vorbilder, insbesondere in technikaffinen Berufen. Was nicht sichtbar ist, findet nicht statt - insofern: höchste Zeit für die NASA-Mondmission-Artemis 1.

Der Mond ist für alle da!

Bei Artemis 1 fliegen übrigens schonmal zwei Vorreiterinnen mit: Helga und Zohar, zwei mit Sensoren ausgestattete Frauen-Puppen des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) aus Köln.

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So wird untersucht, wie sich Strahlung im Weltraum auf den weiblichen Körper auswirkt und wie wirksamer Schutz aussehen kann. Das ist für alle Körper wichtig, am weiblichen Körper aber noch nicht genug erforscht worden.

Diverse Teams verbessern die Raumfahrt

Diese Wissenslücke ist besonders ungünstig, da es für Langzeitmissionen absolut unumgänglich ist, eine möglichst heterogene Crew einzuplanen - die kommunizieren nämlich oft besser untereinander. Und bei einer potentiell zwei Jahre andauernden Weltraum-Mission zum Mars ist eine gute Kommunikation im Team das A und O.

Schön also, dass im All etwas Bewegung in die Sache gekommen ist - die NASA ist auf einem guten Weg. Und setzt mit ihrem Flug zum Mond gleich noch ein wichtiges Signal für uns auf der Erde: nicht nur der Mond ist für alle da.

Wie blicken Sie auf die Artemis-1-Mondmission? Sind Sie auch dafür, dass so schnell wie möglich die erste Frau zum Mond fliegen kann? Lassen Sie uns darüber diskutieren! Hier in den Kommentaren und auf Social Media.

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Drei Screenshots der WDR Aktuell App in einer Collage.

Kommentare zum Thema

6 Kommentare

  • 6 Anonym 22.11.2022, 15:18 Uhr

    Dieser Kommentar wurde gesperrt, weil er sich nicht auf das Thema der Diskussion bezieht. (die Redaktion)

  • 5 A.Wilf 20.11.2022, 22:01 Uhr

    Sind die hier zitierten "Witze" nun unterirdisch oder eher sublunar? Egal, sie zeigen, dass auch im 21. Jhdt. der männliche Verstand im Zweifelsfall immer noch dem männlichen Chauvinismus Platz macht. Ich glaube nicht, dass das nur an fehlenden Vorbildern liegt. Es scheint ein deutsches Problem zu sein, dass es hier noch keine Astronautin gibt. Immerhin hatte nicht nur die Sowjetunion Kosmonautinnen, auch bei den Space Shuttle-Missionen waren Frauen dabei, von denen eine bei der Challenger-Katastrophe ihr Leben verlor. Danach sind Frauen regelmäßig zur ISS geflogen, eine davor war auch Kommandantin der Station. Die Deutsche Ulrike Fitzer ist ist zwar keine Raumfahrerin, aber die erste Kampfpilotin der Bundesluftwaffe und Fluglehrerin auf dem Eurofighter. Mich persönlich begeistert die Mondlandung - vor 50 und in einigen Jahren - nicht so sehr wie die unbemannten Voyager-Missionen, die faszinierende Bilder der Großen Planeten gesendet und nun das Sonnensystem verlassen haben.

  • 4 Welttraum 18.11.2022, 18:41 Uhr

    Als Junge saß ich bei den Mondmissionen aufgeregt vor dem Fernseher, glaubte 1969 fest daran, bald schon viel mehr davon zu sehen. Aber nein, ich sah mehr Kriegsbilder von Vietnam danach als mir gut tat. Die Amerikaner setzten ihr Geld und Potential mehr für Macht-denn Weltraumgewinn ein, da sie Russen nicht mehr ernst nahmen. Jetzt aber schickt sich China an den Weltraum zu erobern und USA besinnt sich statt Raketen auf China zu werfen, diese endlich wieder auf den Mond zu richten und somit technisch und wissenschaftlich weiter zu kommen als China. Gut so, dieser Schritt hilft uns allen weiter, egal ob Frau oder Mann, sondern dem Menschen, also der Menschheit. Ein "Weltraum" statt Weltkrieg, das nenn ich eine Absage. Ich fuhl mich wieder jung wie 1969👍

  • 3 Holgi 18.11.2022, 16:02 Uhr

    Ob da jetzt Männer oder Frauen in der Kapsel sitzen, ist und war schon immer egal. Fragt doch einfach mal die Russen, denn Kosmonautinnen gab es schon in den 60ern. Und es wäre an der Zeit, das ganze Mond- und Marsgedöns als das zu benennen, was es ist: reiner Forscherdrang und Selbstzweck. Die Apollo-Mondflüge haben in 50 Jahren nullkommanix zur Weltverbesserung beigetragen, guckt mal in die Nachrichten... Da hilft auch der Mars nicht weiter.

    Antworten (1)
    • Mondscheibe 19.11.2022, 13:40 Uhr

      Seufz, Weltraumwissenschaft ist kein Roman von Däniken, ehrlich. SpaceX verlinkt die Stars der Twitterszene weltweit mit Satelliten im Schwarm der Instagram Darsteller. Wenn das alles nichts ist, dann fragen sie mal wer da "hinterm Mond lebt". Es ist mit Sicherheit kein "Grünes Männchen", sollte man meinen? Was macht uns da aber so sicher? Ja, eine Mondumrundung, oder?

  • 2 Kurt Schrader 17.11.2022, 11:06 Uhr

    Die Witze über Frauen waren gut. Zustimmung gibt es auch noch für den Satz, ob nicht einfach nur Leistung zählen kann. Das war hier gemeint für die Namensauswahl aus dem griechischen Götterhimmel. Aber das sollte auch auf der Erde gelten (und seinem Trabanten). Sonst kehrt sich das schnell um auf Quotenfrauen (und Quotenhautfarbe). Bei Personalbesetzung Insa Thiele-Eich sehe ich nichts besonderes. Im Nebensatz kann man Nationalität oder m/w/d erwähnen aber eine „Feierstunde“ ist übertrieben und nicht hilfreich. Bei Wikipedia nachgesehen, aber so richtig deutlich was die da oben eigentlich machen wurde das da auch nicht. Und der Geschäftsbereich von Artemis ist etwas seltsam in der Zusammenstellung: Jagt, Jungfräulichkeit, Geburt, Wald, Mond. Aber natürlich lache ich auch gern bei blöden Witzen über Männer und zahle sogar dafür im Frauenkabarett. Trotzdem bleiben wir Männer die Krone der Schöpfung, wir können im Stehen pinkeln; siehe Schlange vor dem Mädchenklo in Disko und Mondbasis.

  • 1 Peter Berger 16.11.2022, 11:32 Uhr

    Wer will schon auf den Mond? Allein die Treibstoffe die da ins All geblasen werden, die Kosten, die Toiletten im Raumschiff und und und... Ich denke wir haben derzeit ganz andere Probleme die wichtiger sind.

    Antworten (1)
    • Apollon 16.11.2022, 23:13 Uhr

      Tolles Projekt hoffentlich profitiert auch die ESA davon und die Dame hat hoffentlich eine psychologische Ausbildung man wird doch bekloppt, seit Jahren habe ich keine Frau hier oben gesehen und bilde mir schon welche ein, fehlanzeige nirgends zu sehen...

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