Weisse Gastanks in einem Industriegebiet am Hafen

Flüssiggas aus der Golfregion: Am Anfang eher magere Lieferung - 2023 könnte es mehr werden

Stand: 28.09.2022, 21:04 Uhr

Es klingt nach einem guten Deal: Als Ausgleich für die ausbleibenden Gaslieferungen aus Russland liefern die Vereinigten Arabischen Emirate Flüssiggas nach Deutschland. Was die angekündigte erste Lieferung für uns bedeutet und was ansonsten geplant ist.

Sie soll ein Ende haben, die Abhängigkeit Deutschlands von russischen Gaslieferungen. Weshalb Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) bei seiner Energie-Shoppingtour in den Golfstaaten mehrere Deals schloss, einer davon: Die Vereinigten Arabischen Emiraten liefern uns Flüssiggas. Konkrete Liefermengen für das Jahr gibt es noch nicht - nur die für Dezember dieses Jahres ist schon bekannt. Dann soll ein Schiff in Brunsbüttel ankommen, das uns knapp 140.000 Kubikmeter Flüssiggas (LNG) bringt.

Klingt nach einer großen Menge. Aber: Wir beim WDR haben nachgerechnet. Was bringt uns in Deutschland diese eine Lieferung für den Energiebedarf im Winter? Das Ergebnis: Die Lieferung entspricht einer Energiemenge von ungefähr 0,95 Terrawattstunden. Wenn man sich anschaut, was in ganz Deutschland durchschnittlich an einem Tag im Dezember 2021 an Energie verbraucht wurde, kommen da 4,05 Terrawattstunden zusammen. Das heißt: Die vom Golf-Staat gelieferte Energie reicht gerade mal für sechs Stunden. Das ist nach WDR-Recherchen weniger, als an einem Tag vor dem Krieg in der Ukraine durch die Pipeline Nord Stream 1 geflossen ist.

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Golf-Staat investiert auch in klimaneutrale Energien

Allerdings: Die erste Lieferung ist nur der Anfang. Ab 2023 soll es dann seitens der Vereinigten Arabischen Emirate Lieferungen über mehrere Jahre geben. Über konkrete Mengen wurde bislang nichts bekannt. Die Emirate besitzen die siebtgrößten Erdgasvorkommen. Wenn erst einmal der Grundstein für eine Kooperation in Sachen Flüssiggas-Lieferung gelegt ist, hofft die Bundesregierung auf weitere Zusammenarbeit. Zumal der Golf-Staat auch in klimaneutrale Energien investiert - für Deutschland womöglich ebenfalls interessant.

Kritik an der Kooperation mit den Emiraten gibt es deshalb, weil laut Organisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch dort Menschenrechte verletzt werden. Die Liste der Vorwürfe umfasst etwa die Ausbeutung von Gastarbeitern, willkürliche Verhaftungen und unmenschliche Behandlung von Gefangenen. Außerdem gibt es den Vorwurf, im Krieg im Jemen an Kriegsverbrechen beteiligt zu sein. Auch die Kontrolle der Medien durch die Regierung wird kritisiert.

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