Fracking zur Gasgewinnung wieder in der Diskussion

Lokalzeit Münsterland 21.04.2022 02:40 Min. Verfügbar bis 21.04.2023 WDR Von Andrea Hansen

Fracking: Die Lösung für den Erdgas-Mangel in Deutschland?

Stand: 02.08.2022, 10:30 Uhr

Den deutschen Bedarf an Erdgas für ein Jahrzehnt komplett aus einheimischen Quellen decken? Theoretisch ginge das, mit Fracking. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) bringt die umstrittene Fördermethode erneut ins Spiel. Doch kann sie in der Gaskrise helfen?

"Es ist sinnvoll zu prüfen, ob es neue und umweltverträgliche Methoden gibt", findet Markus Söder (CSU), und verweist auf große Erdgasfelder in Niedersachsen, die mit Hilfe von Fracking ausgebeutet werden könnten. Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) - wie Amtskollege Söder kurz vor einer Landtagswahl - lehnt dankend ab und fragt "Geht's noch?!" Es ist ein politisches Ping-Pong-Spiel auf der Suche nach alternativen Energiequellen.

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Beim unkonventionellen Fracking in beispielsweise Ton- oder Schiefergestein wird ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in das Gestein gepresst. Das bricht auf, das Gas entweicht und kann gefördert werden. Das Potential ist groß. Aber Umweltschützer warnen vor Risiken fürs Grundwasser und vor Erdbeben.

Wo liegen Gasvorkommen in Deutschland?

Die größten Vorkommen gibt es in Niedersachsen, auf Rügen, an der Grenzen von Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz und auch in Nordrhein-Westfalen. Das zeigt eine Studie der Bundesanstalt für Geowissenschaft und Rohstoffe (BGR) von 2016. Größere Vorkommen in NRW liegen demnach im nördlichen Teil des Rheinischen Schiefergebirges und in Ostwestfalen, an der Grenze zu Niedersachsen.

Weitere Vorkommen von Erdgas bestehen in NRW durch das Flözgas. Entstanden ist es zusammen mit der Kohle, manchmal auch erst bei ihrem Abbau, und ist daher vor allem in ehemaligen Bergbaugebieten zu finden.

Wie umweltschädlich ist Fracking?

Frühere Studien zeigten: Da beim Fracking auch die Grundwasserschicht durchdrungen werden muss, stellt es ein unkalkulierbares Risiko für das Grundwasser da. Als Gründe wurden zum einen die eingesetzten Chemikalien genannt, zum anderen der sogenannte "Flowback", bei dem ein Gemisch aus genutztem Wasser und Chemikalien zurückfließt. In einer Studie von 2016 bestätigte die amerikanische Umweltbehörde EPA solche Befürchtungen.

Förderturm Fracking

Ein Gemisch aus Wasser und Chemikalien wird mit hohem Druck tief in den Boden gepumpt. Das Gestein bricht auf, Gas entweicht und kann gefördert werden.

In ihrem Bericht von 2021 gibt die von der Bundesregierung eingesetzte unabhängige Expertenkommission Fracking leichte Entwarnung: Werden ungeeignete Orte ausgeschlossen und bereits vor dem Fracking ein Monitoringkonzept eingesetzt, das dem Stand der Forschung entspricht, sei das Risiko gering, durch Fracking Grundwasser, Flüsse oder Seen zu verschmutzen. Auszuschließen sei es aber nicht.

Verstärkt Fracking das Erdbebenrisiko?

Ein weiterer Kritikpunkt ist das erhöhte Erdbebenrisiko durch Fracking. In Großbritannien war 2019 erst Fracking gestoppt worden, weil es in Verbindung mit einer ganzen Reihe von Erdbeben gebracht worden war. Auch die Expertenkommission bringt die Fördermethode in Verbindung mit einigen größeren Erdbeben in China, Kanada, Argentinien und den USA. In Deutschland sei das Risiko - bei richtiger Standwortwahl - allerdings gering.

Wie problematisch ist Methan?

Ein dritter Kritikpunkt ist, dass bei der Förderung das extrem umweltschädliche Methan freigesetzt werden könnte. Ältere Studien belegen das. Die Expertenkommission verweist auf Altbohrungen in den USA - und auf technische Neuerungen zur Abdichtung. Auch wenn Daten fehlen würden, halte man das Entweichen von Methan für zu vernachlässigen. Allerdings zeigen Messdaten aus den USA, dass die Methankonzentration dort seit Beginn des Frackings deutlich zugenommen hat.

Kann Fracking unser aktuelles Gasproblem lösen?

320 bis 2030 Milliarden Kubikmeter Schiefergas lassen sich nach Schätzungen rein technisch durch unkonventionelles Fracking fördern. Im Mittel hieße das: Der derzeitige deutsche Jahresverbrauch ließe sich durch Fracking für zehn Jahre durch heimisches Gas stillen. Doch so groß das Potential ist - eine schnelle Lösung für Gasengpässe wäre Fracking nicht.

Seit 2017 ist unkonventionelles Fracking in Deutschland verboten. 2021 sollte der Bundestag das Fracking-Verbot überprüfen - passiert ist das allerdings nicht. Politisch und gesellschaftlich war es nicht gewollt und darauf hatte sich auch die Förderindustrie eingestellt, sagt ein Sprecher vom Bundesverband Erdgas, Erdöl und Geoenergie (BVEG).

Gesetzesänderungen, Umweltvorgaben, Bürgerbeteiligungen in den entsprechenden Regionen, die zunächst erst abschließend erforscht werden müssten - selbst die Förderindustrie geht davon aus, dass Fracking frühestens 2030 einen Beitrag zum Gasabbau in Deutschland bringen könnte. Bereits 15 Jahre später wil die Bundesregierung klimaneutral sein.

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