Eine 3D-Darstellung eines von Coronaviren umgebenen Gehirns.

Nach Covid-19-Infektion: Ist das Risiko für Alzheimer tatsächlich erhöht?

Stand: 08.08.2022, 12:07 Uhr

Laut einer dänischen Studie soll nach Covid-19 das Risiko, an Alzheimer zu erkranken, deutlich höher sein. Wie ist die Studie zu bewerten? Einschätzungen von WDR-Wissenschaftsredakteurin Ruth Schulz.

Wer an Covid-19 erkrankt, soll anfälliger für Alzheimer, Parkinson oder einen Hirninfarkt sein. Das jedenfalls legt eine Studie nahe, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler von der neurologischen Abteilung des Rigshospitalet in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen veröffentlicht haben.

Über Twitter verbreitete Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) über die Studie, dass es "gut" sei, "auf diese Gefahr hinzuweisen".

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Daten mit denen von Grippe-Patienten verglichen

Der dänischen Untersuchung lagen die Daten von rund 920.000 Menschen zugrunde, die in einem Zeitraum zwischen Februar 2020 und November 2021 einen Test auf Covid-19 gemacht hatten. 43.375 von ihnen hatten bereits eine Corona-Infektion hinter sich. Die übrigen Personen waren im Untersuchungszeitraum nicht mit dem Virus infiziert.

Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verglichen nun die Daten mit denen von Grippe-Patienten, die im entsprechenden Zeitraum vor der Corona-Pandemie eine Influenza hatten. Auch Grippe soll zu einem erhöhten Risiko von neurologischen Erkrankungen führen.

WDR-Wissenschaftsredakteurin Ruth Schulz ordnet diese Ergebnisse ein:

Was ist dran an der Studie?

Studiogespräch: Ruth Schulz, WDR-Wissenschaftsredaktion Quarks

Ruth Schulz, WDR-Wissenschaftsredaktion Quarks

Schulz: Nach den rein statistischen Auswertungen gibt es ein leicht erhöhtes Risiko, nach Covid-19 an Alzheimer oder Parkinson zu erkranken oder einen Hirninfarkt zu erleiden. Aber, ganz klar: Das Risiko ist nicht höher, als wenn man eine Grippe oder eine schwere Atemwegserkrankung hinter sich hat. Und, wie schon gesagt: Bei der dänischen Studie handelt es sich um rein statistische Auswertungen, mehr nicht.

Man weiß ja schon länger, dass durch Corona Nervenzellen geschädigt werden können. Was heißt das?

Schulz: Corona kann unterschiedliche Folgen haben. Die einen klagen über starke Kopfschmerzen, über einen gestörten Geruchs- und Geschmackssinn oder über diverse Irritationen in den Beinen. Allerdings bringen das viele Virusinfektionen mit sich, nicht nur Corona.

Klarheit über die Folgen von Corona wird man wohl erst in einigen Jahren haben, oder?

Schulz: Ganz genau. Dazu bedarf es noch vieler Studien. Vieles in Sachen "Folgen von Corona" ist derzeit noch unklar - nach meiner Einschätzung auch mit Blick auf Parkinson und Alzheimer. Man muss sich ja auch bewusst sein, dass sich Demenzerkrankungen sehr schleichend entwickeln. In einigen Jahren weiß man dazu sicherlich mehr.

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