11.11. in der Corona-Edition - die Karnevalssession ist eröffnet

Ein Mann mit Karnevalsfliege und Socken auf der Domplatte, über dem Mundnasenschutz trägt er eine rote Clownsnase

11.11. in der Corona-Edition - die Karnevalssession ist eröffnet

Von Susanne Schnabel

11.11. - einen solchen Karnevalsauftakt gab es noch nie! Wegen Corona ist es ein Sessionsstart ohne viel Karneval. Aber so ganz lässt NRW sich den geliebten Karneval auch nicht nehmen.

Es ist ein stiller Karnevalsauftakt in den jecken Hochburgen: Keine "Alaaf"-und "Helau"-Rufe, nur wenige Kostümierte, keine Wildpinkler, keine betrunkenen Einhörner, Clowns oder Minions. Mitarbeiter von Polizei und Ordnungsämtern haben nicht viel zu tun. Und so manch einer kann der coronabedingten Ruhe etwas abgewinnen.

"Wenn uns Corona eins gelehrt hat, dann dass es manchmal ganz gut ist etwas zu entschleunigen", sagt Prinz Sven I. vom Kölner Dreigestirn. "Wir glauben, dass diese Entschleunigung auch dem Kölner Karneval gut tut: Weg von schneller, höher und weiter, weg von Eventkarneval."

Alaaf und Helau! Der 11.11. in Corona-Zeiten in Bildern

Kein Karnevalsauftakt wegen der Pandemie? So ganz ohne Spaß und Verkleidung ging es nicht, ein paar Jecken waren unterwegs.

Eine Frau mit einem Haarkranz aus Desinfektionsmitteln

Es ist ein denkwürdiger Sessionsstart: Der 11.11. verläuft ruhig, nahezu besinnlich - und hier und da ein bisschen jeck.

Es ist ein denkwürdiger Sessionsstart: Der 11.11. verläuft ruhig, nahezu besinnlich - und hier und da ein bisschen jeck.

In diesem Jahr sind mehr Reporter, Polizisten sowie Mitarbeiter der Ordnungsämter, Sicherheitsleute und Müllabfuhr in den Städten unterwegs als Narren. Viel zu tun gibt es nicht: keine Betrunkenen, keine Wildpinkler.

Mit einem luftigen "Bleibt gesund" grüßt dieser Zeppelin die Bewohner von Köln.

Die Kölner bleiben, genau wie die Karnevalstouristen, brav zu Hause unter dem Motto #diesmalnicht. Nur wenige Narren verirren sich in die leere City.

Es lohnt sich auch nicht, in die Stadt zu kommen, denn alle Kneipen haben zu ...

... und es gilt ein ganztägiges Alkoholverbot. Auch in den Supermärkten gibt es kein Bierchen - noch nicht mal Schnapspralinen.

Mit lustiger Maske kommt beim Einkaufen an diesem besonderen 11.11. dennoch ein bisschen Karnevalsstimmung auf.

Ob der rote Schaumstoff vor Ansteckung schützt, wurde wissenschaftlich noch nicht untersucht. Sieht auf jeden Fall schick aus.

Und noch eine rote Nase an diesem grauen Mittwoch.

Auf dem Fahrrad ist "Jecksein" auch ohne Maske erlaubt.

Die Mitarbeiter der Müllabfuhr hatten noch nie so wenig zu tun.

Schnapsfläschchen aus der guten alten Zeit, festgetrampelt in Pflastersteine.

Während Beamte des Kölner Ordnungsamtes kontrollieren, ob sich alle an die Corona-Regeln halten ...

... gehen Mitglieder des Kölner Dreigestirns zu einem Gebet in den Dom.

Heute gilt im ganzen Land: Der 11.11.2020 soll ein Tag werden wie jeder andere.

Und es klappt: Ein WDR-Reporter steht einsam auf dem menschenleeren Heumarkt.

Auch in der Düsseldorfer Altstadt ist es sehr ruhig - die Narren bleiben zu Hause.

Hier trägt sogar der Fassadenschmuck Maske.

Eine gespenstische Ruhe in der City - es ist nichts los. Der richtige Tag, um zu putzen.

Die Mitarbeiter des Düsseldorfer Ordnungsamtes haben vor dem Rathaus nicht viel zu tun.

Der von Tom Bauer verkörperte Hoppeditz tritt dieses Mal wegen Corona unter Ausschluss der Öffentlichkeit im Ratsaal der Stadt Düsseldorf auf. 

Er nimmt bei seiner Rede die "Jecken mit dem Aluhut-Kostüm" aufs Korn. "All die, die glauben, sind dabei, datt die Erde 'ne Scheibe sei", reimt er. "Ich Andersdenken prima heiße, doch wird es braun, ist das echt Scheiße."

Ein Düsseldorfer Jeck im Fortuna-Dress hat sich vors Haus des Karnevals verirrt - wie passend.

Dieses graue Kätzchen schleicht durch die fast leeren Straßen der Altstadt.

Ein kleiner Farbklecks in Form von Schleifen und blauer Mütze. Ein bisschen Spaß muss sein.

So schnell wird man zum Radio-Moderator! Der Präsident des Festausschusses Aachener Karneval Frank Prömpeler sorgt im eigens dafür eingerichteten Internetradio für rheinischen Frohsinn.

Vorbildlich: Räuber-Bassist Jürgen "Geppie" Gebhart (r.) und Stephan Simons bleiben zu Hause in Schleiden in der Eifel und musizieren zusammen.

Und auch in Unna gibt es Musik auf Abstand: Karnevalist Helmut Scherer (r.) und sein Adjudant Rolf Stöckel ziehen mit Pauke und einer mobilen Musikanlage über das Gelände des Christlichen Klinikums. Bekannt ist der 85-jährige Scherer dafür, dass er seit mehr als sechs Jahrzehnten am Rosenmontag ganz alleine durch die Innenstadt zieht.

In Menden im Märkischen Kreis hat eine Mini-Delegation des Karnevalsvereins Kornblumenblau die Session eröffnet und den Hoppeditz erweckt. Das Motto in diesem Jahr lautet "Trotz Corona und Maskenball, Menden behält seinen Karneval".

11.11 Uhr am 11.11.2020: ein historischer Moment - ein sehr stiller.

"Et Hätz schleiht Zohuss" - "Das Herz schlägt Zuhause", steht auf dieser Absperrung. Stimmt, die Kölner Jecken halten sich dran.

Ganz vielleicht sehen wir uns ja doch zu den tollen Tagen am Heumarkt und den anderen Lieblingsorten der Narren wieder - wenn Corona es zulässt. Ob wir dann tanzen, singen, schunkeln, bützen und feiern können - ungewiss. Bleiben Sie gesund!

Reker zufrieden: "Hochburg der Jecken, nicht der Infizierten"

Die Kölner Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hat sich zufrieden über den Verlauf des verhaltenen Karnevalsauftakts am 11.11. geäußert. "Ich bin sehr erleichtert darüber, dass die Kölsche zusammenstohn und nicht nur davon singen, sondern wirklich die Einsicht vorherrscht", sagt sie im WDR-Interview und ergänzt: " Wir müssen uns heute nach den Regeln richten, die diese Corona-Pandemie uns abverlangt. Wir wollen die Hochburg der Jecken bleiben, wir wollen nicht die Hochburg der Infizierten werden."

Die Polizei hat vor dem Kölner Dom eher wenig zu tun.

Die Polizei hat vor dem Kölner Dom eher wenig zu tun.

Auch Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) lobt die Narren im ganzen Land: "Auch wenn mir als Norddeutscher das #Karneval-Gen fehlt - ich verstehe, dass viele Jecken heute traurig sind und gern gefeiert hätten. Danke, dass Ihr innehaltet!"

Kein Alkohol in Köln

In den Hochburgen sorgen viele Maßnahmen dafür, dass die Karnevalstouristen zu Hause bleiben. In Köln etwa gilt ein Alkoholverbot und auf Plakaten wirbt unter anderem die Schauspielerin Janine Kunze für den Feierverzicht: "Am 11.11. feiere ich nicht. Weil es dein Leben schützt."

 "Am 11.11. feiere ich nicht. Weil es dein Leben schützt."

"Am 11.11. feiere ich nicht. Weil es dein Leben schützt."

Mit der Kölner Kampagne #diesmalnicht rufen Prominente dazu auf, dieses Mal nicht zu feiern - auch nicht privat. Bei Verstößen gegen das Alkoholverbot und weiterer Corona-Regeln wollen Polizei und Ordnungsamt in Köln hart durchgreifen.

Auch in anderen Hochburgen wie Bonn, Aachen und Düsseldorf bleibt es ruhig an diesem 11.11. - kein Bühnenprogramm, keine Umzüge und keine Schlüsselübergaben an den Rathäusern.

Gefahrlose Aktionen zum Auftakt - der Hoppeditz darf erwachen

Nach dem Livestream einmal über den Rathausmarkt - und schon ist der Hoppeditz weg.

Nach dem Livestream einmal über den Rathausmarkt - und schon ist der Hoppeditz weg.

Einige Traditionen sind mit der Pandemie vereinbar: In Düsseldorf fand das traditionelle Hoppeditz-Erwachen in digitaler Form statt. "Corona hin, Corona her - wir müssen ja trotzdem mitteilen, was wir zu sagen haben, denn es ist das Schauspiel des Volkes gegen die Obrigkeit", sagt Tom Bauer, der Düsseldorfer Hoppeditz. Der freche Narr erwachte im Livestream - auf einem Barhocker im Plenarsaal des Düsseldorfer Rathauses statt im Senftopf und hielt seine Rede.

Und auch der Duisburger Hoppeditz tat es seinem Düsseldorfer Kollegen gleich und durfte "nur" im Livestream erwachen.

Stand: 11.11.2020, 16:49

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