Proteste in NRW gegen WM in Katar

Aktuelle Stunde 20.11.2022 19:13 Min. UT Verfügbar bis 27.11.2022 WDR Von Carsten Upadek

Fußball-WM in Katar: Protest in Herne zur Eröffnung

Stand: 20.11.2022, 19:31 Uhr

Am Eröffnungstag der Fußball-Weltmeisterschaft in Katar haben Menschen in Herne mit einer bildstarken Gedenk-, Protest- und Trauerveranstaltung gegen die WM protestiert. In Köln demonstrierte das Bündnis "Boykott Qatar".

Auf dem Rasen des Herner Stadions am Schloss Strünkede verteilten die Protestierenden 6.500 mit Sand gefüllte Stoff-Fußbälle. "Weltgewissen, du bist ein Fleck der Schande" war auf den Bällen zu lesen.

20.000 Grabkerzen im Herner Stadion

Zudem erleuchteten am Sonntag, dem Tag des Eröffnungsspiels in Katar, rund 20.000 Grabkerzen die Tribünen des Stadions in Herne. Mit der Aktion gedachten die Teilnehmer der vom Künstler Volker-Johannes Trieb initiierten Veranstaltung den beim Bau der WM-Stadien gestorbenen Gastarbeitern. "Die Fußballweltmeisterschaft hat viele tausend Menschen das Leben gekostet", sagte Trieb.

"Sie wurden wie Sklaven behandelt und sind an Hitze, Erschöpfung oder wegen fehlender Sicherheitsvorkehrungen gestorben. Die FIFA und die Regierung Katars sind über Leichen gegangen und das darf im WM-Jubel nicht untergehen." Volker-Johannes Trieb, Künstler

AWO: "Menschenrechte sind unverhandelbar"

Vier Personen halten als Zeichen der Solidarisierung eine Regenbogenflagge vor einem Fußballtor hoch.

Der Osnabrücker Künstler Trieb führt die Veranstaltung gemeinsam mit der Arbeiterwohlfahrt durch. "Für uns als Arbeiterwohlfahrt sind Menschenrechte unverhandelbar. Das Leben der Arbeitsmigranten ist wichtiger als jeder Profit", sagte Michael Scheffler, Vorsitzender des AWO Bezirks Westliches Westfalen.

"Sportliche Ereignisse dürfen nie wieder an Gastgeber vergeben werden, die gegen grundlegende Werte verstoßen." Michael Scheffler, Vorsitzender des AWO Bezirks Westliches Westfalen

"Boycott Qatar": Protestierende auch in Köln

Auch in Köln haben sich am Sonntag Kritiker der WM am Deutzer Bahnhof zu einer Kundgebung versammelt. Das Bündnis "Boycott Qatar" als Veranstalter sprach von 300 Teilnehmern, die Polizei von 180. Weil weniger kamen als erwartet, haben die Veranstalter einen zunächst geplanten Demonstrationszug kurzfristig abgesagt.

Anti-Katar-Demonstration in Köln

Ein Sprecher des Bündnisses äußerte sich dennoch zufrieden: "Wir haben ein gutes Zeichen gesetzt und Aufmerksamkeit erregt", sagte er. Das Bündnis "Boycott Qatar" wird von zahlreichen Initiativen, Vereinen und Gaststätten unterstützt.

Katar steht wegen Menschenrechtsverstößen und des Umgangs mit Arbeiterinnen und Arbeitern aus anderen Ländern schon lange in der Kritik. In der Vergangenheit war es auch zu tödlichen Unfällen auf den Baustellen gekommen. Die Regierung des Emirats verweist auf eigene Reformen und weist Teile der Kritik zurück.

Über dieses Thema berichten wir auch in der Aktuellen Stunde am 20.11.2022.

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