Waren die Behörden auf dem rechten Auge blind?

Ein Flugblatt der Polizei zeigt zwei Fotos einer Überwachungskamera, auf denen die mutmasslichen Täter des sog. "Nagelbombenattentats" in Köln-M lheim abgebildet sind.

Die Zwickauer Zelle in NRW

Waren die Behörden auf dem rechten Auge blind?

Von Dominik Reinle

Am 4. November 2011 enttarnte sich der "Nationalsozialistische Untergrund" (NSU) selbst. Die sogenannte Zwickauer Terrorzelle soll jahrelang unerkannt gebombt und gemordet haben - drei Mal in NRW. Doch weder zwei Bombenanschläge in Köln noch einen Mord in Dortmund konnten die Behörden aufklären. Woran liegt das?

Im Januar 2001 wird in der Kölner Innenstadt eine 19-jährige Deutsch-Iranerin durch eine Bombe im Lebensmittelgeschäft ihrer Eltern schwer verletzt. Viereinhalb Jahre später, im Juni 2004, detoniert eine Nagelbombe in Köln-Mülheim. 22 Menschen werden teils schwer verletzt, die meisten sind türkischer Herkunft. Im April 2006 wird ein türkischstämmiger Kioskbesitzer in Dortmund erschossen. Der Mord ist Teil einer Serie von Terroranschlägen, bei der zwischen 2000 und 2007 bundesweit zehn Menschen umgebracht werden.

Die mutmaßlichen Taten des NSU in NRW und bundesweit:

Bei allen Taten bleiben die Ermittlungen ergebnislos. Erst am 4. November 2011 erfährt die Öffentlichkeit von der Existenz des rechtsterroristischen Trios "Nationalsozialistischer Untergrund" (NSU): Uwe Böhnhardt und Uwe Mundlos werden nach einem Banküberfall in Eisenach (Thüringen) tot in ihrem ausgebrannten Wohnmobil aufgefunden. Beate Zschäpe setzt in Zwickau (Sachsen) die gemeinsame Wohnung in Brand und verschickt später eine Bekenner-DVD.

Fehler und Versäumnisse auch in NRW

WDR.de hat zum Jahrestag des Bekanntwerdens des NSU recherchiert, wie nach den Taten in Köln und Dortmund ermittelt worden ist. Das Fazit: Auch bei Behörden in NRW scheint es Versäumnisse und Fehler gegeben zu haben:

Keine Auskunft zum Ermittlungsstand

Auf die Frage von WDR.de nach dem neuesten Stand der Untersuchungen verweisen sowohl Polizei als auch Verfassungsschutz an die Generalbundesanwaltschaft, die am 11. November 2011 alle Ermittlungen übernommen hat. Von dort sind allerdings ebenfalls keine Informationen zu erhalten. Der "NSU-Verfahrenskomplex" sei noch nicht abgeschlossen.

Auf die Frage, ob die Ermittern Fehler gemacht haben und daraus disziplinarische Konsequenzen gezogen worden sind, antwortet die Generalsbundesanwaltschaft: "Die Bewertung der Tätigkeit anderer Behörden obliegt ihr nicht." Zu etwaigen Maßnahmen anderer Behörden könne keine Auskunft erteilt werden.

Stand: 04.11.2012, 00:00