27. Juli 2010 - Vor 50 Jahren: Liesl Karlstadt stirbt in Garmisch

Stichtag

27. Juli 2010 - Vor 50 Jahren: Liesl Karlstadt stirbt in Garmisch

Als Liesl Karlstadt 1910 im "Frankfurter Hof" Karl Valentin kennenlernt, ist sie bereits eine stadtbekannte Sängerin. Im "Gasthaus der Gemütlichkeit" oder in der "Max-Emanuel-Brauerei" unterhält sie die Gäste bei Schweinsbraten und Weißbier mit Couplets, Jodelnummern oder todernsten Einaktern. Das Publikum ist begeistert und spendet Applaus. "Und der erste, der nicht mit mir einverstanden war", wird sich die damals 18-Jährige später erinnern, "das war nun der Karl Valentin".

Zwei Zentner Schönheit

Geboren wird Karlstadt als Elisabeth Wellano 1892 als Tochter eines Bäckermeisters in München-Schwabing. Als Kind will sie Lehrerin werden; mit 13 Jahren steht sie als Verkäuferin hinter dem Ladentisch. Vier Jahre später sieht sie im "Bamberger Hof" eine Bauernkapelle und beschließt, Sängerin zu werden. Dann bemerkt Valentin ihr komisches Talent. Er ist es, der ihr nach seinem Komiker-Vorbild Karl Maxstadt das Pseudonym Liesl Karlstadt verleiht. Für sein Motto "Die Schönheit einer Frau geht erst bei zwei Zentnern an" isst sich das dürre Mädchen rund.
Von 1915 bis spät in die 20er Jahre des 20. Jahrhunderts hinein stehen Karlstadt und Valentin als Duo auf den berühmtesten Kabarettbühnen in München, Berlin, Wien und Zürich. Hier spielt Karlstadt den Herrn Kommerzienrat und den Herrn Kapellmeister, den Firmling, das Telefonfräulein und den chinesischen Salonkomiker. Sie erträgt Valentins Launen ebenso wie ihre Rolle als Nebenfrau, da Valentin das ehemalige Dienstmädchen seiner Eltern heiratet, weil er zuhause ein gut bürgerliches Heim bevorzugt. Sie beruhigt ihn bei Lampenfieber. Und wenn er den Text vergisst, souffliert sie ihm.

Von der Bühne in die Klinik

1931 spielt Karlstadt an den Münchner Kammerspielen die Frau Vogl in Bruno Franks "Sturm im Wasserglas". Ein Jahr später hat sie ein Engagement am Münchner Volkstheater. Es ist ein umjubelter Ausbruchsversuch aus der problematischen Beziehung, die sie, als sie 1933 zu Valentin zurückkehrt, regelrecht in den Wahnsinn treibt. Inzwischen ist Adolf Hitler Reichskanzler. Der auch politisch schon verbitterte Valentin, der gerade ein Panoptikum mit Gruselkeller aufbaut, schickt ihr eifersüchtig Detektive hinterher.
1935 versucht sich Karlstadt das Leben zu nehmen und wird in eine psychiatrische Klinik eingewiesen. Nach der Entlassung steht sie wieder mit Valentin auf der Bühne. Dann kommt der Rückfall. Valentins Geliebte Annemarie Fischer übernimmt ihren Part. Es ist das Ende einer 25-jährigen Zusammenarbeit. Am Rosenmontag 1948 stirbt Karl Valentin. Liesl Karlstadt, von den Ärzten offiziell als "geheilt" eingestuft, arbeitet erfolgreich als Schauspielerin weiter. Sie stirbt am 27. Juli 1960 in Garmisch.

Stand: 27.07.10