4. Juli 2004 - Griechenland gewinnt die Fußball-EM

Trainer Otto Rehhagel nach dem Final-Sieg bei Fußball-EM 2004

Stichtag

4. Juli 2004 - Griechenland gewinnt die Fußball-EM

Bei der Fußball-Weltmeisterschaft 2014 in Brasilien war für das griechische Team im Achtelfinale Endstation. Genau zehn Jahre zuvor ist der Hellas-Elf mit dem Titel-Gewinn bei der EM in Portugal eine der größten Sensationen im europäischen Fußball gelungen.

Mit Bollwerk-Taktik zum Erfolg

Das griechische Fußballmärchen beginnt 2001 mit der Verpflichtung von Otto Rehhagel als Nationalcoach. Drei Jahre vorher hat der Trainer-Oldie den Aufsteiger 1. FC Kaiserslautern direkt zur deutschen Meisterschaft geführt - ein Novum in der Bundesliga-Historie. Danach sinkt "König Ottos" Stern rapide. Seine Bewerbung als Bundestrainer wird vom DFB überhört. Rehhagels Wechsel zu dem griechischen Team gilt deshalb in Deutschland eher als "Gnadenbrot" für einen Trainer, dessen Taktik-Konzept dem modernen Fußball nicht mehr gewachsen ist.

Ohne ein Wort Griechisch zu sprechen, schweißt Rehhagel aus der traditionell durch Club-Rivalitäten zerklüfteten Nationalelf eine schlagkräftige Mannschaft. "Die Griechen haben die Demokratie erfunden. Ich habe die demokratische Diktatur eingeführt", beschreibt der oft als unbelehrbar bezeichnete Rehhagel sein Führungskonzept. Der Erfolg gibt ihm Recht: Mit seiner typischen rigorosen Bollwerk-Taktik marschiert seine Elf durch die EM-Qualifikation und bleibt 15 Spiele in Folge unbesiegt. Vor der Endrunde in Portugal gelten die taktisch limitierten Griechen trotzdem nur als Punktelieferant.

Charisteas köpft zum Cup-Gewinn

Zur allgemeinen Überraschung eröffnet der krasse Außenseiter Griechenland das Turnier mit einem 2:1-Sieg über Gastgeber Portugal. Deutschland scheidet schon in der Vorrunde aus. "König Ottos" Defensiv-Minimalisten reicht dagegen im Viertelfinale gegen Frankreich sowie auch im Halbfinale gegen Tschechien ein 1:0 zum nie für möglich gehaltenen Einzug ins Endspiel. Begeistert vom griechischen Defensiv-Gekicke sind aber nur die eigenen Fans. "Alle haben darauf gewartet, dass die Griechen jetzt bitte schön endlich mal verlieren, damit der Spuk aufhört", beschreibt der Sportjournalist Christoph Biermann die allgemeine Stimmung vor dem EM-Höhepunkt.

Im Finale am 4. Juli 2004 in Lissabon trifft Griechenland erneut auf Gastgeber Portugal. Dessen Starduo Luís Figo und Cristiano Ronaldo bleibt dank Rehhagels bewährter Mauertaktik wirkungslos. In der 57. Minute erzielt Angelos Charisteas von Rehhagels früherem Verein Werder Bremen per Kopf den Siegtreffer. Als Schiedsrichter Markus Merk nach 90 Minuten abpfeift, herrscht in Griechenland der Ausnahmezustand. Hunderttausende feiern in Athen den Sieg als größten Triumph, seit Spyridon Louis 1896 den ersten olympischen Marathonlauf der Neuzeit gewann. Otto Rehhagel steigt zum griechischen Nationalhelden auf und wird mit der Ehrenbürgerwürde Athens ausgezeichnet.

Stand: 04.07.2014

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Freitag gegen 17.40 Uhr und am Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.