13. Juni 1974 – Fußball-WM in Deutschland beginnt

Eine junge Frau zeigt die WM Maskottchen der Fu߂ballweltmeisterschaft 1974

Stichtag

13. Juni 1974 – Fußball-WM in Deutschland beginnt

Fußball macht nicht allen Freude. In Holland zum Beispiel sind die Wirte bei der WM 1974 sauer. Durch die Weltmeisterschaft habe er "sehr viel eingebüßt", sagt etwa ein Kneipenbesitzer in Amsterdam. "Die lieben Leute waren nicht da. Jeder hat sich zu Hause angepflastert. Wir mussten unser Bier selber trinken."

Vor allem beim Endspiel gegen WM-Gastgeber Deutschland herrscht beim Anpfiff um 16:00 Uhr in der Millionenstadt Amsterdam gähnende Leere. Rundfahrboote pausieren, der öffentliche Nahverkehr fährt auf Sparflamme. Die Niederländer hängen siegessicher vorm Fernseher. Kein Wunder: Schließlich ist ihre Mannschaft die beste des Turniers.

"Fußball ist unser Leben, ja König Fußball regiert die Welt"

Für die deutsche Nationalmannschaft beginnt die WM im eigenen Land eher verhalten. Schon im Vorfeld gibt es Peinlichkeiten. Dazu gehört nicht nur die Schallplatte, die die Stars um Bundestrainer Helmut Schön mit Udo Jürgens einspielen. Auch der Streit um die Höhe der Prämien eskaliert, als bekannt wird, dass die Italiener mit umgerechnet 120.000 D-Mark vier mal so viel wie Franz Beckenbauer, Paul Breitner oder Bernd Hölzenbein bekommen sollen. Spieler drohen abzureisen, Schön droht, Ersatzspieler aus dem Urlaub zu holen. Schließlich einigt man sich auf das Doppelte der ursprünglich vorgesehenen Summe.

Eröffnet wird die Fußball-WM am 13. Juni 1974 durch ein Spiel zwischen Weltmeister Brasilien und Jugoslawien in Frankfurt am Main. Die bundesdeutsche Mannschaft kickt erst einen Tag später in Berlin gegen Chile. Höhepunkt des Matches ist die erste rote Karte bei einer Fußballweltmeisterschaft, in der 67. Spielminute gegen Carlos Humberto Caszely. Ansonsten siegen die Deutschen, glanzlos und von Pfiffen begleitet, mit 1:0.

Möge der Schlechtere gewinnen

Während sich die Niederländer souverän durch das Turnier spielen, geht es für Deutschland mit einem wenn auch deutlichen, so doch spielerisch enttäuschenden 3:0 gegen Außenseiter Australien weiter. Danach folgt das Spiel, das als Politikum in die Annalen der WM-Geschichte Eingang findet: Die Bundesrepublik verliert in Hamburg gegen die Auswahl des "Klassenfeindes" DDR durch ein Tor von Jürgen Sparwasser mit 0:1. Auch wenn Torhüter Sepp Maier später scherzhaft behaupten wird, dass seine Auswahl auf Druck der regierenden SPD absichtlich verloren habe, ist die Niederlage nur Ausdruck der bisherigen Mannschaftsleistung.

Das Desaster von Hamburg aber rüttelt die Gastgeber wach. Einige Spieler wie Uli Hoeneß werden aus dem Kader geworfen, Mannschaftskapitän Franz Beckenbauer und Bundestrainer Helmut Schön sprechen Machtwörter. In der "Wasserschlacht von Frankfurt" gewinnt Deutschland durch ein Tor von Gerd Müller 1:0 gegen Olympiasieger Polen. "Bei normalen Spielverhältnissen hätten wir vermutlich keine Chance gehabt", wird Beckenbauer später sagen.

Dann kommt das Finale in München gegen die Niederländer. Die gehen schon in der zweiten Minute durch einen Elfmeter in Führung. In der 24. Minute kann Paul Breitner, ebenfalls durch Foulelfmeter, ausgleichen. Und dann stellt Gerd Müller noch vor der Halbzeit mit seinem 2:1 den Endstand her. Die Niederländer erholen sich trotz spielerischer Überlegenheit nicht mehr von dem Schock. Nach dem "Wunder von Bern" 1954 ist Deutschland abermals Weltmeister.

Stand: 13.06.2014

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