12. September 2010 - Vor 20 Jahren: Färöer schlägt Österreich mit 1:0

Stichtag

12. September 2010 - Vor 20 Jahren: Färöer schlägt Österreich mit 1:0

Am 12. September 1990 findet im südschwedischen Landskrona ein Qualifikationsspiel zur Fußball-Europameisterschaft statt. Die Rollen scheinen klar verteilt zu sein: Österreich hat gerade an der Weltmeisterschaft teilgenommen und gilt als Favorit. Dem Neuling Färöer (zu deutsch: Schafsinseln) werden hingegen keine Chancen eingeräumt. Der zu Dänemark gehörende, aber autonome Staat besteht aus 18 Inseln und liegt im Nordatlantik zwischen Schottland und Island. Die Mannschaft der Färöer ist erst im April 1990 in die Europäische Fußball-Union (Uefa) aufgenommen worden. Wegen der oft schlechten Witterung gibt es nur Kunstrasenplätze auf den Inseln. Die Uefa erlaubt bei den Qualifikationsspielen aber nur Rasenplätze. Deshalb wurde das Spiel nach Schweden verlegt. 400 Färinger Fans begleiten ihre Mannschaft dorthin.

Profis gegen Amateure

"Ich glaube, wir müssen mit einer Niederlage gegen Österreich rechnen, denn die Österreicher sind Profis und wir Amateure", sagt Nationalspieler Jens Erik Rasmussen vor dem Spiel. Zu Österreichs Team gehören fünf Spieler des Meisters FC Tirol, vier Spieler des Rekordmeisters Rapid Wien und zwei Stars, die in Spanien unter Vertrag sind. Die meisten Fußballer, die bei den Färingern spielen, sind Berufsfischer. Dann passiert, womit niemand gerechnet hat: In der 60. Minute erzielt der 26 Jahre alte Möbelverkäufer Torkil Nilsen das 1:0 für die Färöer. Fünf Minuten vor Ende der Partie schießt er beinahe noch ein zweites Tor. Österreich kann den Rückstand nicht mehr aufholen. Viele der knapp 50.000 Einwohner der Färöer haben das Spiel vor dem Fernseher mitverfolgt. Nach dem Schlusspfiff gibt es für sie kein Halten mehr. Für die Färöer war es das erste Qualifikationsspiel überhaupt. In der Hauptstadt Tórshavn wird ausgelassen gefeiert. Die Schüler bekommen am nächsten Tag frei.

Rasenstadion angelegt

Österreich hingegen erntet nur Hohn und Spott. Trainer Josef Hickersberger verliert seinen Job: "Jeder Trainer, der gegen die Färöer-Inseln mit der Nationalmannschaft verliert, ist gescheitert." Die Färinger sprengen nach dem historischen Sieg ein Rechteck in einen Felsen bei Tórshavn und bauen darin ein Rasenstadion. Zukünftige Siege wollen sie sich daheim erspielen. Seitdem warten sie auf ein zweites Fußballwunder.

Stand: 12.09.10