13. Juli 1837 - Buckingham Palace wird Residenz britischer Monarchen

Buckingham Palace

Stichtag

13. Juli 1837 - Buckingham Palace wird Residenz britischer Monarchen

Am 4. Juni 2012 erlebt London ein zuvor undenkbares, für konservative Monarchisten gar skandalöses Ereignis. Über die gesamte Fassade des ehrwürdigen Buckingham Palastes flimmern bunte Videoeffekte und auf dem Dach spielt die Ska-Band Madness ihren Hit "Our House". Die Queen hat derweil nicht etwa "not amused" die Flucht ergriffen. Beim Diamond Jubilee Concert vor ihrer Haustür sitzt Elizabeth II. in der ersten Reihe.

Zusammen mit rund 100.0000 Zuschauern lauscht die Königin den Auftritten der britischen Rock- und Pop-Elite anlässlich ihres 60. Thronjubiläums. Nach dem grandiosen Konzert kommt die Monarchin sogar auf die Bühne und genießt lächelnd die Ovationen. Kein Zweifel: Sie ist der größte Star von allen und kein Ort wäre für dieses Ereignis passender gewesen als der Platz vor Buckingham Palace. Nicht nur für die Queen, sondern für die meisten Briten ist "The Buck" tatsächlich "our house" – unser Haus.

Als Architektur-Katastrophe verdammt

Dessen royale Geschichte beginnt eher schlicht. 1761 kauft König Georg III. ein vom Herzog von Buckingham errichtetes Haus nahe dem St. James Palace als Privatrefugium. Seinem Sohn Georg IV. erscheint der schmucklose St. James Palace nicht mehr angemessen für das aufstrebende Weltreich. 1820 gibt er den Ausbau von Buckingham House zu einem Palast von unvergleichlicher Pracht in Auftrag – samt einem später wieder entfernten Triumphbogen. Der Renommierbau sprengt alle Budgets und Zeitplanungen; Georg IV. stirbt noch vor der Fertigstellung. Den vollendeten Palast-Klotz mit seiner abstrusen Stilmixtur bewerten nicht nur viele Bürger als architektonische Katastrophe. Georgs Thronfolger Wilhelm IV. weigert sich schlicht, dort einzuziehen.

Königin Victoria dagegen flüchtet geradezu in das Bauungetüm. Nach ihrer Thronbesteigung 1837 ist die 18-Jährige heilfroh, ihrer Mutter in Kensington Palace zu entkommen. "Ich bin glücklich, in Buckingham Palace einzuziehen, aus vielen Gründen", schreibt sie. "Meine neuen Räume sind hoch, freundlich und heiter, der Garten ist groß und sehr hübsch." Am 13. Juli 1837 erklärt Victoria Buckingham Palace zur offiziellen Residenz der britischen Monarchie. Bald bemerkt sie die Nachteile des Gebäudes. Es steht auf sumpfigem Grund, deshalb sind die riesigen Räume feucht und kalt. Und es mangelt in dem nur zur Repräsentation geplanten Palast trotz über 600 Zimmern an häuslichen Einrichtungen.

Besichtigungen nur in Elizabeths Sommerferien

So muss Buckingham Palace noch einmal erweitert werden. Dabei erhält er auch den weltberühmten Balkon an der Front, auf dem sich die Royals seither dem Volk zeigen. Kathryn Jones, Kuratorin der königlichen Sammlungen, sieht in dem Palast weit mehr als nur "die Firmenzentrale der königlichen Familie". Er sei zum Symbol der Rückversicherung und Kontinuität der Monarchie geworden. Vor allem im Zweiten Weltkrieg, als sich Georg VI. und seine Familie trotz der deutschen Bomben auf London weigern, den Palast zu verlassen. Dieses Zeichen der Solidarität haben die Briten nicht vergessen.

Das einstige Symbol für die Macht des Empire gehört heute zu Großbritannien wie die Familie, die darin wohnt. Buckingham Palace mit seinem berühmten Wachwechsel ist nicht nur ein Touristenmagnet erster Güte. Hier feiern die Briten ihre Royals wie bei der Hochzeit von William und Kate; hier bringen sie Trauer und Unwillen zum Ausdruck, wie damals nach dem Tod von Diana. Seit 20 Jahren dürfen Normalbürger sogar einen Teil des Palastes besichtigen. Allerdings nur im Sommer, wenn die Queen in ihrem schottischen Lieblingsschloss Balmoral Urlaub macht.

Stand: 13.07.2012

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