27. Juni 1972 – Gründung der Videospielfirma "Atari"

Atari-Computerspiel

Stichtag

27. Juni 1972 – Gründung der Videospielfirma "Atari"

Vor schwarzem Hintergrund sind auf dem Fernseher links und rechts zwei Striche zu sehen, die über Joysticks nach oben und unten bewegt werden können. Dazwischen läuft als Ball ein Punkt, der von den Strichen zurückprallt – oder, wenn der Spieler zu spät reagiert, links und rechts im "Aus" verschwindet.

Das Videospiel "Pong" folgt dem Prinzip des Tischtennis oder Ping Pong. Die Grafik ist simpel. In den 70er Jahren ist es in Spielhallen – und später in heimischen Wohnzimmern – der Renner.

Warnung für den Gegner

Als der US-amerikanische Informatiker Nolan Bushnell "Pong" entwickeln lässt, hat er die erste Firmenpleite schon hinter sich. Die Computerkonsolen mit dem Spiel "Computer Space", die sein Unternehmen "Syzygy" für Spielhallen produziert, war ein Flop.

Bushnell wagt den Neuanfang und gründet am 27. Juni 1972 deshalb "Atari": benannt nach dem Ausruf eines Spielers beim japanischen Brettspiel "Go". Der Ausruf erfolgt, wenn dem Gegner ein Spielstein abgenommen wird.

Thomas Gottschalks Karrierekick

Mit "Pong" gelingt es "Atari" schnell, sich Marktanteile zu sichern. Vorher allerdings muss Bushnell der Konsolenfirma "Magnavox" 700.000 US-Dollar Lizenzgebühren zahlen, da diese nachweisen kann, dass Bushnell vor der Entwicklung deren Ping-Pong-Spiel "Magnavox Odyssey" gespielt hat.

Diese Art der Investition lohnt sich: Tausende "Pong"-Automaten in Spielhallen und die ersten Heimkonsolen machen Atari zum Urvater der Videospielindustrie. In Deutschland bekommt das Spiel sogar eine eigene Fernsehshow, in der das Studiopublikum "Pong" soielt und die bis 1981 läuft. Der damals noch unbekannte Moderator: Thomas Gottschalk.

Klassiker für Smartphones

In den 80er Jahren wächst Atari zum größten Entwickler und Hersteller von Videospielen und Spielkonsolen. Zu dieser Zeit hat Bushnell seine Firmenanteile schon für 28 Millionen US-Dollar an den Mediengiganten Warner verkauft.  Dann steigt "Atari" ins Geschäft mit Heimcomputern ein.  Die kommen vor allem in der Musikindustrie zum Einsatz. Gegen Anbieter wie IBM aber haben Heimcomputer wie der Atari ST keine Chance.

Mitte der 80er Jahre bricht auch die Computerspielindustrie zusammen. Atari macht Millionenverluste und wird an den Spielzeugfabrikanten Hasbro verkauft. Heute ist das Unternehmen wieder eigenständig und macht sein Geld vor allem mit "Pong"-Lizenzen – unter anderem als Retro-Installationen für Smartphones und Tablet-PCs.

Stand: 27.06.2012

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