7. März 1341 - Kölner Karneval erstmals schriftlich erwähnt

Tanzmariechen und Offiziere im Kölner Karneval

Stichtag

7. März 1341 - Kölner Karneval erstmals schriftlich erwähnt

An Karneval ist in Köln die Hölle los: Von Weiberfastnacht bis Aschermittwoch wird in den Kneipen der Stadt gefeiert. Neben dem Rosenmontagszug hat fast jedes Viertel seinen eigenen Schul- oder "Veedelszoch". Es gibt gut 160 Kölner Karnevalsgesellschaften, eine "Stunksitzung", die sich als Gegenbewegung zum etablierten Sitzungskarneval versteht, eine "Immisitzung" für Nicht-Kölner und eine schwul-lesbische "Gloriasitzung".


Wild und ausgelassen wird in Köln schon im Mittelalter gefeiert. Anfang März 1341 wird der Karneval erstmals schriftlich erwähnt: Im Eidbuch der Stadt ist festgehalten, dass der Rat für die Fastnacht kein Geld mehr bewilligen darf. Das traf vor allem die "Richerzeche", ein Club der Reichen, der an Karneval besonders aktiv war. Die Mitglieder der "Zeche", die im Rat saßen, hatten dafür gesorgt, dass ihr Verein das meiste Geld erhielt. Dagegen protestierten die Handwerker - mit Erfolg.

"Fest auf der Rasierklinge"

Der Karneval ist fest in den kirchlichen Kalender eingebunden: 40 Tage Fastenzeit bis Ostern - danach berechnet sich der Termin für Aschermittwoch. Zunächst bezeichnet der sogenannte Fastavend oder - auf kölsch - "Fastelovend" lediglich den Abend vor dem Beginn der Fastenzeit. Schon bald weitet sich das Fest aber auf mehrere Tage aus. Die Handwerker ziehen durch die Straßen, die Adligen halten Festmähler ab, auf dem Alter Markt finden Ritterturniere statt.


Für den Kölner Psychologen Wolfgang Oelsner gibt es einen Grund, weshalb die Kirche sich mit dem Fest arrangiert hat: "Es lässt die Narrheit zu, um sie zu überwinden." Das "Fest auf der Rasierklinge" eröffne die Möglichkeit, bisher unterdrückte Seiten auszuleben: "Wir leben exzessiv vor dem Aschermittwoch, um dieses Exzessive ab Aschermittwoch in die Ecke zu stellen."

Festkomitee kanalisiert Karnevalstreiben

Der Kölner Karneval wird durch verschiedene Epochen geprägt. Die höfischen Maskenbälle im Barock hinterlassen französische und italienische Elemente. Die italienische Commedia dell'Arte dient sogar als Vorbild für das Urkostüm des Kölner Karnevals: den Lappenclown, der ein Kleid aus bunten, flatternden Stofflappen trägt.

Eine große Zäsur erfährt der Karneval 1823: Ein festordnendes Komitee wird gebildet, das den regierenden Preußen anbietet, das Karnevalstreiben zu kanalisieren. Der organisierte Sitzungskarneval entsteht. Auch der zentral organisierte Rosenmontagszug findet erstmals 1823 statt. Seither gilt Köln als das Zentrum im rheinischen Karneval.

Stand: 07.03.2011

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