07. Februar 2005 - Die rheinischen Karnevalsrufe entstehen

Stichtag

07. Februar 2005 - Die rheinischen Karnevalsrufe entstehen

Im hohen Mittelalter weiß die Hansestadt Köln, wie sie zu Reichtum kommt: Von ihrem Erzbischof Konrad von Hochstaden haben sich die Bürger, die fleißig den Dombau vorantreiben, 1259 das so genannte "Stapelrecht" verleihen lassen. Jedes Schiff, das den Rhein hinauf oder hinab segelt, muss in Köln anlegen und seine Waren drei Tage lang den Kölner Kaufleuten feil bieten – zu einem günstigen Vorkaufspreis. Nur der Rest darf weiter verschifft werden.Natürlich ist das Kölner Privileg den Handelsschiffern ein Dorn im Auge, zumal die Kölner es gewaltsam durchsetzen: So genannte Schapenniere, schnelle Polizeiboote, kapern ungehorsame Segler mitten auf dem Strom, beschlagnahmen die gesamte Ware und zerschneiden den Händlern die Kleider. Die werden dann als "Lappeklons" verhöhnt.Im Jahre 1285 will sich das der stolze Mainzer Kaufmann Gunter von Esem nicht länger bieten lassen. Er belädt seinen schnellen Segler "Semper Felicitas" nicht nur mit edlen Waren, sondern nimmt auch zwölf bewaffnete Ritter an Bord. Vor Köln kommt es am 7. Februar mitten auf dem Rhein zu einem denkwürdigen Dialog. "Ich vil he lau fahrn", ruft von Esen in gutem Mittelhochdeutsch, was soviel heißt wie: "Ich will hier ohne weiteres durchfahren." Aber die Kölner antworten in ihrem Dialekt: "Al aaflade, ihr sollt al aaflade" – also: alles abladen. Das geht so einige Male hin und her, bevor es zu einer gewalttätigen Auseinandersetzung kommt. Am Ende gelingt es von Esen tatsächlich, die Blockade zu durchbrechen, aber er ist verletzt.

Fünfzig Kilometer etwa segelt er noch den Rhein hinab, dann muss er am Ufer festmachen und sich behandeln lassen. Das geschieht bei einem kleinen Dorf an der Mündung der Düssel. Zum Dank für ihre Pflege schenkt von Esen den Bürgern seine gesamte Ladung. Sie wird zum Grundstock für den Aufbau einer neuen Stadt: Düsseldorf.Zum Gedenken aber an die denkwürdige Auseinandersetzung rufen die Jecken in Mainz noch heute von Esens "He-lau", und die Kölner kontern mit "Al-aaf". Die dankbaren Bürger von Düsseldorf übernehmen, obwohl weiter von Mainz als von Köln entfernt, den Ruf ihres Gönners, so dass Köln von Helau-Rufern eingekesselt ist bis auf den heutigen Tag. Und wenn sie nicht gestorben sind, dann leben sie noch heute.Stand: 07.02.05