20. April 1951 - Erste internationale Photokina in Köln eröffnet

Ludwig Erhard (li.) und Bruno Uhl auf der Photokina

Stichtag

20. April 1951 - Erste internationale Photokina in Köln eröffnet

Nach dem Zweiten Weltkrieg organisiert sich die deutsche Fotoindustrie neu: 1948 schließen sich die "Fabrikanten fotografischer Artikel" aus allen vier Besatzungszonen zu einem Verein zusammen. Zum ersten Vorsitzenden wird Bruno Uhl gewählt. Er ist damals Verkaufschef der Firma Agfa mit Sitz in Leverkusen. Der Verein, der bald den Namen "Verband der Deutschen Photographischen Industrie" erhält, soll die wirtschaftlichen Interessen der deutschen Fotohersteller im In- und Ausland vertreten. Dazu gehört auch die Vorbereitung einer Messe. Initiator Uhl entwickelt dafür ein neuartiges Konzept: In der Ausstellung sollen Kommerz und Kultur verbunden werden. Neben technischen Neuheiten sollen auch Fotos präsentiert werden. Dafür holt sich Uhl den Kölner Fotosammler Leo Fritz Gruber an seine Seite, der für den kulturellen Teil der Messe zuständig ist.

Zuerst national, dann international

Im Mai 1950 ist es soweit: In Köln wird die erste "Photo- und Kino-Ausstellung" (Photokina) eröffnet. Sie wird von 75.000 Menschen besucht. Noch findet die Messe im nationalen Rahmen statt; aus Platzgründen sind zunächst nur westdeutsche Firmen zugelassen. Doch schon im Jahr darauf werden auch Hersteller aus dem Ausland miteinbezogen: Zu den Klängen von Beethovens fünfter Sinfonie eröffnet Bundeswirtschaftsminister Ludwig Erhard (CDU) am 20. April 1951 die erste internationale Photokina. In seiner Rede weist Erhard darauf hin, dass die Fotoindustrie mit einem Exportanteil von 50 Prozent an der Spitze aller exportierenden Wirtschaftszweige stehe.

Die Photokina wird ein Erfolg. Schon 1951 besuchen 100.000 Interessierte die Messe, drei Jahre später sind es bereits 176.000 Besucher. Damals einigt man sich auf einen Veranstaltungsrhythmus von zwei Jahren. Jedes Mal gibt es technische Neuerungen zu bewundern: 1951 ist es der Kleinbild-Farbfilm. 1952 kommen Vierbilder-Kameras auf den Markt, mit denen vier Passfotos gleichzeitig gemacht werden können. 1966 wird die erste Spiegelreflex-Kamera präsentiert. 1972 können Super-8-Kameras auch mit Originalton filmen. Außerdem werden immer wieder verbesserte Blitzlichtröhren, Diarahmen, Dunkelkammerlampen, Fixiersalze, Objektive, Röntgenpapiere und Vorsatzlinsen vorgestellt.

Weltgrößte Foto-Messe

Gleichzeitig etabliert Gruber im künstlerischen Teil der Messe die Fotografie weiter als eine Form der Bildenden Kunst. Für ihn ist Fotografie die "Sprache der Welt". 30 Jahre lang prägt er die Photokina durch "Bilderschauen": zur Mode-, Kriegs- und Reisefotografie oder auch zur erotischen Fotografie. Die Kölner Ausstellung wird zum Großereignis in der Bilderwelt. Sie ist heute nach Angaben des deutschen Fotoindustrie-Verbandes die weltgrößte Messe für Fotoprodukte.

Stand: 20.04.2011

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