11. April 1982 - Debütkonzert der Toten Hosen in Bremen

11. April 1982 - Debütkonzert der Toten Hosen in Bremen

Nach den grellen Siebzigern weht der Wind 1982 aus konservativer Richtung. CDU-Chef Helmut Kohl ruft die "geistig-moralische Wende" aus, die ihn ins Kanzleramt tragen wird und Nicole gewinnt mit "Ein bißchen Frieden" den Schlager-Grand-Prix. Punk-Musik scheint schon wieder passé zu sein.

Nicht so in Düsseldorf, wo sechs Freunde dem Zeitgeist was husten und die Punkrock-Band Die Toten Hosen gründen. Auftreten lassen will man die wilde Pogo-Truppe in ihrer Heimatstadt aber nicht. So kommt es, dass die Karriere der Toten Hosen am 11. April 1982 im Bremer Kulturzentrum "Schlachthof" startet.

Mit drei Akkorden auf Tournee

Der Bühnenaufbau der "Toten Hasen" - so wird die Band fälschlicherweise angekündigt - dauert länger als das Debüt-Konzert. "Es war sehr, sehr chaotisch anfangs", erinnert sich Sänger Campino alias Andreas Frege. "Kaum ein Auftritt dauerte länger als 20 Minuten. Spätestens dann war Walter (Gitarre) ins Schlagzeug oder in die Gesangsanlage gesprungen und alles war kaputt."

Repertoire und Können der Düsseldorfer Drei-Akkord-Dilettanten sind minimal – für Bassist Andi Meurer die Quintessenz des Punk-Seins: "Das war ja der Grund, warum Du sagen konntest: Ich kann keinen Bass spielen? Scheißegal!" Erst ein Jahr nach dem Bremer Debüt haben die Hosen 15 kurze, schnelle Songs für ihr erstes Album "Opel-Gang" beisammen. In ihrem gelben "Opel Blitz"-Bus touren die Toten Hosen nun quer durch Deutschland, spielen bald auch in Polen, Ungarn, der ČSSR und in Skandinavien.

Aus Punks werden Popstars

Kostendeckend sind die Gigs der fünf eingeschworenen Freunde selten. "Es ging halt immer 'ne große Anzahl von Mikrofonen und Verstärkern kaputt", erklärt Andi Meurer. Zum Dauer-Minus trägt auch der Drogen-Konsum der Band bei. Koks, Speed, Haschisch, LSD, Pilze: "Wir haben alles ausprobiert", sagt Campino. "Bis der Erste dann wirklich übel an die Wand gefahren ist und wir nicht mehr im Einklang agiert haben." Weil Hosen-Mitgründer Walter November anfängt, Heroin zu spritzen, muss er die Band bereits 1983 verlassen.

Der kommerzielle Durchbruch gelingt den Toten Hosen 1988 mit "Ein kleines bisschen Horrorschau, großteils geschrieben für die Bonner Bühnenfassung des Films "A Clockwork Orange". Die Single "Hier kommt Alex" klettert in den deutschen Charts bis in die Top 40 und hält sich dort 19 Wochen. Punk oder Popstar, heißt es nun für die Hosen. Um unabhängig zu bleiben, gründen sie ihr eigenes Label samt Konzert- und Merchandisingagentur. Mit den Gewinnen bewahrt die Gruppe unter anderem ihren Lieblings-Fußballklub Fortuna-Düsseldorf vor dem sportlichen Absturz.

Solange die alten Knochen mitmachen

Die Neunziger beginnen für die Toten Hosen mit einem Paukenschlag: In Köln spielen sie im Vorprogramm der Rolling Stones. "Da haben wir gespürt, dass ein großes Publikum da ist, und dass wir auch 'ne große Verantwortung haben", meint Andreas "Kuddel" von Holst, der Gitarrist der Band. Drogen und Alkohol auf Tour gehören nun der Vergangenheit an. Wie groß ihre Verantwortung tatsächlich ist, bekommen die Hosen auf tragische Weise zu spüren.

Bei ihrem 1.000 Konzert im Juni 1997 im Düsseldorfer Rheinstadion wird eine junge Niederländerin im Gedränge der 60.000 Fans erdrückt. Ihr Tod bringt die Band an den Rand der Auflösung. Auf einer Tournee durch Australien und Japan verarbeiten die Hosen den Schock - und bleiben sich auch als in die Jahre gekommene Punkrocker treu. Campinos Fazit nach 35 Jahren, 21 Alben und unzähligen Preisen: "Man verlängert von Saison zu Saison und guckt, was die Knochen machen. Zur Zeit sieht's so aus, als ob wir noch 'ne Runde dranhängen."

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 11. April 2017 ebenfalls an das Debüt der Toten Hosen. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

Stichtag am 12.04.2017: Vor 15 Jahren: Sturz von Venezuelas Präsident Hugo Chavez

Stand: 11.04.2017, 00:00