28. Februar 1950 - Patent für Styropor eingereicht

Künstler Chen Dai Goang mit Styroporplatten

28. Februar 1950 - Patent für Styropor eingereicht

Ludwigshafen im Herbst 1949. Im BASF-Labor sucht der Ingenieur Fritz Stastny einen neuen, vielseitig verwendbaren Isolierstoff. Er nimmt das Erdölprodukt Polysterol, mischt es mit Pentan und verschließt das Gemisch in einer Dose für Schuhcreme.

"Klare Lösung, bei Raumtemperatur gelagert", notiert er in sein Laborbuch. "Durchsichtige, harte Scheibe entnommen."

Scheibe wird zu Schaumstoff

Eigentlich hat Stastny vor, die Scheibe bis zum Abend trocknen zu lassen. Aber dann vergisst er das Experiment. Als er am nächsten Morgen ins Labor zurückkommt, hat das Gemisch den Dosendeckel angehoben: Die Scheibe ist zu Schaumstoff geworden und hat sich enorm ausgedehnt.

Es ist die Geburtsstunde des Styropor. Am 28. Februar 1950 meldet Stastny seine zufällig entdeckte Methode zum Patent an.

Patent für Styropor (am 28.02.1950)

WDR 2 Stichtag 28.02.2020 04:16 Min. Verfügbar bis 25.02.2030 WDR 2

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Aufgebläht dank Wasserdampf

Durch Treibmittel kann Styropor sein Volumen bis zum 50-fachen vergrößern. Und es ist beliebig formbar – Eigenschaften, die den Kunststoff für die Verpackungsindustrie attraktiv werden lassen. Zudem wärmt – oder kühlt – es wegen seines großen Luftgehalts als Umhüllung seinen Inhalt.

Eine 2,5 Zentimeter dicke Styroporplatte hat die Isolationsfähigkeit einer 20 Mal so dicken Mauer. Und sie ist langlebig und geruchsabweisend. Deshalb sind Styroporschalen auf den Fischkuttern der Weltmeere ebenso beliebt wie beim Pizzaservice um die Ecke.

Fein wie Zucker

Heute verwendet man zur Styroporherstellung weiße Kügelchen, die fein wie Zucker sind. Mit Wasserdampf werden sie aufgeblasen, die Hohlräume füllen sich mit Luft.

Dieses Vormaterial wird dann in eine Maschine gepumpt, die daraus mit Hilfe der "verschweißenden" Hitze von Wasserdampf zentimetergenaue große Formteile macht. Eine Säge schneidet dann mit chirurgischer Präzision durch das weiße Material, sodass jedes beliebige Endprodukt entstehen kann.

Rund 50 Prozent Recyclingquote

So schön manche Eigenschaft des Styropors auch sein kann, so problematisch ist sie auch: Seine Langlebigkeit verdankt sich der Tatsache, dass der Schaumstoff biologisch nicht abbaubar ist. Versuche, das zur Produktion verwendete Erdöl durch pflanzliche Öle zu ersetzen, sind bisher gescheitert.

Styropor als Computer-Verpackung oder Füllmaterial von Paketen darf übrigens in die Gelbe Tonne. Gebrauchte Dämmplatten von der Baustelle aber nicht.

2019 werden 1,5 Millionen Tonnen des ultraleichten Schaumstoffs produziert. Die Recyclingquote für Styropor liegt in Deutschland bei rund 50 Prozent.

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Stand: 28.02.2020, 00:00