22. August 1949 - Erste Netzhaut-Operation mit Licht durchgeführt

Augenoperation mit Lasertechnik, 2003

22. August 1949 - Erste Netzhaut-Operation mit Licht durchgeführt

Eigentlich will Gerhard Meyer-Schwickerath Ende der 1930er Jahre wie sein Vater Jura studieren. Aber unter Hitler gibt es kein Recht. Also wird er Arzt. Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs sucht er sich in Münster einen Doktorvater, der kein Nazi ist. So stößt er auf einen Augenheilkundler aus Südtirol.

Mit ihm geht Meyer-Schwickerath nach dem Krieg ans Universitätskrankenhaus in Hamburg-Eppendorf. Und findet dort eine revolutionäre Methode, um zu verhindern, dass sich die Netzhaut, etwa als Folge von Diabetes, gänzlich vom Rest des Auges ablöst und der Patient erblindet: mit Sonnenlicht.

Erste Netzhaut-Operation mit Sonnenlicht (am 22.08.1949)

WDR 2 Stichtag 22.08.2019 04:12 Min. Verfügbar bis 19.08.2029 WDR 2

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Vorbei an der Hornhaut

Geboren wird Meyer-Schwickerath 1920 in Elberfeld. Nach dem Medizinstudium arbeitet er unter anderem als Sanitäter. Ab 1946 versucht er in Tierversuchen mit Kaninchen, Netzhaut mithilfe von Wechselstrom-Wärme über eine Narbe wieder mit dem Untergrund zu verschweißen, um eine weitere Ablösung zu verhindern. Die Idee, hierzu Licht zu verwenden, kommt ihm plötzlich über Nacht. Experimente mit einem Projektor funktionieren bei Kaninchen, nicht aber beim Menschen: Das Licht ist nicht stark genug. So verfällt Meyer-Schwickerath auf den Gedanken, Sonnenlicht zu nutzen.

Zum Glück ist Meyer-Schwickerath technisch begabt. Er baut aus Linsen und Spiegeln einen Apparat, der sogar den Sonnenstand berücksichtigt. Mit seiner Hilfe ist es möglich, das konzentrierte Licht für eine gezielte Verbrennung so in die Pigmentschicht der Netzhaut zu lenken, dass Hornhaut, Linse und Glaskörper keinen Schaden nehmen. Am 22. August 1949 findet die erste Netzhaut-OP mit dem sogenannten Sonnenlicht-Koagulator statt.

Bob Hope lässt sich behandeln

Die Klinik in Eppendorf stellt Meyer-Schwickerath einen Operationssaal im Obergeschoss zur Verfügung. Mit Sonnenbrillen ausgestattete Patienten verfolgen auf dem Dach das Wetter und geben dem Operateur bei gutem Sonnenstand ein Zeichen, woraufhin der Eingriff durchgeführt wird. 1954 reist der Mediziner nach New York, um seine Behandlungsmethode auf dem Weltkongress der Augenärzte vorzustellen. Prominente wie Bob Hope oder der Herzog von Windsor lassen sich behandeln.

1957 kann Meyer-Schwickerath nach zehnjähriger Entwicklungsarbeit mit der Firma Carl Zeiss in Oberkochen einen Koagulator auf den Markt bringen, der auf einer Xenonlampe basiert. In den 1960er Jahren sind weltweit 500 Exemplare im Einsatz. Da ist Meyer-Schwickerath schon Direktor der Essener Augenklinik.

Schließlich bereitet die Behandlung der Netzhautablösung per Laser der Lichtkoagulation ein Ende. Meyer-Schwickerath stirbt 1992 in Essen.

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Stand: 22.08.2019, 00:00