12. Juli 1191 - Kreuzfahrer erobern Hafenstadt Akkon

Belagerung von Akkon während des sechsten Kreuzzugs, unternommen von König Ludwig IX.

12. Juli 1191 - Kreuzfahrer erobern Hafenstadt Akkon

Nach 88 Jahren christlicher Herrschaft können Muslime wieder in Jerusalem beten: Sultan Saladin befreit die Stadt am 2. Oktober 1187. Zuvor hatte er die Muslime von Ägypten bis Syrien geeint, mit dieser Übermacht die Stadt eingeschlossen und mit seinen Truppen eine Lücke in die Stadtmauer gerissen. Nun bietet er seinen Feinden freies Geleit an. Die Christen akzeptieren. Die Muslime ziehen ohne Blutvergießen in die Heilige Stadt ein.

In Europa wird die Nachricht vom Verlust Jerusalems mit Bestürzung aufgenommen. Für die Christen ist klar: Das Heilige Land muss zurückerobert werden. Kaiser Friedrich I. Barbarossa bricht im Mai 1189 von Regensburg ins Heilige Land auf, stirbt aber im Jahr darauf beim Baden im Fluss Saleph im südlichen Anatolien. Die Hälfte der Kreuzfahrer zieht unter Führung des Kaisersohns Friedrich von Schwaben weiter und belagert in Galiläa die strategisch wichtige Hafenstadt Akkon (heute: Akko). Dort treffen zwei Jahre später auch der französische König Philipp II. August und der englische König Richard I. Löwenherz mit ihren Flotten ein.

Kreuzfahrer auf blutigem Weg nach Jerusalem

Besonders der 34-jährige Engländer wird von den christlichen Belagerern mit Freudenfeuer begrüßt. "Der englische König ist mit 25 Galeeren gelandet", notiert Saladins Chronist Baha al-Din. "Er ist gekommen, um die Stadt mit frischen Kräften einzuschließen und er ist ein Mann von Urteil und Erfahrung, von Kühnheit und Tatkraft." Doch Richard I. leidet seit Tagen an einem Fieber, das auch schon Philipp II. niedergestreckt hatte. Davon erfährt Saladin und schickt ihm als Geschenk Früchte und Gefrorenes. Richard Löwenherz erholt sich nach dieser Geste seines Gegners und wirft sich in den Kampf um Akkon. Lebensmittel und Kampfmoral der Verteidiger schwinden mit jedem neuen Angriff. Schließlich geben die Muslime auf. Am 12. Juli 1191 nehmen die Kreuzfahrer die Hafenstadt ein. Der englische König fordert von Saladin Lösegeld für 2.700 Gefangene und die Herausgabe des Wahren Kreuzes, an das angeblich einst Jesus Christus genagelt wurde. Der Sultan lehnt die Forderungen ab. Daraufhin lässt Richard I. alle Gefangenen hinrichten.

Während der französische König nach dem Sieg nach Hause zurückkehrt, zieht Richard I. weiter. Saladin will ihn stoppen und greift ihn am 7. September 1191 an: 30.000 Mann sind auf der Ebene von Arsuf aufmarschiert und attackieren die Kreuzritter. Für Richard Löwenherz ist die Lage bedrohlich: Vier Jahre zuvor hatte Saladin auf der Hochebene von Hattin eine der größten Feldschlachten des Hochmittelalters gewonnen und damit dem ersten Kreuzfahrer-Königreich Jerusalem den Todesstoß versetzt. Doch diesmal haben die Christen Erfolg: Saladins Truppen werden bei Arsuf besiegt und der englische König rückt weiter vor. Im August 1192 nehmen seine Männer Jaffa ein. Die Stadt dient den Christen als Brückenkopf am Meer, um sich auf den entscheidenden Angriff auf Jerusalem im Landesinneren vorzubereiten.

Duell zwischen König Richard und Sultan Saladin

Doch Richard Löwenherz greift nicht an. Offenbar hat er bemerkt, dass seine Kräfte zwar ausreichen könnten, um Jerusalem zu erobern, aber nicht zu halten. Deshalb will er verhandeln. Saladin schickt seinen Bruder Al Adil zum englischen König. Richard lässt den Feind bewirten. Die Männer tauschen Komplimente und Geschenke aus. Beide mögen die Falkenjagd und die Musik. Richard besucht ein muslimisches Konzert. Bald sind die beiden so vertraut, dass Richard Löwenherz vorschlägt, seine Schwester Johanna und Al Adil sollten heiraten. Dann könnten die beiden zusammen über Jerusalem herrschen. Doch Johanna will keinen Muslim heiraten und Al Adil weigert sich, zum Christentum zu konvertieren. Richards Friedensplan scheitert.

Die Kreuzritter drängen auf eine militärische Entscheidung. Zwei Mal rücken sie bis auf 20 Kilometer an die Heilige Stadt. Ein Mal stoppt sie der Regen, das andere Mal hat Richard angeblich nicht über sein Schild geblickt und gesagt: "Ich möchte nicht sehen, was ich nicht erobern kann." Er macht sich auf den Weg zurück nach Akkon. Als die Muslime einen Gegenangriff auf Jaffa starten, ist Richard zur Stelle und wehrt ihn ab. "Niemals mussten wir die Feindschaft eines listigeren und kühneren Mannes ertragen", sagt der Chronist Baha Al-Din. Der englische König bediene sich abwechselnd der Nachgiebigkeit und der Gewalttätigkeit. "Gott allein konnte die Muslime vor seiner Bösartigkeit bewahren." Kriegsmüde einigen sich Richard und Saladin. Über ihre Abgesandten handeln sie im September 1192 einen Waffenstillstand aus: Die Christen dürfen wieder zu den Heiligen Stätten in Jerusalem pilgern - unter dem Schutz Saladins. Damit endet der Dritte Kreuzzug und das Duell der beiden Heerführer. Persönlich begegnen sie sich nie.

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Stand: 12.07.2016, 00:00