10. Juni 2005 - Vor 815 Jahren: Kaiser Friedrich Barbarossa ertrinkt im Saleph

Stichtag

10. Juni 2005 - Vor 815 Jahren: Kaiser Friedrich Barbarossa ertrinkt im Saleph

Wenn die Legende Recht hat, stimmt unser Stichtag nicht: Kaiser Friedrich I. "ist niemals gestorben. Er hat, im Schloss verborgen, zum Schlaf sich hingesetzt" (Friedrich Rückert). Wundersam wurde der 'schlafende' Kaiser unter seine Reichsburg auf dem Kyffhäuser-Berg in Thüringen versetzt. Dort schläft er nun im unterirdischen Schloss und wartet auf seine Stunde.Zweifel sind allerdings angebracht: Ursprünglich gilt die Sage vom schlafenden Kaiser gar nicht Friedrich I., sondern seinem Enkel, Friedrich II. Der regierte, obwohl deutscher Kaiser, meist in seinem Königreich Sizilien. So wollte man 1250 im Norden die Nachricht von seinem Tod nicht glauben. Und erzählte sich die Sage. Erst Jahrhunderte später wird sie auf den Großvater übertragen.Denn in der Neuzeit ist Friedrich I. eine Symbol- und Sehnsuchtsgestalt. Das Kaiserreich zerfällt in Fürstentümer, die Einheit der Kirche in Konfessionskriegen. War zur Zeit der Staufer nicht alles besser? Da herrschte Friedrich I., seines roten Bartes wegen "Barbarossa" genannt, noch über ein Reich von der Nordsee bis nach Rom. Hier lässt er sich 1155 vom Papst zum Kaiser krönen. Gegen die Ansprüche des Papstes nennt er sein Imperium erstmals "Heiliges Reich". Zu dem müssten, so ist er überzeugt, auch Jerusalem und das "Heilige Land" gehören. Und so bricht er 1189 zu einem Kreuzzug auf. Aber die Seldschuken bedrängen sein Heer schon auf dem Weg. Wie durch ein Wunder gewinnt er dennoch die entscheidende Schlacht bei Iconium. Drei Wochen später, am 10. Juni 1190, ertrinkt der Kaiser im Fluss Saleph, bei Göksu in der heutigen Türkei.

Der Sage nach schickt Barbarossa alle hundert Jahre seinen Zwerg Alberich, um nachzuschauen, ob die Raben noch um den Kyffhäuser kreisen. Tun sie es einmal nicht, wird er erwachen und auf Erden die gute alte Zeit wieder herstellen. Allerdings muss er dann entdecken, dass man auf seinem Berg längst einem anderen ein Denkmal gesetzt hat: dem Preußenkönig Wilhelm I.


Stand: 10.06.05