27. November 2010 - Vor 915 Jahren: Papst Urban II. ruft zum ersten Kreuzzug auf

Stichpunkt

27. November 2010 - Vor 915 Jahren: Papst Urban II. ruft zum ersten Kreuzzug auf

Am letzten Tag des Konzils von Clermont, dem 27. November 1095, versammeln sich tausende Christen vor der französischen Stadt: Sie wollen hören, was Papst Urban II. ihnen zu verkünden hat. Es sind angeblich "schlimme" Nachrichten aus Jerusalem und Konstantinopel: "Die Perser, ein ganz gottfernes Volk, eine Brut von ziellosem Gemüt, hat die Länder der dortigen Christen besetzt, durch Mord, Raub und Brand entvölkert." Tatsächlich sind die den Muslimen angelasteten Gräueltaten mehr an antike Barbarenbilder angelehnt als an der damaligen Wirklichkeit. In Wahrheit vermischen sich kirchliche und außenpolitische Ziele in Urbans Aufruf. Er will die Kirche aus der Vorherrschaft des deutschen Kaisers befreien, mit dem die Päpste seit langem in Streit liegen. Mit dem Aufruf zum Kreuzzug kann sich der römische Papst politisch profilieren.
Urban II. ruft die Gläubigen auf, ihre Familien und ihren Besitz zurück zu lassen, um die Heiligen Stätten in Jerusalem von den Ungläubigen zu befreien: "Tretet den Weg zum Heiligen Grab an, nehmt das Land dort dem gottlosen Volk, macht es euch untertan."

"Nie verwelkender Ruhm"

Die Anwesenden sind begeistert und rufen: "Gott will es!" Chronist Robert, Mönch im Remigiuskloster von Reims, notiert später: "Die Menschen warfen sich auf den Boden und baten um Vergebung ihrer Sünden. Sie zerschnitten ihre Gewänder zu Stoffkreuzen und hefteten sie als Zeichen für ihr Gelübde, diese Kreuzzug beizutreten, auf ihre Schulter." Der Papst lockt die Gläubigen mit einer Belohnung: "Schlagt also diesen Weg ein zur Vergebung eurer Sünden, nie verwelkender Ruhm ist euch im Himmelreich gewiss." Dennoch ist er von der Wirkung seiner Rede überrascht. Statt eines geordneten Ritterheeres sind es zunächst aus allen Bevölkerungsschichten zusammengesetze Gruppen, die in Richtung Osten aufbrechen.

Judenpogrome in deutschen Städten

Die Teilnehmer der unorganisierten Volkskreuzzüge ziehen bereits im Frühjahr 1096 los. Sie hinterlassen eine Schneise der Verwüstung. Sie plündern und morden, um sich zu ernähren. Sie verüben auch die ersten Judenpogrome in Mainz, Worms und anderen deutschen Städten. Ihre militärische Unerfahrenheit bezahlen viele der ersten Kreuzfahrer mit dem Leben: Sie werden bei Nikäa vernichtend von den türkischen Seldschuken geschlagen.
Erfolgreich ist hingegen die zweite Welle, mit der viele Ritter aufbrechen und Jerusalem tatsächlich erreichen. Das christliche Heer erobert die Stadt am 15. Juli 1099 und richtet ein Blutbad unter der muslimischen und jüdischen Bevölkerung an.

Stand: 27.11.10