18.September 1793 - Grundsteinlegung für das Kapitol in Washington

Außenansicht des Capitols in Washington (USA).

18.September 1793 - Grundsteinlegung für das Kapitol in Washington

Alle gesetzgebende Gewalt soll von dem, aus einem Senat und einem Repräsentantenhaus bestehenden, Kongress ausgehen. So schreiben es die Gründerväter der Vereinigten Staaten 1787 im 1. Artikel der Verfassung fest. Das Kapitol als Sitz des Kongresses muss aber erst noch erbaut werden, ebenso wie die Hauptstadt Washington, deren Herzkammer das Kapitol bilden wird.

Als Vorlage für die neue Hauptstadt am Potomac River dienen am Reißbrett entworfene Residenzmetropolen wie Karlsruhe und Versailles, die Thomas Jefferson bei seinen Europareisen kennengelernt hat. Auch der Name Kapitol geht auf den Verfasser der Unabhängigkeitserklärung zurück.

Grundsteinlegung für Kapitol in Washington (am 18.09.1793)

WDR 2 Stichtag 18.09.2018 04:17 Min. WDR 2

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Erhaben, einfach und komfortabel

"Wann immer Pläne für das Kapitol vorgeschlagen werden, bevorzuge ich die Übernahme eines antiken Modells, das die Bestätigung von Jahrtausenden hat", erklärt Jefferson. Die Hamburger Amerikanistin Claudia Schnurmann sieht darin eine klare Anspielung auf das antike Rom: "Auf dem Kapitolinischen Hügel standen ja die wichtigsten Heiligtümer der römischen Republik und Washington sollte das neue Rom werden."

Im März 1792 initiiert Jefferson einen Architekten-Wettbewerb für das Kapitol, den der Schotte William Thornton gewinnt. Sein Entwurf sieht einen säulengeschmückten Flügelbau vor, mit einer Rotunde in der Mitte, die eine flache Kuppel krönt. George Washington, der erste Präsident der USA, lobt Thorntons Arbeit als "erhaben, einfach und komfortabel".

Innenansicht der Kuppel des Kapitols in Washington, darunter eine Statue des ersten US-Präsidenten George Washington

Innenansicht der Kapitol-Kuppel mit Statue von George Washington

Am 18. September 1793 legt Washington den Grundstein für das Kapitol. "Er kam als Großmeister einer Freimaurerloge und ließ die Platte begleitet von Musikkapellen in den Boden ein", weiß die Amerikanistin Schnurmann. "Dann klopfte er sie mit drei Schlägen fest und schüttete Öl, Wein und Getreidegarben darüber."

Verschwundener Grundstein

Während im sumpfigen, mückenverseuchten Land am Potomac die Hauptstadt Washington heranwächst, kann der Kongress im November 1800 seine erste Sitzung im Nordflügel des Kapitols abhalten. Erst in der bis 1826 dauernden zweiten Bauphase wird die flache Kuppel durch die majestätische, an den Petersdom erinnernde hohe Kuppel ersetzt.

In den folgenden Jahrzehnten steigt die Zahl der Vereinigten Staaten stetig und damit auch die Zahl der Volksvertreter. Bis ins 20. Jahrhundert wird das Kapitol deshalb mehrfach umgebaut und erweitert. Der von George Washington gelegte Grundstein ist dabei verloren gegangen. Trotz mehrerer Suchaktionen konnte er bis heute nicht wiedergefunden werden.

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