24. Juli 1952 - Western-Klassiker "Zwölf Uhr mittags" wird uraufgeführt

Gary Cooper in "Zwölf Uhr mittags" als Marshall Will Kane allein in der leeren Stadt

24. Juli 1952 - Western-Klassiker "Zwölf Uhr mittags" wird uraufgeführt

Sonntagmittag. Angstschweiß auf den Falten seines entschlossenen Gesichts. Selbst die Kamera geht auf Abstand zu Will Kane und blickt schließlich von weit oben auf die leergefegte Main Street. Vor zwei Stunden noch hat man Kane für seine Verdienste als Marshal von Hadleyville gefeiert. Nun kämpft er, selbst von seinen Freunden im Stich gelassen, in dieser Stadt voller Feiglinge allein auf verlorenem Posten.

Am Morgen erst hat Kane die hübsche und um einiges jüngere Quäkerin Amy geheiratet. Den Marshal-Stern hat er abgelegt, nun will er mit seiner Frau in ein neues Leben aufbrechen. Da erfährt er, dass der skrupellose Gangster Frank Miller mit dem Mittagszug zurückkehren wird. Kane hat ihn einst ins Gefängnis gebracht, fühlt sich nun für seine Stadt verantwortlich – und bleibt. Amy aber lehnt jede Gewalt strikt ab und droht ihrem Mann, die Stadt mit dem Zug um zwölf Uhr mittags zu verlassen.

Film-Uraufführung "12 Uhr mittags" (am 24.07.1952)

WDR 2 Stichtag 24.07.2017 04:16 Min. Verfügbar bis 22.07.2027 WDR 2


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Oscar für einen gebrochenen Helden

In körnigem Schwarz-Weiß gedreht, verkörpert Gary Cooper in "Zwölf Uhr mittags" (High Noon) die Gewissensqualen des aufrechten Marshals. Die 21-jährige Grace Kelly steht als Amy in ihrem ersten großen Film vor der Kamera. Der gerade 50 gewordene Cooper ist bei Drehbeginn deutlich angeschlagen; gesundheitliche und Eheprobleme machen ihm zu schaffen. All das lässt Cooper in die Rolle des gebrochenen, unfreiwilligen Helden Will Kane einfließen. Es ist eine der besten Leistungen seiner Karriere, für die er den Oscar als bester Hauptdarsteller erhält.

Zur Zeit der Entstehung des Films, der am 24. Juli 1952 uraufgeführt wird, herrscht in den USA ein Klima der Hysterie und Angst. Senator Joseph McCarthy setzt alles daran, angebliche Kommunisten in Hollywoods Traumfabrik zu entlarven. Wer vor McCarthys Ausschüssen abschwört und Kollegen anschwärzt, entgeht der berüchtigten Schwarzen Liste, die Berufsverbot bedeutet. "Jeder, der im Entferntesten liberal war oder die Menschheit verbessern wollte, hatte darunter zu leiden" erinnert sich Lloyd Bridges, der Darsteller des Deputy Harvey Pell. "Es war eine schreckliche Zeit."

Abrechnung mit der McCarthy-Ära

Wie viele andere denunziert auch Bridges Kollegen vor dem "Komitee für unamerikanische Umtriebe" – im Gegensatz zum "High Noon"-Drehbuchautor Carl Foreman. Weil er die Aussage verweigert, wird er von Produzent Stanley Kramer gefeuert. Foremans Verbitterung über die Gesinnungshatz und die Verräter ist da schon längst ins Drehbuch eingeflossen. "Zwölf Uhr mittags", von Regisseur Fred Zinnemann psychologisch meisterhaft inszeniert, ist eine bittere Abrechnung mit der Despotie und Feigheit der McCarthy-Zeit.

Der Österreicher Zinnemann gilt bei Produzenten eigentlich als zu europäisch für das uramerikanische Western-Genre. Seine Art, Stories gesellschaftskritisch und realitätsnah zu erzählen, steht im krassen Gegensatz zum traditionellen Kino der 40er-Jahre. Für "Zwölf Uhr mittags“ wird Zinnemann deshalb ein weit geringeres Budget als üblich zugestanden. Superstar Gary Cooper kann er nur verpflichten, weil der für eine Gewinnbeteiligung seine Gage herabsetzt.  

Aussichtsloses Duell gegen die Zeit

Gary Cooper als Sheriff Will Kane in "High Noon", Szenenfoto

Allein gegen alle: Gary Cooper als Marshal Will Kane

"Es ist ein Western, aber 'the West' ist eigentlich nur ein Hintergrund", sagt der Regisseur über sein Meisterwerk. Als zentrales dramatisches Element setzt Zinnemann den Druck der gnadenlos verrinnenden Minuten ein. Beinahe in Echtzeit erlebt das Publikum mit, wie sich Will Kanes Lage zum aussichtslosen Duell zuspitzt: von der Trauung um 10.40 Uhr bis zum Showdown bei High-Noon, als Frank Miller die Stadt betritt. Unterstrichen wird die Atmosphäre durch die sparsam orchestrierte, oscarprämierte Musik von Dimitri Tiomkin.

Mit "Zwölf Uhr mittags" gelingt Fred Zinnemann einer der größten Publikums- und Kritikererfolge der 50er-Jahre. Noch heute genießt der Anti-Western den Ruf eines der besten Kinofilme überhaupt. Nur erzkonservative Hardliner wie Western-Ikone John Wayne lassen kein gutes Haar an dem ihrer Ansicht nach un-amerikanischen Machwerk. Als Vorsitzender der "Allianz zur Bewahrung amerikanischer Ideale“ fühlte sich Wayne berufen, den Film als unpatriotisch zu verdammen. Sechs Jahre später dreht der "Duke" mit "Rio Bravo" unter der Regie von Howard Hawks seine "amerikanische" Version von "High Noon".

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 24. Juli 2017 ebenfalls an "Zwölf Uhr mittags". Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 24.07.2017, 00:00