17. Januar 1927 - US-Sängerin Eartha Kitt wird geboren

17. Januar 1927 - US-Sängerin Eartha Kitt wird geboren

Als Eartha Kitt 1943 die Schule verlässt, muss sie wie viele andere Mädchen in Harlem Uniformen nähen. Jeden Tag die gleiche monotone Fabrikarbeit. "Aber ich merkte nichts davon, ich lebte in der fantastischen Welt meiner Träume", sagt die Sängerin später. Diese werden eher zufällig wahr: Eine Passantin fragt sie nach dem Weg zum Tanzstudio von Katherine Dunham.

Kitt geht aus Langeweile mit und bekommt ein Stipendium für Tanz und Gesang. Das dahin unglückliche Mädchen trainiert diszipliniert und ehrgeizig. "Es war ärger als ein Gefängnis - lernen, immer nur lernen", erzählt sie. Dafür erhält Kitt mit noch nicht einmal 20 Jahren die erste Solorolle und reist mit dem Dunham-Theater nach Europa.

Albert Einstein und die fauchende Wildkatze

In Paris verlässt Eartha Kitt das Ensemble und startet ihre Solokarriere im Nachtklub "Carrols". Mehr noch als ihre Stimme werden ihre geschmeidige Körpersprache und ihre elegante Sinnlichkeit zum Markenzeichen. Das laszive schnurrende "Grrrrrr" - eine Tonfolge, die sie bis zum Lebensende perfektioniert - macht sie auf der Bühne zur "Sexy Kitten", zur fauchenden Wildkatze.

Als erste Farbige erhält sie in den 1950er Jahren eine Hauptrolle am Broadway, zeigt in den 1960er Jahren als "Catwoman" in "Batman" ihre Krallen und bringt mit "Santa Baby" ihren ersten großen Hit raus, weitere folgen. Regisseur Orson Welles nennt Kitt die "aufregendste Frau der Welt", der Schah von Persien reist extra an, um sie zu sehen. Selbst Albert Einstein trifft die Sängerin zum Gespräch und bleibt länger als geplant.

Ärger mit dem Präsidenten

Aber statt einem luxuriösen Leben an der Seite eines reichen Mannes - solche Angebote soll es viele gegeben haben - bleibt Kitt die meiste Zeit ohne festen Partner. "Vielleicht habe ich eine Abneigung dagegen, dass jemand so vollkommen die Kontrolle über mein Leben erhalten soll", schreibt sie. Sie widmet ihre Zeit lieber der Kunst, Musik und Literatur als einem einzigen Mann. "Ich bin der Prinz, weil ich für alles arbeiten musste, was ich erreicht habe", resümiert Kitt.

1968 stoppt der Erfolg in den USA abrupt: Bei einem Essen mit der Präsidentengattin kritisiert die emotionale Künstlerin den Vietnamkrieg offen. Lady Bird Johnson bricht in Tränen aus, Kitt steht fortan unter Beobachtung von CIA und FBI und tritt die folgenden Jahre überwiegend im Ausland auf. Erst 1978 feiert sie mit dem Musical "Timbuktu!" eine - auch vom demokratischen Präsidenten Jimmy Carter begrüßte - triumphale Rückkehr zum Broadway.

Schwierige Kindheit

Privat gilt Eartha Kitt als ebenso unberechenbar wie die Katze, die sie auf der Bühne mimt: Ihre von Kollegen und Angestellten gefürchteten Gefühlschwankungen begründet die am 17. Januar 1927 in North Carolina geborene Tochter einer farbigen Farmarbeiterin und eines Weißen mit ihrer schwierigen Kindheit. Der Vater schert sich nicht um sie, die Mutter gibt die Sechsjährige zu einer Tante nach New York, weil sie die Heirat mit einem neuen Mann behindert.

Aus dem Gefühl der Einsamkeit und der Zurückgestoßenheit sei die launische temperamentvolle Eartha Kitt entstanden. "Das ist keine Entschuldigung, das ist eine Erklärung", erläutert Kitt einmal. Sie selbst pflegt zu ihrer einzigen Tochter, die aus einer kurzen Ehe Anfang der 1960er Jahre hervorgeht, ein enges Verhältnis. Ihren 80. Geburtstag feiert Eartha Kitt mit einem großen Konzert in der Carnegie Hall. Sie stirbt am 25. Dezember 2008 mit 81 Jahren an den Folgen einer Krebserkrankung.

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Stand: 17.01.2017, 00:00