22. Februar 2006 - Bundeskabinett beschließt Feinstaubplakette

Feinstaubplaketten mit den Nummern der Schadstoffklassen 2, 3 und 4 (Aufnahme von 2007)

22. Februar 2006 - Bundeskabinett beschließt Feinstaubplakette

Jedes Jahr sterben hierzulande 50.000 bis 55.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Feinstaub - schätzt das Umweltbundesamt. Feinstäube sind Partikel in der Luft, die über die Lunge vom Körper aufgenommen werden.

Das Gemisch besteht aus Stoffen wie Ruß- und Metallteilchen, Abrieb von Reifengummi oder Pollen. Sie können zu Entzündungen, Herz-Kreislauf-Schwächen und Lungenkrankheiten führen. Auch die Risiken eines Schlaganfalls oder einer Krebserkrankung steigen bei einer hohen Feinstaub-Belastung.

Bundeskabinett beschließt Feinstaubplakette (am 22.02.2006)

WDR 2 Stichtag 22.02.2021 04:16 Min. Verfügbar bis 20.02.2031 WDR 2


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Vier Schadstoffklassen

Seit 2005 gelten deshalb europaweit Grenzwerte: An höchstens 35 Tagen im Jahr darf der Wert von 50 Mikrogramm Feinstaub pro Kubikmeter Luft nicht überschritten werden. Doch dieses Limit ist in vielen deutschen Großstädten schon vier Monate nach der Einführung des Wertes erreicht.

Als Ursache gelten die Dieselfahrzeuge - damals noch ohne Partikelfilter. Am 22. Februar 2006 beschließt das Bundeskabinett daher die Einführung einer Feinstaubplakette. Vier Schadstoffklassen werden eingeführt und dementsprechend jedem Auto eine grüne, gelbe, rote oder gar keine Plakette zugeteilt.

Lange Übergangszeit

Ziel ist es, die Einfahrt in belastete Gebiete verbieten zu können. Doch erst 2008 richten die ersten Städte sogenannte Umweltzonen ein. Neben Berlin und Hannover ist auch Köln dabei, weitere folgen.

Doch die Feinstaubwerte gehen kaum zurück. Der Grund: Anfangs dürfen auch Fahrzeuge mit roten Plaketten in die Umweltzonen fahren. Erst allmählich verschärfen die Städte die Regeln, sodass immer mehr Autos draußen bleiben müssen.

Grenzwerte überholt

Alte Fahrzeuge werden aus dem Verkehr gezogen, andere zumindest nachgerüstet. Doch erst 2019 wird der Grenzwert bundesweit zum ersten Mal eingehalten. Aktuell gibt es 57 Umweltzonen. In fast allen dürfen ausschließlich Autos mit grüner Plakette fahren.

Gelöst sei das Feinstaub-Problem aber nicht, sagt Marion Wichmann-Fiebig vom Umweltbundesamt. Denn die Grenzwerte seien längst überholt - gemessen an WHO-Empfehlungen.

Weitere Feinstaubquellen

Zwar beschränkt sich die Feinstaubbelastung im Straßenverkehr mittlerweile vor allem auf den Brems- und Reifenabrieb. Daneben gibt es aber noch andere Schadstoffquellen.

Dazu zählen neben Kaminöfen auch die industrielle Landwirtschaft, die fast die Hälfte der gesamten Feinstaubbelastung verursacht. Das Gülle-Gas Ammoniak verbindet sich in der Luft mit anderen Gasen und wird zu Feinstaub - dem niemand entkommen kann.

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