6. Dezember 1898 - Deutsche Grammophon Gesellschaft wird gegründet

Plakat mit Porträts verschiedener Dirigenten mit Logo und Schriftzug "Grammophon"

6. Dezember 1898 - Deutsche Grammophon Gesellschaft wird gegründet

"Zuerst klingt es wie eine wahnsinnig gewordene Dampfmaschine. Wenn Sie dann die Hoffnung haben, gleich würde es besser, dann vernehmen sie als nächstes das Rumpeldipumpel eines schwer beladenen Fuhrwerks." So äußert sich ein Zeitgenosse zunächst über das Grammophon.

Gründung der Dt. Grammophon Gesellschaft (am 06.12.1898)

WDR 2 Stichtag | 06.12.2018 | 04:14 Min.

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Doch nach einigen Startschwierigkeiten sind die Menschen begeistert vom Grammophon. Die dazugehörigen Schellackplatten mit ihren 78 Umdrehungen in der Minute gehören sogar für die nächsten 60 Jahre zu den wichtigsten Unterhaltungs- und Massenmedien in der Welt.

Berliner arbeitet als privater Erfinder

Erfunden hat das Grammophon Emil Berliner, 1851 geboren als Sohn eines Textilhändler-Ehepaars in Hannover. 1870 geht er in die USA, arbeitet in den Bell-Labs und entwickelt das Telefon mit. Berliners Anteil ist ein Mikrofon, dass die Telefonate verständlicher macht. Bell zahlt ihm dafür ein Vermögen von 75.000 Golddollar. Berliner kündigt und wird mit 34 Jahren, mittlerweile verheiratet und US-Staatsbürger, privater Erfinder.

Zwei Jahre arbeitet er an seinem Grammophon, der Alternative zu Edisons Phonographen. 1887 meldet Emil Berliner in Washington und in Berlin das Patent für seine Erfindung an, dem "Verfahren und Apperat für das Registrieren und Wiederhervorbringen von Tönen".

Sänger verkaufen Phonoautogramme

Emil Berliner stellt sich vor, dass Grammophone überall stehen, in Cafés, Restaurants, Salons und Wohnzimmern. Und er stellt sich einen ganz neuen Musikmarkt vor. "Mit Hilfe meines Grammophons wird man ein Menschenleben in zwanzig Minuten auf Platten zusammenfassen können. … Prominente Sänger, Sprecher und Schauspieler werden durch den Verkauf ihrer Phonoautogramme zu einem Tantiemeneinkommen gelangen", sagt Berliner.

Mit seinem Bruder Josef gründet er am 6. Dezember 1898 in Hannover die Deutsche Grammophon Gesellschaft. Es ist bis heute das älteste Schallplattenlabel der Welt. Enrico Caruso, die Wiener Philharmoniker, Martha Argerich – die Deutsche Grammophon hat sie alle.

Der Kulturhistoriker und Grammophonexperte Stefan Gauß erklärt: "Was am Grammophon verblüfft hat, war vor allem die Einfachheit der Konstruktion. Diese Möglichkeit Schall zu reproduzieren, war für die meisten Zuhörenden vollkommen neu."

Programmtipps:

Auf WDR 2 können Sie den Stichtag immer gegen 9.40 Uhr hören. Wiederholung: von Montag bis Samstag um 18.40 Uhr. Der Stichtag ist nach der Ausstrahlung als Podcast abrufbar.

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 6. Dezember 2018 ebenfalls an die Deutsche Grammophon Gesellschaft. Auch das "ZeitZeichen" gibt es als Podcast.

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Stand: 06.12.2018, 00:00