3. August 1929 - Grammophon-Erfinder Emil Berliner stirbt

 Emil Berliner neben seinem Grammophon, Foto um 1888

Stichtag

3. August 1929 - Grammophon-Erfinder Emil Berliner stirbt

In das kleine Textilgeschäft der Eltern in Hannover einzusteigen, das reizt den 1851 geborenen Emil Berliner wenig. Bereits mit vierzehn Jahren hat er die Schule verlassen müssen, um zum kargen Lebensunterhalt der Berliners mit ihren elf Kindern beizutragen. Als Emil 1870 in den Krieg gegen Frankreich ziehen soll, packt der 19-Jährige seine Siebensachen und emigriert in die USA.

Überall in der Neuen Welt grassiert das Elektrizitätsfieber. Auch Emil Berliner wird von den überwältigenden Möglichkeiten dieser neuen Technologie in den Bann gezogen. Tagsüber schlägt er sich als Spülkraft und Zeitungsbote durch, abends bringt er sich die Grundkenntnisse der Elektrizität und Physik bei. Vor allem die Akustik weckt sein Interesse. Nur wenige Jahre später wird der Autodidakt die Schalltechnik revolutionieren und den Grundstein für die moderne Musikindustrie legen.

Klänge von der Platte

Im Dienst des Telefon-Pioniers Alexander Graham Bell erfindet Emil Berliner 1877 das Kohlenstab-Mikrofon, das die Stimmübertragung entscheidend verbessert. Bell zahlt ihm für das Patent die horrende Summe von 75.000 Golddollar. Mit diesem Startkapital richtet sich Berliner 1885, inzwischen verheiratet und US-Bürger, sein eigenes Labor ein. Zwei Jahre lang arbeitet er an einer Alternative zu dem von Thomas Alva Edison erfundenen Phonographen. Dessen Gerät nimmt Töne auf einer Wachswalze auf, eine serienmäßige Vervielfältigung der Walzen ist technisch aber nicht möglich.

Das von Emil Berliner gebaute Grammophon dagegen zeichnet Schallimpulse auf einer wachsbeschichteten Zinkscheibe auf, die der Erfinder "Schallplatte" nennt. Sie bietet eine größere Aufnahmefläche als Edisons Walze und kann durch Pressung auf Schellackplatten massenhaft reproduziert werden. 1887 meldet der Selfmade-Ingenieur sein "Verfahren und Apparat für das Registrieren und Wiederhervorbringen von Tönen" zum Patent an, erst in Washington und sechs Wochen später beim Kaiserlichen Patentamt in Berlin.

Zeit und Raum überwunden

Edison vermarktet seinen Phonographen lediglich als Diktiergerät. Berliner aber erkennt die Marktchancen seines Apparats als Unterhaltungsmedium und setzt von Beginn an auf den Verkauf bespielter Schallplatten. "Mithilfe meines Grammophons wird man ein Menschenleben in 20 Minuten auf Platten zusammenfassen können", erklärt der Erfinder 1889 dem staunenden Auditorium im elektrotechnischen Verein in Berlin. "Prominente Sänger, Sprecher und Schauspieler werden durch den Verkauf ihrer Phonoautogramme zu einem Tantiemeneinkommen gelangen."

Das völlig neue Erlebnis, auf Platte gebannten Klängen nach Belieben lauschen zu können, löst weltweit Begeisterung aus. "Hier werden Zeit und Raum überwunden", preisen Zeitungen das Grammophon. Auch bei der Vermarktung von Tonträgern leistet Berliner Pionierarbeit. 1898 gründet er die Deutsche Grammophon, das älteste Plattenlabel der Welt. Vier Jahre später nimmt Enrico Caruso dort seine ersten Arien auf. Die Platten des Tenors erklingen bald in Wohnzimmern rund um den Globus, machen Caruso steinreich und besiegeln den Siegeszug der Schallplatte. Ihr auch auf vielen anderen Gebieten erfolgreicher Erfinder Emil Berliner stirbt am 3. August 1929 mit 78 Jahren in Washington.

Stand: 03.08.2014

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