2. Januar 1492 - Die Araber verlieren Granada

Brunnen im Loewenhof, Koenigspalast, Alhambra, Granada, Andalusien, Spanien

Stichtag

2. Januar 1492 - Die Araber verlieren Granada

"Die Stadt hielt aus, bis die letzten Pferde, Hunde und Katzen verzehrt waren und Hunderte vor Hunger und Krankheit umkamen. Nach der bedingungslosen Übergabe verkaufte Ferdinand 12.000 Überlebende als Sklaven." So schildert der amerikanische Historiker William James Durant die Kapitulation der andalusischen Stadt Granada. Nach Übergabe seiner Stadt sagt der maurische Emir Muhammad XII, auch Boabdil genannt, in einem überlieferten Gespräch mit dem christlichen Verhandlungsführer: "Dank uns hat Spanien Europa jahrhundertelang mit Kunst, Wissenschaft und Philosophie beschenkt. Die wahre Geschichte dieser Halbinsel wird nun zu Ende gehen; ich weiß, dass Ihr anderer Meinung seid, aber es ist so. Jetzt werden goldene Zeiten kommen, aber wir werden nicht darin vorkommen." Mit dem Emirat Granada fällt die letzte islamische Bastion und so endet die Herrschaft der Araber über die iberische Halbinsel.

Araber ziehen sich ins Emirat Granada zurück

Zwischen dem 8. und 10. Jahrhundert drangen die Mauren, von der arabischen Halbinsel, aus Syrien und Ägypten kommend, bis nach Frankreich vor und hielten große Teile Spaniens unter ihrer Herrschaft. Sie blieben unter sich und errichteten Zentren blühender islamischer Kultur. Der Königspalast Alhambra, heute UNESCO-Weltkulturerbe, zählt zu einer ihrer schönsten Hinterlassenschaften. Die christlichen Mitbewohner werden, da sie ihre Abgaben entrichten, geduldet. Regelmäßig unternehmen die Muslime Raubzüge in christliche Gebiete, bis die Königreiche Kastilien und Aragon in Spaniens Norden vereint zum christlichen Widerstand gegen die Mauren rüsten. Ziel des Kreuzzuges ist die Rückeroberung Spaniens, daher später "Reconquista" genannt. Bald sind die christlichen Heere überlegen und nehmen Ende des 15. Jahrhunderts große Teile des Landes für Königin Isabella und König Ferdinand ein. Nach dem Fall der Städte Córdoba, Sevilla, Valencia und Málaga ziehen sich die verbleibenden Araber auf das Gebiet um Granada zurück.

Der Seufzer des Mohren

Die Hauptstadt des Emirats Granada im Süden trotzt den Belagerern, einem christlichen Heer aus 10.000 Reitern und 30.000 Kriegsknechten. Doch nach und nach nehmen die Truppen viele kleine maurische Städte und Ortschaften rings um Granada ein: Die Versorgungslage in der Stadt verschlechtert sich dramatisch. Im November 1491 kapituliert Emir Boabdil, verschiedene Verträge dokumentieren die Kapitulationsbedingungen: Es soll Generalamnestie für die Kämpfer gegen die Christen geben und vollkommene Straffreiheit. Bei Prozessen zwischen Muslimen und Christen sollen ein Kadi und ein christlicher Richter Recht sprechen. Am 2. Januar 1492 ziehen König Ferdinand und Königin Isabella in die Stadt ein. Feierlich nimmt Boabdil seinen als Pfand gestellten Sohn entgegen, küsst des Königs Hand und übergibt ihm die Schlüssel zur Stadt und zum Königsschloss Alhambra. Weil es keine Gefechte gegeben hat, bleibt die Alhambra unversehrt und damit auch der einzige maurische Palastbau, das in Südspanien seit dem Mittelalter erhalten geblieben ist. Laut Legende soll Boabdil vom Pass des Gebirges der Alpujarras ein letztes Mal auf Granada geschaut haben und den "Seufzer des Mohren" ausgestoßen haben. Und seine Mutter Fatima entgegnete: "Was jammerst du wie ein Weib über den Verlust der Stadt, die du als Mann nicht zu verteidigen wusstest?" Heute heißt der Ort "Puerto del Suspiro del Moro – Der Pass des Seufzers des Mohren".

Stand: 02.01.2012

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