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22. Juli 1996 - "Silly"-Sängerin Tamara Danz stirbt in Berlin

Tamara Danz, Sängerin der Band "Silly"

22. Juli 1996 - "Silly"-Sängerin Tamara Danz stirbt in Berlin

In der DDR ist Tamara Danz sieben Mal "Rocksängerin des Jahres". Damit macht sie ihre Band "Silly" auch in der Bundesrepublik bekannt. Aber ihr Verhältnis zum Westen ist nicht einfach.

Verkehrte Welt: Der Song "Bataillon d'Amour" der DDR-Rockgruppe "Silly" ist in Ostdeutschland ein Hit, doch in Westdeutschland soll er nicht gespielt werden. Zumindest nicht im ZDF-Nachmittagsprogramm: Als die Band im November 1986 im Fernsehstudio in Mainz für den Auftritt probt, verlangt der Redakteur einen anderen Song.

Die Liedzeile "zwei schmale Jungenhände streicheln ihre Brust" sei zu anzüglich. Stattdessen soll der Titel "Schlohweißer Tag" gespielt werden. Dem Redakteur fällt nicht auf, dass es darin weitaus deutlicher zur Sache geht: "Ich mache mich hin, ich mache Verkehr. Die Neonröhre röhrt leise dazu. Nur ich und du."

Tamara Danz, Rocksängerin (Todestag, 22.07.1996)

WDR ZeitZeichen 22.07.2021 14:49 Min. Verfügbar bis 23.07.2099 WDR 5


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Zwischen den Zeilen

Tamara Danz, die Sängerin von "Silly", kennt Textdebatten damals nur aus der DDR. "Da hat man Kämpfe durchgestanden, um eine Zeile durchzukriegen", sagt sie nach dem Mauerfall. "Das war sehr ermüdend, war allerdings auch irgendwie befriedigend, wenn man das geschafft hatte." Denn die DDR-Bürger hätten zwischen den Zeilen lesen können und den Sinn verstanden.

Die Tochter einer Kindergärtnerin und eines Maschinenbauingenieurs wird 1952 im thüringischen Breitungen geboren. Weil der Vater später als Handelsrat in den diplomatischen Dienst berufen wird, wächst Tamara in Bulgarien und Rumänien auf. Zurück in Ost-Berlin singt sie im FDJ gelenkten "Oktoberklub" und in verschiedenen Bands.

Empfang bei Honecker

1978 stößt Danz zur Gruppe "Familie Silly", die sich zwei Jahr später in "Silly" umbenennt. Die Alben "Mont Klamott" (1983), "Liebeswalzer" (1985) und "Bataillon d'Amour" (1986) werden Verkaufserfolge.

Tamara Danz wird in der DDR siebenmal zur "Rocksängerin des Jahres" gewählt, ihre Band produziert dreimal die "LP des Jahres". Sogar Erich Honecker bittet sie zum Empfang - und sie wundert sich hinterher, "dass er nicht größer war wie 'n Laubfrosch."

Zwänge des Kapitalismus

Auch nach der Wende gibt es Probleme mit den Texten. Musikmanager befürchten, diese würden nur im Osten verstanden. Doch Danz lässt sich nicht einschüchtern: "Bevor ich nicht weiß, dass es anders nicht geht, werde ich mich diesem System nicht beugen. Ich spiele dieses Spiel nicht mit." Auf der Platte "Hurensöhne" (1993) thematisiert sie die Zwänge des Kapitalismus.

Als die Sängerin das Album "Paradies" (1996) mit "Silly" aufnimmt, ist sie an Brustkrebs erkrankt: "Meine Uhr ist eingeschlafen. Ich hänge lose in der Zeit. Ein Sturm hat mich hinaus getrieben, auf das Meer der Ewigkeit." Tamara Danz stirbt am 22. Juli 1996 in Berlin im Alter von 43 Jahren.

Autor des Hörfunkbeitrags: Thomas Klug
Redaktion: Ronald Feisel

Programmtipps:

"ZeitZeichen" auf WDR 5 (9.45 Uhr) und WDR 3 (17.45 Uhr) erinnert am 22. Juli 2021 an Tamara Danz. Das "ZeitZeichen" gibt es auch als Podcast.

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